Eike Immel ist nicht allein Auch diese Fussball-Superstars sind tief gefallen

Michael Wegmann

1.12.2025

Gerd Müller schoss unter anderem das 2:1-Siegtor im WM-Final 1974 in München
Gerd Müller schoss unter anderem das 2:1-Siegtor im WM-Final 1974 in München
sda

Der ehemalige deutsche Fussball-Millionär Eike Immel lebt heute von 563 Euro Sozialhilfe. Der ehemalige Weltklasse-Keeper ist nicht der einzige Superstar, der vom Fussballhimmel gefallen ist. 

Michael Wegmann

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Am Donnerstag wurde der ehemalige deutsche Spitzen-Goalie Eike Immel 65. Der einstige Fussball-Millionär verzockte nach seiner Karriere sein ganzes Geld.
  • Heute lebt er von 563 Euro Sozialhilfe und wurde kürzlich wegen Betrugs in 107 Fällen zu zwei Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt.
  • Immel ist nicht der einzige kickende Superstar, der vom Fussballhimmel gefallen ist. blue News hat ein paar herausgepickt. 

David James – Goalie, Model, Unglücksrabe

David James absolvierte 214 Pflichtspiele für Liverpool und war englischer Nati-Keeper.
David James absolvierte 214 Pflichtspiele für Liverpool und war englischer Nati-Keeper.
IMAGO

Sein Ruf war schon zu Spielerzeiten zweifelhaft. «Calamity James» nannten sie ihn, David James, den englischen Nationalgoalie – in Anlehnung an eine britische Comic-Figur, die das Unglück notorisch anzieht. Nach seiner Karriere galt das für James, der allein für Liverpool 214 Pflichtspiele bestritt und auch bei ManCity im Tor stand, noch weit mehr als zwischen den Pfosten: Der heute 55-Jährige verjubelte sein Millionenvermögen, geschätzte 20 Millionen Pfund. Verdient hatte er es sich auch mit Modelgagen, die er während seiner Laufbahn kassierte. Vor einem Jahr berichteten britische Medien, dass James gar persönliche Devotionalien aus seiner Karriere verkaufen müsse: unterschriebene Trikots, Bälle, andere Erinnerungsstücke. Die Scheidung von seiner Frau, die ihn zwischen drei und vier Millionen kostete, kann wohl nicht als Begründung für die persönliche Pleite gelten.

Diego Maradona († 2020) – Die falschen Freunde

Beim ersten und zweiten Meistertitel von Napoli stand Diego Maradona im Mittelpunkt.
Beim ersten und zweiten Meistertitel von Napoli stand Diego Maradona im Mittelpunkt.
sda

Wohl keiner war begnadeter als er, schon gar nicht zu seiner Zeit, und keiner neigte mehr zur Selbstzerstörung als er: Diego Armando Maradona. Er verzauberte jeden, der ihn spielen sah – ob bei den Boca Juniors, Barça, Napoli oder der argentinischen Nationalmannschaft. Besonders bei der WM 1986 in Mexiko, die er zu seinen persönlichen Festspielen machte. Wie nahe der Genius dem Wahnsinn war, zeigte bereits der Viertelfinal gegen England. Erst lenkte der 1,65 m grosse Maradona die Kugel mit der Hand ins Tor – oder besser: der Hand Gottes. Später narrte er fast die ganze englische Truppe mit einem Dribbling übers halbe Spielfeld. Das WM-Tor des Jahrhunderts. Maradona fand weltweiten Ruhm – aber auch die falschen Freunde. Er soff, er kokste, er schlug verbal um sich – auch als Nationaltrainer von 2008 bis 2010. Zum Schluss erntete er nur noch Mitleid. 2020 starb er, gerade mal 60-jährig.

George Best († 2005) – Alles verprasst

 George Best 1972 am Strand von Marbella.
 George Best 1972 am Strand von Marbella.
KEYSTONE

Wer George Best verstehen will, muss sich bloss sein berühmtestes Bonmot zu Gemüte führen. «Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.» Der Nordire liebte den Ball und das Leben. Ebendas war viel zu kurz. Bereits mit 59 Jahren erlag Best, der Beau unter den britischen Insel-Kickern der 70er-Jahre, einem Nierenleiden. Bereits zuvor hatte er sich einer Lebertransplantation unterziehen müssen – und weiter getrunken. Er trat besoffen im Fernsehen auf, beleidigte Polizisten, wurde wegen häuslicher Gewalt angezeigt. Das Volk aber liebte den Flügelstürmer, der 361 Partien für Manchester United bestritt. 100'000 Personen wollten bei seiner Beerdigung in Belfast dabei sein.

Uli Borowka (63) – Bier, Wodka, Whisky

Ulli Borowka mit seiner Autobiografie Volle Pulle: Mein Doppelleben als Fussballer und Alkoholiker. 
Ulli Borowka mit seiner Autobiografie Volle Pulle: Mein Doppelleben als Fussballer und Alkoholiker. 
IMAGO

«Ich habe am Tag einen Kasten Bier, eine Flasche Wodka, eine Flasche Whisky gesoffen.» Das Zitat stammt von Uli Borowka, einem der besten Verteidiger seiner Tage. Er war Meister und Europacupsieger mit Werder Bremen und Nationalspieler. Borowka, heute 63 Jahre alt, zog sich mit der Hilfe guter Freunde aus dem Sumpf. Heute ist er clean – und achtet penibel darauf, keinen Tropfen Alkohol zu sich zu nehmen.

