Hoeness teilt bei Rundumschlag gegen Kroos aus und dieser schlägt sogleich zurück

dpa/mal

11.7.2021 - 18:00

ARCHIV - 30.06.2019, Nordrhein-Westfalen, Köln: Fußball: Premiere des Dokumentarfilms
Sind sich nicht mehr gut gesinnt: Toni Kroos und Uli Honess an einer Veranstaltung 2019.
Bild: Keystone

Die Zeit von Toni Kroos «ist total vorbei». Uli Hoeness teilt bei seiner EM-Analyse im TV hart aus. Kroos schiesst nach der Hoeness-Abrechnung noch während der Live-Sendung scharf zurück.

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11.7.2021 - 18:00

Uli Hoeness hat in seiner schonungslosen EM-Analyse ein hartes Urteil über Toni Kroos gefällt und dem neuen DFB-«Messias» Hansi Flick Spitzen für dessen Dienstantritt mitgegeben. «Toni Kroos hat in diesem Fussball nichts mehr verloren», sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern München am Sonntag im TV-Talk, in dem er auch über die besondere Herausforderung für Triplecoach Flick beim deutschen Nationalteam sprach: «Wenn man der Messias ist, muss man auch Erfolg haben. Der Druck auf ihn ist ungeheuer gross.»

Ausführlich analysierte Hoeness im «Sport1-Doppelpass», warum es mit der Taktik des von ihm sehr geschätzten Bundestrainers Joachim Löw und phasenweise «Angsthasenfussball» im Achtelfinale gegen England nicht reichte. Als Schlüsselfigur machte er dabei den 106-maligen Nationalspieler von Real Madrid aus.

«Ich mag den Toni Kroos extrem, er hat Weltklasse-Leistungen gebracht, war für den FC Bayern super. Aber seine Art zu spielen ist total vorbei», sagte Hoeness. Heute spiele man «vertikal» und «volle Pulle nach vorne» – und nicht die vielen Querpässe à la Kroos.

«Das kann Uli H. nicht gefallen»

Der 31-Jährige, der drei Tage nach dem EM-Aus der Deutschen zurückgetreten war, reagierte noch während des Klartext-Auftritts seines früheren Chefs beim FC Bayern via Twitter bissig. «Uli Hoeness ist ein Mann mit grossem Fussballsachverstand (auch wenn es für RTL nicht gereicht hat), wenig Interesse für Polemik und mit sich komplett im Reinen. Ähnlich wie sein Greenkeeper», stichelte Kroos zurück.

Hoeness hatte vor fast zwei Jahrzehnten, den legendären Satz gesprochen, dass Lothar Matthäus nicht einmal Greenkeeper beim FC Bayern werden würde. Jetzt folgt Matthäus auf Hoeness als TV-Experte bei RTL. Hoeness hatte bei drei Länderspielen für den Sender gearbeitet, aber auf eine Fortsetzung verzichtet.

Der legte später sogar nochmal nach. Kroos teilte eine Statistik von «Opta», die ihn als Spieler mit den meisten Pässen (66) ins letzte Angriffsdrittel bei der EM ausweist. Sein Kommentar dazu: «Das kann Uli H. nicht gefallen.» 

«Flick ist halt der Messias»

So schnell wie Kroos reagierte Flick nicht. Hoeness erinnerte am Sonntag an die Erfolge des Sieben-Titel-Trainers, aber eben auch an den Ärger in dieser erfolgreichsten Zeit der Vereinshistorie. «Das hat er mitverursacht, da war ich ihm auch ziemlich böse», grantelte Hoeness. Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic verfolgten nicht denselben Kurs in der Personalstrategie.

«Hansi Flick wollte ganz kurzfristig Erfolg, darauf hat er gnadenlos hingearbeitet. Das ist ihm prima gelungen», sagte Hoeness. Der Coach habe sich nur für das Sportliche interessiert, nicht für die wirtschaftliche Seite. «Deswegen ist er eigentlich ein idealer Bundestrainer.» Dort geht's schliesslich nicht um Ablösesummen.

Nach dem Scheitern von Löw, den er wie Kroos sehr schätze, ist der Start für den erfolgreichen Flick nach Ansicht von Hoeness nicht schwer. «Jetzt hat er es ja relativ leicht, weil er kaum Widerstand kriegen wird. Er ist halt der Messias», sagte der 69-Jährige.

«Mit der Bayern-Taktik würden wir jetzt anders dastehen»

Die taktischen Anpassungen von Löw seien «total in die Hose gegangen», betonte Hoeness. Er plädierte unter anderem für eine Viererkette und Joshua Kimmich zusammen mit Leon Goretzka im Zentrum. Hätte man die Bayern-Taktik aus der Triple-Saison gespielt, «dann bin ich 100 Prozent sicher, dass wir jetzt anders dastehen würden».

Bei der bevorstehenden Neuaufstellung des Deutschen Fussball-Bundes hat sich Hoeness als Teil eines Beratergremiums ins Gespräch gebracht. Wenn vernünftige Leute auf ihn, den ehemaligen Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge oder auch Rudi Völler zukämen, «können wir uns dem doch kaum verschliessen», sagte der 69-Jährige. Zugleich wiederholte er, nicht als DFB-Präsident zu Verfügung zu stehen. «Da springt mir meine Frau ins Kreuz», meinte er.

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