Jogi Löw setzt auf Dreierkette – Mehrheit der Spieler will Systemänderung 

Von Klaus Bergmann und Jens Mende, dpa

4.6.2021 - 12:05

Thomas Müller gibt beim DFB wieder lautstarke Kommandos – liebäugelt auch er mit einer Systemänderung?
Bild: Keystone

Beim vorletzten Turniertest gab es für Deutschland ein 1:1 gegen Dänemark. Danach entbrannte offenbar bei einigen Spielern eine System- und Personaldebatte.

Von Klaus Bergmann und Jens Mende, dpa

4.6.2021 - 12:05

«Licht und auch Schatten» sah Bundestrainer Jogi Löw nach dem Remis gegen die Skandinavier. Der 61-Jährige zockt vor seiner letzten Turniermission mit Systemen und Personal. Immerhin scheint die Rückholaktion von Thomas Müller und Mats Hummels kein Rohrkrepierer zu werden, auch wenn dem Dauerantreiber des FC Bayern und dem Dortmunder Abwehr-Routinier keine Wunderdinge gelangen. 

Ein Streitthema bleibt die Systemfrage. Löws taktische Antwort auf die Franzosen mit ihrer gewaltigen Offensivkraft und Einzelkönnern wie Kylian Mbappé oder Antoine Griezmann heisst Safety first. «Mass aller Dinge wird sein, dass wir in der Lage sind, zu null zu spielen und einen Vorsprung mal über die Runden zu bekommen», sagte Löw. 



Seine Systemlösung für dieses übergeordnete Ziel ist die Dreierkette. «Für mich ist entscheidend, dass die letzte Reihe gut steht», führte er aus. «Das hat mit Ginter, Süle und Hummels eigentlich ganz gut geklappt.» Sein Fazit: «Die Dreierkette ist für das Turnier eine Option.»

Jogi Löw grübelt (noch) über die passende Aufstellung für das EM-Abenteuer.
Bild: Keystone

Spieler lehnen sich gegen Dreierkette auf

Das Festhalten an der Dreierkette stösst dabei intern offenbar auf Unverständnis. Wie die «Bild» erfahren haben will, soll die Mehrheit der Spieler an der vorgegebenen Taktik zweifeln. Speziell die Bayern-Stars (acht Spieler im Kader) würden offenbar die Viererkette bevorzugen. Dies, weil sie auch in ihrem Klub jeweils so antreten. Ein Vorteil dieser Variante wäre, dass man so auch die Offensive stärken könnte. 

Die Spieler wollen also gegen die beiden Hauptkonkurrenten Frankreich und  Portugal – die ersten zwei EM-Gegner – nicht zu defensiv antreten. Ob Jogi Löw auf die Wünsche seiner Spieler hört, wird man beim Turnierstart sehen. Unabhängig vom Spielsystem und den Rückkehrern scheint die mangelhafte Effizienz das aktuelle Hauptproblem zu sein.

Nach 15 Jahren als Chefcoach droht Löw bei einem Gruppen-Aus der Abgang durch die Hintertür. Ob ein allfälliges Ausscheiden dann am System festgemacht wird? 

Von Klaus Bergmann und Jens Mende, dpa