FIFA diskutiert

60 statt 90 Minuten? Was hältst du von dieser Regeländerung?

Martin Abgottspon

6.5.2022

Die Real-Spieler haben das Zeitschinden zuletzt im Halbfinal der Champions League etwas überstrapaziert.
Die Real-Spieler haben das Zeitschinden zuletzt im Halbfinal der Champions League etwas überstrapaziert.
Getty Images

Reals Zeitspiel im Halbfinal der Champions League kostete City-Fans einige Nerven. Einmal mehr diskutiert man nun über einen neuen Zeitmodus im Fussball. Eine sinnvolle Idee?

Martin Abgottspon

6.5.2022

Das Duell zwischen Real Madrid und Manchester City vom Mittwoch war an Dramatik kaum zu überbieten. Erst in den Schlussminuten gelang es den Gastgebern, sich noch in die Verlängerung zu retten. Ein Penaltytor von Karim Benzema in der 95. Minute sicherte Madrid schliesslich den Einzug in den Champions-League-Final.

City-Fans fühlten sich vom Schiedsrichtergespann aber mehr als betrogen. Denn obwohl die Spanier in der Verlängerung bei jeder Aktion so viel Zeit schindeten wie nur möglich, liess der Unparteiische am Ende nur drei Minuten nachspielen und pfiff schliesslich sogar noch zehn Sekunden früher ab.

Nach dem Vorbild Eishockey

Dies wirft nun einmal mehr die Frage nach einem neuen Zeitmodus im Fussball auf, der ein solches Zeitspiel unterbinden soll. Die Idee von einem 60-Minuten-Spiel, bei welchem die Zeit bei Unterbrüchen gestoppt wird, ist nicht neu. Schliesslich kennt man diesen Modus auch von anderen Sportarten wie Eishockey oder Basketball.

Aktuell wird die Regeländerung auch bei der FIFA und dem IFAB diskutiert, wie der frühere Spitzen-Schiedsrichter Mark Clattenburg in einer Kolumne der «Daily Mail» schreibt. Er selber ist ebenfalls ein grosser Befürworter dieser Regeländerung: «Auf diese Weise würde jedes Spiel exakt gleich lange dauern und wir müssten endlich nicht mehr immer über das kontroverse Zeitspiel diskutieren.»

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Jeder gewinnt, keiner verliert

Wie Clattenburg berichtet, hat man in der Premier League diese Saison auch schon erste Erfahrungswerte gesammelt. «Die durchschnittliche Spielzeit liegt hier bei 55 Minuten und 3 Sekunden», schreibt Clattenburg. Allerdings gibt es bei den einzelnen Matches grosse Unterschiede. So dauerte die kürzeste Partie zwischen West Ham und Brentford insgesamt nur gerade 41 Minuten und 33 Sekunden, während die Spieler von Manchester City und Burnley 65 Minuten und 42 Sekunden aktiv am Spielen waren. «Der Unterschied ist gross und trotzdem würde eine Regeländerung vor allem auch den Fans zugute kommen, die dann tatsächlich immer 60 Minuten Fussball geboten bekämen», so Clattenburg.

Ins gleiche Horn bläst auch Clattenburgs Kollege Pierluigi Collina. Der Italiener hat selber einige der wichtigsten Finals im Fussball geleitet und ist seit mehr als zehn Jahren Chef der UEFA-Schiedsrichter-Kommission. Er befürwortet die Regelanpassung auch im Hinblick auf mehr Fairness für die Klubs. Kein Verein hätte dadurch mehr etliche Minuten, wenn nicht Stunden in den Beinen.

Real Madrid – Manchester City 3:1 n.V.

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04.05.2022

Was spricht gegen die Regeländerung?

Auf den ersten Blick scheint nicht viel gegen die diskutierte Regeländerung zu sprechen. Weniger Zeitspiel, mehr Fussball, mehr Fairness. Was will man dagegen einwenden? Ausserdem würden die Spiele insgesamt auch etwa gleich lange dauern wie jetzt. Einzig die neuen Kommerzialisierungsmöglichkeiten haben Nerv-Potenzial. Denn welcher Fan hat schon Lust, sich statt des Torjubels eine Nivea-Werbung anzusehen? Wahrscheinlich die wenigsten.

Ausserdem müsste man auch den Bruch der jahrhundertelangen Tradition irgendwie verdauen und sich auf gewisse Art von vielen legendären Fussball-Weisheiten verabschieden. «Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten», sagte der deutsche Bundestrainer Sepp Herberber einst. Das war dann mal. Aber im Endeffekt ist das «Geheimnis des Fussballs ja der Ball», wie Uwe Seeler schon immer wusste.