Nico Elvedi im Interview «Das waren keine Flitterwochen...»

Michael Wegmann

3.6.2026

Im März haben Nico Elvedi und seine langjährige Freundin Alexandra geheiratet, vor der WM waren sie für ein paar Tage zusammen in Nizza. 
Im März haben Nico Elvedi und seine langjährige Freundin Alexandra geheiratet, vor der WM waren sie für ein paar Tage zusammen in Nizza. 
zVg.

Nico Elvedi (29) redet mit blue News über die Ambitionen an der WM, das bittere 1:6 im letzten Achtelfinal gegen Portugal, über seine Hochzeit mit Alexandra und verrät, weshalb bei ihm statt Flitterwochen Training angesagt war.

Michael Wegmann

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Für Nico Elvedi steht in den USA bereits die dritte Weltmeisterschaft seiner Karriere an. Dementsprechend motiviert geht der Innenverteidiger ins Turnier.
  • Die Nati werde versuchen, jedes Spiel zu gewinnen, versichert Elvedi, der auf viel Erfolg hofft: «Wir wollen die beste WM spielen, die eine Schweizer Nati je gespielt hat.»
  • Im März heiratete der 29-Jährige seine Alexandra. Anstatt Flitterwochen gab es für die beiden nur ein paar Tage Nizza, verrät Elvedi.
  • Und auch dort stand die WM im Fokus: «Da habe ich aber drei-, viermal mit einem Athletik-Coach trainiert, damit ich topfit einrücke.»

Nico Elvedi, eigentlich habt ihr in den USA was gutzumachen. Euer letzter Auftritt auf der Bühne des Weltfussballs war das bittere 1:6 gegen Portugal in Katar.

Wenn du dieses WM-Achtelfinal als letzten Auftritt nehmen willst, haben wir definitiv was gut zu machen, ja. Aber in der Zwischenzeit haben wir eine tolle EM in Deutschland gespielt und auch in der Qualifikation überzeugt. Es ist also nicht so, dass wir mit wenig Selbstvertrauen in die USA reisen.

Abgeschossen und rausgehauen: Der kranke Nico Elvedi (2.v.l.) und seine Nati-Kollegen nach dem  bitteren 1:6 gegen Portugal im WM-Achtelfinal in Katar.
Abgeschossen und rausgehauen: Der kranke Nico Elvedi (2.v.l.) und seine Nati-Kollegen nach dem  bitteren 1:6 gegen Portugal im WM-Achtelfinal in Katar.
Bild: Keystone

Nati-Fans haben längst den Turnierbaum studiert und festgestellt, dass als Gruppenerster erneut Portugal als Gegner im Achtelfinale drohen könnte. Macht man sich als Spieler auch solche Gedanken?

Nein, ich zumindest nicht. Wir versuchen, jedes Spiel zu gewinnen. Das wird auch bei der WM so sein. Taktieren bringt nichts. Will man weit kommen, muss man auch grosse Nationen schlagen. Wir wollen die beste WM spielen, die eine Schweizer Nati je gespielt hat.

Das würde den Viertelfinaleinzug bedeuten.

Ja. Und das ist sicher auch möglich. Wir haben eine sehr gute Mannschaft mit einer guten Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Talenten. Ich fliege mit einem sehr guten Gefühl in die USA.

Es wird bereits deine sechste Endrunde, deine dritte WM. Weisst du noch, mit welchen Gefühlen du 2018 an die WM nach Russland geflogen bist?

Glücklich und neugierig. Damals war ich schon froh, dass ich überhaupt dabei sein konnte. Manuel Akanji und Fabian Schär waren gesetzt. Als Schär dann im Achtelfinal gegen Schweden nicht spielen konnte, hat Trainer Vladimir Petkovic Johan Djourou gebracht. Ich habe keine Minute gespielt, trotzdem war’s ein tolles Erlebnis.

Deine Erwartungshaltung wird nun eine andere sein.

Logisch, dass ich jetzt mit anderen Erwartungen und einem anderen Selbstverständnis ins Turnier steige.

Torschütze Nico Elvedi jubelt mit Remo Freuler. 
Torschütze Nico Elvedi jubelt mit Remo Freuler. 
Bild: Keystone

An der EM 2021 und an der WM 2022 warst du Stammspieler. An der EM 2024 hast du keine Sekunde gespielt. War das der bisherige Tiefpunkt deiner Nati-Karriere?

Ja. Ich war damals enttäuscht. Natürlich hätte ich sehr gerne gespielt. Es kam ja noch hinzu, dass das Turnier in Deutschland war, was es für mich als Gladbach-Spieler noch spezieller gemacht hat. Aber das ist Vergangenheit. Im Nachhinein verstehe ich Yakins Entscheidungen. Ich habe damals im letzten Test vor der EM gegen Österreich nicht gut gespielt, zudem haben Schär und Akanji überzeugt. Die Enttäuschung war aber nach der EM schnell verflogen. Die Sache ist längst abgehakt.

Jetzt geht’s in die USA. Wie oft warst du schon in Amerika?

Bisher erst zweimal. Letztes Jahr waren wir mit der Nati für die Testspiele gegen Mexiko und die USA in Salt Lake City und Nashville. Und vor fünf, sechs Jahren waren Alexandra und ich in Miami in den Ferien.

Wird sie auch an der WM dabei sein?

Ja, sie kommt zusammen mit meinen Eltern zu den Spielen.

Ihr habt im März geheiratet. Was hat sich verändert?

Im Alltag nicht viel, wir sind ja schon seit gut zehn Jahren zusammen. Aber es ist schon ein anderes Gefühl mit dem Ring am Finger.

Habt ihr die Flitterwochen nun vor der WM noch nachgeholt?

Nicht wirklich. Wir waren jetzt vor dem Nati-Zusammenzug zwar für ein paar Tage zusammen in Nizza. Aber das waren keine Flitterwochen. Da habe ich drei-, viermal mit einem Athletik-Coach trainiert, damit ich topfit einrücke. Die Flitterwochen holen wir sicher irgendwann noch nach. Wie auch die grosse Hochzeits-Party. Wir haben erst auf dem Standesamt geheiratet.

Du spielst bereits seit elf Jahren bei der Borussia und hast bisher 364 Spiele für den Verein absolviert. Willst du noch Rekordspieler werden?

Dafür bräuchte ich schon noch ein paar Spiele. Aber ich hätte mir bei meinem Wechsel im Sommer 2015 nie vorgestellt, dass ich so lange bleiben würde …

Elvedi hat bei Gladbach noch einen Vertrag bis Sommer 2027.
Elvedi hat bei Gladbach noch einen Vertrag bis Sommer 2027.
Bild: Keystone

… du liegst auf der ewigen Rangliste nun auf Platz 9 und hast kürzlich gar die grosse Legende Günther Netzer überholt. Stolz?

Ja, das bedeutet mir sehr viel. Gladbach ist ein Top-Verein, ich spüre hier grosse Wertschätzung, auch von den Fans.

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