Paul Gascoigne – Eigentlich ein Netter

Paul Gascoigne «mumifiziert» sich vor einem Spiel gegen Ägypten.
Paul Gascoigne «mumifiziert» sich vor einem Spiel gegen Ägypten.
Twitter @The Upshot

Mitte der 90er-Jahre wars, als der FCZ fürs Trainingslager in Italien war. Im selben Hotel? Lazio Rom. Noch heute erinnern sich Ex-Spieler, dass es irgendwann laut an der Rezeption wurde. Gascoigne, damals in Diensten der Römer, stand wild gestikulierend an der Theke. Er fluchte und tobte. Der simple Grund: Die Batterien seines Gameboys waren leer. «Gazza» – wenige Namen stehen so sehr für Exzentrik und Tragik. Er verfiel dem Alkohol und versuchte vergeblich, dagegen zu kämpfen, jahrzehntelang. Gemocht wurde er trotzdem. Ein ehemaliger Mitspieler beschrieb das Dilemma des heute 58-Jährigen einst so: «Gazza ist der liebste Mensch, den ich kenne – wenn er nichts getrunken hat.»

Socrates – Der Doktor tanzt Samba

Der Brasilianer Socrates war einer der ganz grossen im Fussball.
Der Brasilianer Socrates war einer der ganz grossen im Fussball.
Imago

Socrates Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira, kurz: Socrates, war studierter Kinderarzt, kultiviert und als Fussballer begnadet. Für Corinthians Sao Paulo machte er rund 300 Spiele, für die Selecao 60. Immer galt er als Sinnbild für Lebensfreunde und Fairplay. 1980 wars, als die Schweizer Nati und die Brasilianer auf einer Südamerikareise im selben Flugzeug sassen. Andy Egli erzählte 2017: «Alle tanzten während des Flugs in den Gängen Samba – angeführt von Socrates. Grossartig!» Dr. Socrates genoss das Leben – wohl zu sehr. Mit 57 Jahren starb er an Magenblutungen und einer kaputten Leber.

Tony Adams – Der Pub-Fussballer

Englands Captain Tony Adams (links) kämpft mit dem Schweizer Kubilay Türkyilmaz im Eröffnungsspiel der Fussball-EM 96.
Englands Captain Tony Adams (links) kämpft mit dem Schweizer Kubilay Türkyilmaz im Eröffnungsspiel der Fussball-EM 96.
KEYSTONE

Wer an einen Anführer und Mitreisser denkt, denkt an ihn. Tony Adams war nicht nur ein Haudegen klassischer Prägung. Er war jahrelang Spielführer des FC Arsenal und der englischen Nationalmannschaft. Er war Meister, Europacupsieger, Vorbild für viele – und dazu Trinker. Er trank täglich, manchmal schon vor den Trainings, er prügelte sich. Und doch gehörte er zu den besten, meist verehrten Profis auf der Insel. 1996 bekannte er sich öffentlich zu seiner Krankheit. Adams ist heute 59 Jahre alt. Er schaffte die Reha und engagiert sich seither für soziale Zwecke.

Eidur Gudjohnson – Spielfreudig, auf und neben dem Platz

Eidur Gudjohnson im Dress von Chelsea.
Eidur Gudjohnson im Dress von Chelsea.
imago images/Shutterstock

Ende 2009 wars, als sich Eidur Gudjohnson dem Spott der Fussballwelt ausgesetzt sah. Der isländische Profi der AS Monaco und Ex-Spieler von Chelsea und Barcelona hatte am Spieltisch in Las Vegas sein Vermögen verpulvert, circa 9 Millionen Euro. Zuvor bereits hatte er bei der Bank um Kredite gebettelt. Vier Jahre später wurde publik, dass eine luxemburgische Bank fünf Millionen von Gudjohnson zurückfordere, die sie dem spielfreudigen Spieler geliehen hatte – zwecks Fehlinvestition. Inzwischen hat Gudjohnson wieder in die Spur gefunden. Zwischendurch war er auch im Staff der isländischen Nationalmannschaft. Derzeit tritt er vor allem als Mentor seines Sohnes Andri auf, der das Familiäre weiterführt und als dritter Gudjohnson nach Vater und Grossvater sein Land vertritt.

Gerd Müller († 2021) – Der Bomber mit Restaurant

Gerd Müller war Deutschlands Bomber der Nation.
Gerd Müller war Deutschlands Bomber der Nation.
Getty

Vor der Arena in München-Fröttmaning präsentierten die Bayern kürzlich eine Bronze-Statue von einem der Grössten, den die Fussball-Welt je sah: von Gerd Müller, dem Bomber der Nation, der Tore schoss wie keiner sonst, alleine 68 in 62 Länderspielen – eine historische Quote. «Kleines, dickes Müller», wie ihn sein einstiger Trainer Tschick Tschajkowski seiner Statur wegen nannte, beherrschte die Strafräume – nicht aber das Leben. Nach seinem Ende bei den Bayern Ende der 70er wechselte er in die USA. Dort, in Florida, eröffnete er ein Restaurant – und war bald sein bester Kunde. Dass Müller wieder auf die Beine kam, verdankt er vor allem dem damaligen Bayern-Manager Uli Hoeness, dem Polterer mit dem grossen Herzen. Er schickte seinen früheren Mitspieler in die Reha und stellte Müller im Nachwuchs an. Der Bomber starb 2021 mit 76 Jahren an Demenz. Bis zuletzt kümmerten sich die Bayern um ihren einstigen Helden.