GC-Legende Mats Gren «Aus schwedischer Sicht müssten wir besser sein als die Schweiz»

Jan Arnet

14.11.2025

Mats Gren vor ein paar Jahren bei einem Legendenspiel der Grasshoppers. Der Schwede absolvierte über 500 Spiele für GC und gewann zahlreiche Titel.
Mats Gren vor ein paar Jahren bei einem Legendenspiel der Grasshoppers. Der Schwede absolvierte über 500 Spiele für GC und gewann zahlreiche Titel.
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Vor dem WM-Quali-Duell zwischen der Schweiz und Schweden spricht GC-Ikone Mats Gren mit blue Sport über die Probleme des schwedischen Fussballs, seine Verbundenheit zur Schweiz und das Aus von Pia Sundhage.

Jan Arnet

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Mats Gren machte über 500 Spiele für GC und gewann zahlreiche Titel (5 Mal Schweizer Meister, 4 Mal Cupsieger). Für Schwedens Nationalmannschaft kam er 22 Mal zum Einsatz.
  • Im Interview mit blue Sport erklärt der 61-Jährige, weshalb die Schweden in der WM-Qualifikation so schlecht dastehen: «Ex-Trainer Tomasson hat zu sehr auf die Offensive gesetzt.»
  • Ausserdem verrät Gren, dass er gerne Trainer der Schweizer Frauen-Nati geworden wäre.

Mats Gren, Schwedens Nationalmannschaft hat in der WM-Qualifikation erst einen Punkt geholt. Was läuft schief?

Im Angriff ist die Mannschaft eigentlich stark besetzt mit Alexander Isak, Viktor Gyökeres und Co., aber sie hat grosse Mühe in der Verteidigung. Jon Dahl Tomasson hat viel zu offensiv spielen lassen, das war von Anfang an das Problem. Schon als er im März 2024 als Nationaltrainer übernahm, wurde vielen Leuten in Schweden schnell klar, dass das nicht gut kommen kann. Nun sind die Fans froh, dass er entlassen wurde.

Jetzt ist mit Graham Potter ein neuer Trainer da, der in den letzten Jahren auch nicht wirklich erfolgreich war. Gelingt mit ihm die Wende?

Man hat grosse Hoffnungen in ihn. Potter hat in Schweden herausragende Arbeit geleistet, als er bei Östersunds war. Er hat diesen kleinen Verein in der vierthöchsten Liga übernommen und bis in die erste Liga geführt, den Pokal gewonnen und die K.o.-Phase in der Europa League erreicht. Entsprechend gut ist sein Ruf in Schweden, auch wenn er es seit seinem Wechsel zu Chelsea schwer hatte. Man hat das Gefühl, dass er den Turnaround schaffen und die schwedische Nationalmannschaft wieder zu einer Einheit formen kann.

Die Mannschaft hat ja eigentlich viel Qualität, jetzt droht aber zum wiederholten Mal das Verpassen eines grossen Turniers. Die Probleme müssen doch tiefgründiger sein.

Mats Gren
Capitain Mats Gren mit der Meisterpokal auf dem Zuercher Hardturm nach dem letzten Spiel das die Grasshoppers 4:2 gegen Servette Genf gewannen, Zuerich 23. Mai 1998. (KEYSTONE/Walter Bieri)
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Mats Gren wechselte 1986 aus Göteborg zu GC und entwickelte sich da zu einem der grossen Stars in den glorreichen Zeiten des Schweizer Rekordmeisters. Mit 527 Einsätzen ist er hinter Marcel Koller in der Liste der GC-Rekordspieler Zweiter. 2000 beendete er seine Karriere. Danach arbeitete er unter anderem als Co-Trainer der Schweizer U16-Nati und bei GC sowie als Chefcoach bei Vaduz. Seit 2009 lebt Gren wieder in Schweden.

In der Ausbildung der jungen Spieler wurden Fehler gemacht. Die meisten Spieler sind zwar technisch versiert und stark am Ball, aber das Wichtigste wurde vergessen: das Verteidigen. Viele Mittelfeldspieler sind zu offensiv ausgerichtet. Wenn man auf die Nationalmannschaft schaut, ist nicht mehr viel von dem zu sehen, was Schwedens Fussball einst so stark gemacht hat: die Stabilität, das leidenschaftliche Verteidigen, die Aggressivität.

Dank der Nations League kann Schweden immer noch auf die WM-Teilnahme hoffen. Der Platz in den Playoffs ist sicher. Wie gross ist der Glaube ans WM-Ticket?

