Der Kosovo-Schweizer Albian Hajdari «Es geht nicht nur um Fussball – es geht um Identität, Perspektive, Stolz»
Im März hat Albian Hajdari sein Debüt für die Schweizer Nati gegeben, sich dann aber entschieden, für den Kosovo aufzulaufen. Mit blue Sport spricht der Doppelbürger über den Nationenwechsel und das bevorstehende Duell.
Albian Hajdari, im Sommer hast du den Schritt ins Ausland gewagt und bei Hoffenheim schnell einen Stammplatz erobert. Wie war der Start in der Bundesliga?
Extrem spannend, aufregend und begeisternd. Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt und die Gegner europäische Spitze. Es ist schön, sich mit diesen zu messen.
Gibt es Dinge, die du von der Schweiz schon vermisst?
Die Sonne im Tessin und die Ruhe beim Spaziergang am See vermisse ich schon. Aber definitiv nicht die Autobahnen in der Schweiz.
Der Nationenwechsel von dir und Leon Avdullahu war in den Schweizer Medien ein grosses Thema. Konntest du verstehen, dass es für viel Gesprächsstoff gesorgt hat?
Klar kann ich die Öffentlichkeit verstehen. Es war auch für mich eine schwere Entscheidung und dementsprechend habe ich mich mit meinem Umfeld, mit meinen engsten Freunden und der Familie ganz genau abgesprochen und überlegt, was am meisten Sinn macht. Zudem wollte ich den jungen Fussballerinnen und Fussballern im Kosovo ein Vorbild sein, etwas vorleben und mit vollem Einsatz für gewisse Werte einstehen.
Kurzfristig wäre es wohl schwierig geworden, in der Schweizer Nati einen Stammplatz zu bekommen. Welche Rolle hat das im Entscheidungsprozess gespielt?
Gar keinen Einfluss, das war kein Thema im Entscheidungsprozess.
Nun kommt es zum grossen Duell in Pristina. Kosovo gegen die Schweiz. Wie blickst du auf dieses Spiel?
Mit grosser Vorfreude, wir werden unser Bestes geben und kein angenehmer Gastgeber auf dem Platz sein. (lacht)
Wie schätzt du die Chancen des Kosovo ein? Auch mit Blick auf das 0:4 im ersten Spiel …
Das 0:4 ist Vergangenheit, über das mache ich mir keine Gedanken. Was zählt, ist unsere Leistung im nächsten Spiel.
Hast du noch Kontakt zu früheren Teamkollegen, die jetzt in der Nati sind? Gibt es da schon Sprüche wegen des Duells?
Kontakt ja, aber rein freundschaftlich.
Ihr habt die historische Chance, erstmals mit Kosovo an die WM zu fahren. Was würde das für die Nation bedeuten?
Eine schöne Frage. Für viele Nationen ist eine Weltmeisterschaft einfach ein sportliches Ziel, für uns wäre es weit mehr als das. Es wäre ein Moment der Selbstvergewisserung, dass wir als junge Nation auf Augenhöhe mit der Welt stehen. Der Kosovo hat in seiner Geschichte viel durchgemacht. Wir sind ein Land, das oft überlebt hat, bevor es gestalten durfte. Eine WM-Teilnahme wäre ein Symbol dafür, dass wir jetzt anfangen dürfen zu träumen – gemeinsam, selbstbewusst, ohne uns ständig erklären zu müssen.
Die WM-Teilnahme wäre der grösste Erfolg der kosovarischen Fussball-Geschichte.
Ich glaube, es geht nicht nur um Fussball. Es geht um Identität, Stolz, Perspektive. Wenn du ein Kind im Kosovo bist und siehst, dass deine Nationalmannschaft auf der Weltbühne spielt, dann denkst du vielleicht zum ersten Mal nicht nur daran, wie du auswandern kannst, sondern daran, was du für dein Land tun kannst.
Was würde es für euch Spieler und dich persönlich bedeuten?
Es wäre Ehre, Verantwortung und Motivation zugleich. Wir wären nicht nur Teilnehmer. Wir wären Stimme, Gesicht und vielleicht auch Hoffnung einer ganzen Generation. Das ist grösser als ein Turnier. Das ist Geschichte.