12.09.2017 - 13:30, sda

Als Rudi Völler sich dem Dopingzwang widersetzte

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Rudi Völler legte sich während seiner Aktivzeit in Marseille mehr als einmal mit dem Präsidenten Bernard Tapie an.
Bild: Getty Images

 

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Vor 25 Jahren löst die Champions League den Meistercup ab. Am Anfang steht Bernard Tapie, der Präsident des ersten Champions-League-Gewinners Olympique Marseille, der für etliche Skandale sorgte.



Als Präsident, General und Despot in Personalunion hatte er aus Olympique Marseille in wenigen Jahren und für wenige Jahre mit Geld und Macht einen Überklub gemacht. Wenn die Champions League in dieser Woche in ihr zweites Vierteljahrhundert steigt, drohen viele bedeutende Namen aus den Anfängen, auch jener von Tapie, allmählich in Vergessenheit zu geraten.

Der später der Bestechung überführte Aargauer Unparteiische Kurt Röthlisberger leitete in München den ersten und bis heute vielleicht langweiligsten Final der Champions League. Ein grosses Milan unter Fabio Capello mit Franco Baresi, Marco van Basten, Frank Rijkaard, Paolo Maldini und Ersatzmann Jean-Pierre Papin verlor 0:1 gegen das gross gemachte OM mit Fabien Barthez, Marcel Desailly, Didier Deschamps, Rudi Völler und Abédi Pelé. In den 16-Mann-Kadern waren 13 Italiener respektive 13 Franzosen. Noch wusste niemand vom Bosman-Urteil, das im Dezember 1995 alles verändern sollte.

Marseilles tiefer Fall

Als er 1986 den serbelnden Traditionsklub übernahm, kündigte Tapie an, er werde Olympique Marseille an die Spitze in Frankreich und an die Spitze in Europa führen. Also war er noch nicht am Ziel angelangt, als OM den Meistercup-Final 1991 im Penaltyschiessen gegen Roter Stern Belgrad verlor. Also wechselte er, den man auch als die grosse, aber kurzlebige französische Ausgabe von Christian Constantin bezeichnen konnte, die Mannschaft fast vollständig aus.

Trainer Raymond Goethals durfte bis nach dem Triumph gegen Milan bleiben. Mit dem greisen Belgier hatte Tapie jemanden unter sich, dem er nach Gutdünken dreinreden konnte. Der geistig angeschlagene Goethals war ein Statthalter des Präsidenten. Für den Gegner konnte er sich nicht auch noch interessieren. Vor dem Final in München soll er gesagt haben, es sei ihm gleichgültig, ob Milan mit Gullit oder Del Adorni spiele. Gullit war aber verletzt, und mit Del Adorni meinte er Donadoni.

Im heutigen perfektionierten Geschäft der Champions League hätte Goethals schon lange keinen Platz mehr, Tapie als allmächtiger Boss dafür umso mehr. Tapie langte jedoch mit dem Triumph von München nicht nur am Höhepunkt an, sondern auch am Schlusspunkt. Der Konkurs, die Bestechungsaffäre Valenciennes und die spätere Inhaftierung setzten dem Regime ein Ende.

Ausserdem soll Tapie die Mannschaft auch zur kollektiven Dopingeinnahme vor dem Final gegen Milan aufgefordert haben. Gemäss einem Bericht der französischen «L'Equipe» haben das auch sämtliche Spieler gemacht. Einzige Ausnahme war Rudi Völler, wie der frühere Teamkollege Jean-Jacques Eydelie sagt: «Am Tag des Endspiels hat Bernard Tapie gefordert, dass alle Spieler mit einem verbotenen Produkt gespritzt werden müssen. Dann standen wir alle in einer Schlange, nur einer hat es nicht akzeptiert: Rudi Völler. Wütend hat er die Verantwortlichen von Marseille angeschrien und in deutscher Sprache geschimpft. Er war wirklich ausser sich und konnte sich kaum beruhigen.»

K.o.-Spiele vor der Gruppenphase

Aus der heutigen Sicht mutet der Modus bei der Einführung der Königsklasse seltsam an. Zugelassen war nur der jeweilige Meister aus den damals 36 UEFA-Nationen. Vor der Gruppenphase wurden Sechzehntel- und Achtelfinals in Hin- und Rückspielen ausgetragen, sodass nur acht Mannschaften für zwei Vierergruppen übrigblieben. Die Gruppensieger – OM und Milan – waren automatisch die Finalisten. Der deutsche (Stuttgart), der englische (Leeds United) und der spanische Meister (Barcelona) blieben in den vorgezogenen K.o.-Runden hängen. Schweizer Meister Sion schied deutlich gegen Porto aus. Dafür tummelten sich in den beiden Gruppen Klubs, die heute kaum noch eine Rolle spielen: IFK Göteborg und die später in Schottland zwangsrelegierten Glasgow Rangers.

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