In meinen Augen stehen die Chancen 50/50. Es hängt viel davon ab, wer die Gegner sind. Gegen Italien zum Beispiel wird es sicher schwierig. Es braucht also sicher etwas Losglück – und auch Glück, dass die besten Spieler dann fit sind. Wenn ein Isak oder Gyökeres fehlt, wird es schon eng. Weil die Defensive einfach nicht mehr so gut ist, wie man sich das von früher gewohnt ist.

Mats Gren hat 22 Mal für die schwedische Nationalmannschaft gespielt.
Mats Gren hat 22 Mal für die schwedische Nationalmannschaft gespielt.
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Was für ein Schweden können wir am Samstag in Genf erwarten?

Das Team wird sicher besser organisiert sein als in den bisherigen Quali-Spielen. Ich erwarte wieder eine Einheit auf dem Platz. Allerdings wird mit Gyökeres ein wichtiger Stürmer fehlen. Auch Lucas Bergvall ist angeschlagen und bei Alexander Isak wird es wohl auch nicht für 90 Minuten reichen. Im Vergleich zum ersten Duell gegen die Schweiz wird man sicher ein aggressiveres Schweden sehen. Viel Zeit hat Potter aber nicht, um die Dinge zu verändern.

In der Schweiz gibt es diese besondere Rivalität mit Schweden. Einerseits wegen des bitteren Achtelfinal-Aus an der WM 2018. Aber auch wegen des Eishockeys, die Schweiz hat zweimal den WM-Final gegen Schweden verloren. Spüren die Schweden diese Rivalität auch?

Ja, die gibt es tatsächlich. Aus Sicht der Schweden müssten wir im Fussball und im Eishockey besser sein als die Schweiz. Aber im Fussball ist das schon lange nicht mehr so und im Eishockey hat die Schweiz auch aufgeholt. Aber die Duelle mit den Schweizern sind immer speziell, für mich sowieso.

Sie haben zwischen 1986 und 2000 bei GC gespielt, waren danach auch jahrelang noch Co-Trainer in der Schweiz, leben jetzt aber seit einer Weile wieder in Schweden. Wie verbunden sind Sie noch mit der Schweiz?

Sehr. Die Schweiz hat nach wie vor einen grossen Platz in meinem Herzen. Ich habe 25 Jahre lang da gewohnt, zwei meiner drei Kinder leben in der Schweiz. Ich habe noch immer viele Freunde da und viele gute Erinnerungen an meine Zeit in Zürich. Wenn sich Schweden nicht für eine WM oder EM qualifizieren kann, drücke ich immer der Nati die Daumen.

Beim Schweizer Rekordmeister sind Sie eine Ikone. Wie blicken Sie heute auf GC?

Es ist sicher nicht mehr das GC, das es einmal war. Es ist alles anders, seit ausländische Investoren da sind. Trotzdem fiebere ich weiter mit den Hoppers mit, verfolge den Klub eng und schaue auch viele Spiele.

In Schweden war Mats Gren (links) auch Trainer im Frauenfussball.
In Schweden war Mats Gren (links) auch Trainer im Frauenfussball.
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Sehen wir Sie wieder einmal an einer Seitenlinie? Sie waren ja in Schweden eine Zeit lang auch als Trainer im Frauenfussball tätig, wurden Meister und Cupsieger.

Ich will nichts ausschliessen. Aber ich bin jetzt seit vier Jahren weg vom Fussball-Geschäft und wenn man zu lange weg ist, wird es schwierig. Die Arbeit im Frauenfussball hat mir aber sehr gefallen, da könnte ich mir eine Rückkehr schon vorstellen. Ich wäre ja auch gerne Trainer der Frauen-Nati geworden …

… als der SFV den Nachfolger von Nils Nielsen gesucht hat?

Genau. Sie haben sich dann aber für Inka Grings entschieden.

Grings musste dann aber nach zehn Monaten gehen – und mit Pia Sundhage kam eine andere Schwedin. Können Sie verstehen, dass ihr Vertrag jetzt nicht mehr verlängert wurde?

Ich habe die Sache verfolgt. So wie ich das wahrgenommen habe, gab es Meinungsverschiedenheiten zwischen einigen Spielerinnen und Sundhage. Ich denke, einige waren nicht zufrieden mit Pia als Trainerin. Sie musste sicher nicht wegen fehlendem Erfolg gehen, da muss es andere Gründe gegeben haben. Ich habe sie getroffen, als die Schweiz vor ein paar Wochen in Schweden gespielt hat. Schon da war sie sich nicht sicher, ob es für sie weitergehen wird oder nicht. Sie hat wohl schon gespürt, dass sich da etwas tut.


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