30 Jahre danach: Noch immer keine Gerechtigkeit für die Angehörigen

15.4.2019 - 18:22, tbz

Vor 30 Jahren, am 15. April 1989 starben im Hillsborough Stadium in Sheffield 96 Fussballfans. Schuldig dafür ist vor allem die Polizei, bis heute kam es aber nur zu einer einzigen Verurteilung.

Tausende Liverpool-Fans reisten am 15. April 1989 für ein Fussballspiel nach Sheffield – 96 von ihnen kehrten nie zurück. Beim FA-Cup-Halbfinalspiel zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forrest kam es zur Überfüllung eines Fan-Sektors, was dazu führte, dass 96 Menschen zu Tode gedrückt wurden, 766 wurden verletzt.

Die Sicherheitskräfte liessen die Fans zuerst nicht aus den überfüllten Blöcken.
Bild: Keystone

Das Spiel war für 15:00 Uhr Ortszeit angesetzt, eine halbe Stunde zuvor hatte sich aber bereits ein grosses Gedränge vor dem Stadion und in den zwei Sektoren hinter dem Liverpool-Tor gebildet. Eine Anfrage der Polizei, den Anpfiff aus Sicherheitsgründen zu verschieben, wurde vom englischen Fussballverband abgelehnt. Um 14:52 Uhr entschied Polizei-Kommandant David Duckenfield, ein zusätzliches Tor zu öffnen, damit die Zuschauer schneller ins Stadion gelangen. Grund dafür war die Angst, dass es vor dem Eingang zu den Sektoren 3 und 4 zu einer Massenpanik kommen würde.

Eine schreckliche Entscheidung. Durch das zusätzliche Tor gelangten die Fans ebenfalls in die Sektoren 3 und 4, die zu dieser Zeit bereits masslos überfüllt waren. Die Sektoren daneben blieben eher leer. Noch vor dem Anpfiff kletterten die ersten Zuschauer über die Absperrungen auf das Spielfeld, um so dem tödlichen Gedränge zu entfliehen. Die Sicherheitskräfte im Stadion schätzten die Lage falsch ein drängten die Fans zurück in den Sektor, um so einen Platzsturm zu verhindern. Um 15:06 Uhr konnte Liverpool-Torhüter Bruce Grobbelaar Schiedsrichter Ray Lewis davon überzeugen, die Partie abzubrechen, nachdem er mehrfach Hilfeschreie aus dem Block hinter sich wahrgenommen hatte.

Den Fans war es nun erlaubt, aus dem Block auf das Spielfeld zu gelangen, für 96 Liverpooler kam jedoch jede Hilfe zu spät. Auch, weil der Einsatz der Rettungskräfte völlig chaotisch ablief. In einem Bericht der englischen Justiz wurde festgehalten, dass durch einen verbesserten Ablauf des Rettungseinsatzes 41 Leben hätten gerettet werden können.

Jahrelange Ungerechtigkeit

Nach der Katastrophe wurde die Schuld den Fans in die Schuhe geschoben. Allen voran berichtete die englische «Sun» unter dem Titel «The Truth» (die Wahrheit) von Fans, die auf Polizeibeamte gepinkelt, Tote ausgeraubt und Sanitäter verprügelt hätten. Zudem gab Polizei-Kommandant Duckenfield zu, nach dem Spiel die Lüge verbreitet zu haben, das zusätzlich geöffnete Eingangstor wäre von Liverpool-Fans aufgebrochen worden. Erst 23 Jahre danach, am 12. September 2012 wurden diese Umsände offiziell als falsch angesehen. Nach einer Untersuchung der britischen Justiz entschuldigte sich der damals amtierende Premierminister David Cameron bei den Hinterbliebenen der 96 Opfer.

Im Anschluss daran wurden mehreren Personen, darunter auch Duckenfield, der Prozess gemacht. Bis jetzt kam es allerdings nur zu einer Verurteilung. Der heute 69-jährige Graham Mackrell, der in Sheffield für die Stadionsicherheit zuständig war, wurde schuldig gesprochen, weil vor dem Stadion nur sieben Drehkreuze für 10’100 Liverpool-Fans zur Verfügung standen. Das Strafmass wird im Mai festgelegt.

David Duckenfield war zuständig für den Polizeieinsatz am 15. April 1989 im Hillsborough Stadium.
Bild: Getty

Polizei-Kommandant David Duckenfield entging bisher einem Schuldspruch. Es war damals sein allererster Einsatz bei einem Fussballspiel im Hillsborough Stadium. Die Jury konnte sich über seine Verurteilung nicht einig werden, der Prozess wird sehr wahrscheinlich wiederholt.

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