Götzes WM-Aus ist nachvollziehbar, aber ein Frust für alle Fussball-Romantiker

16.5.2018 - 10:13, Jan Arnet

2014 war Mario Götze noch Deutschlands Weltmeister-Held.
Keystone

Dass Deutschlands Bundestrainer Jogi Löw bei der WM in Russland nicht auf Mario Götze setzt, ist sportlich gesehen absolut nachvollziehbar. Den Fans wird der Held von 2014 dennoch fehlen. Ein Kommentar.

«Es tut mir für ihn persönlich leid, weil ich weiss, was Mario in der Vergangenheit geleistet hat», sagt Jogi Löw nach Bekanntgabe seines vorläufigen WM-Kaders, mit der er am Dienstag für einige Überraschungen sorgte. Der Mann, der Deutschland vor vier Jahren zum WM-Titel schoss, muss zuhause bleiben. Löw erklärt: «Es war nicht unbedingt Mario Götzes Saison. Er hat nicht die Qualität gezeigt, die er eigentlich hat. Er war nicht in der Form.»

Die Statistik gibt dem Bundestrainer recht. 2 Tore und 7 Assists in 32 Pflichtspielen sind für einen Mann, der vor nicht allzu langer Zeit von vielen noch als nächster Weltfussballer gesehen wurde, zu wenig. Man darf auch nicht vergessen, dass der 25-Jährige seit November 2016 nur 25 Minuten für Deutschlands Nati gespielt hat.

Dennoch verliert die Weltmeisterschaft mit Götzes Nicht-Nominierung ein weiteres Stück ihres Glanzes. Nach Kalibern wie Buffon, Robben oder Ibrahimovic ist Götze ein weiterer grosser Fussballer, der in Russland fehlen wird. Der Held von 2014, der mit seinem Tor in der Verlängerung gegen Argentinien Deutschland zum Titel schoss und Fussballgeschichte schrieb, wird nicht nur von deutschen Fans vermisst werden. 


Bitter für den BVB-Profi: Löw traut dem 63-fachen Internationalen nicht einmal den einen vielleicht entscheidenden Moment zu, den er ob seiner Fähigkeiten stets zu liefern im Stande wäre. Wenn die Deutschen noch ein Tor brauchen, setzt der Trainer statt auf Götze lieber auf Nils Petersen, der noch kein einziges Spiel für die Nationalmannschaft bestritt.

WM-Aus für Götze vielleicht das Beste

Für Götze selber ist das WM-Aus die nächste bittere Pille. Seit 2014 ist der Offensivspieler in einem Loch, aus dem er nicht herausfindet. Bei Bayern konnte er sich nicht durchsetzen, nach seiner Rückkehr nach Dortmund drückte ihm eine Stoffwechselerkrankung auf die Bremse. Was er wirklich kann, hat der «Golden Boy» von 2011 (bester U21-Spieler Europas) seit der letzten WM nur noch selten zeigen können.

Ein Moment für die Ewigkeit: Mario Götze schiesst das entscheidende Tor im WM-Final 2014.
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Womöglich will Löw den formschwachen Götze auch schützen. Denn wäre er in Russland dabei gewesen, hätte sich vieles nur um den WM-Helden von Brasilien gedreht. Wie schon in den vergangenen Monaten, als er von deutschen Medien immer wieder als «Löws grösstes Sorgenkind» betitelt wurde.

Löw hat ihm mit der Nicht-Nominierung den Druck genommen, jetzt kann Götze die Reset-Taste drücken. Er muss das Vergangene hinter sich lassen und seine Form wiederfinden. Er wird im Juni 26 Jahre alt, hat noch einige Jahre vor sich. «Ich hoffe, dass er nach der Sommerpause zurückkommt», sagt Löw. Die Deutschland-Tür ist für Götze also noch lange nicht zu. Er hat alle Chancen, beim nächsten Turnier wieder dabei zu sein und erneut Heldentaten zu vollbringen.


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