Barça rutscht weiter in die Krise: Messi schwächelt, Coach Koeman wirkt hilflos

von Syl Battistuzzi

7.12.2020

Koeman nach der Cadiz-Pleite

Koeman nach der Cadiz-Pleite

07.12.2020

Die Pleite am Wochenende gegen Cadiz in der spanischen Meisterschaft war der nächste Tiefschlag für den FC Barcelona. Sein vermeintlicher Heilsbringer Ronald Koeman entpuppt sich vielmehr als Blindgänger.

In La Liga ist der Klub von Weltfussballer Lionel Messi mit dem schlechtesten Ligastart seit 49 Jahren nur noch ein Schatten vergangener Jahre. Nach zehn Spielen belegt Barcelona nur einen Platz im grauen Mittelfeld. Der Rückstand auf Tabellenführer Atlético Madrid beträgt bereits zwölf Zähler. «Das ist eine Menge», so Trainer Koeman, der festhält: «Es war ein grosser Rückschritt für unsere Chancen, die Liga zu gewinnen». Bittere Erinnerungen werden wach. Die Champions League hatten die Katalanen zuletzt im Jahr 2003 verpasst. Vor der Ära von Lionel Messi.

Der 33-Jährige scheint in dieser Saison nur ein «normaler» Fussballer zu sein. Bis im Sommer war der Superstar der personifizierte Talisman, der in den vergangenen 16 Jahren oft Spiele im Alleingang für Barça gewann. Nun ist «la pulga» theoretisch immer noch der Fixstern des Teams, doch seine Leistungen sind so schwach wie noch selten: Gegen Cadiz hatte er laut «Marca» 29 Ballverluste zu verzeichnen. Und seine Torgefahr scheint ausserhalb vom Nou Camp zu versiegen. In seinen letzten 16 Auswärtsspielen in der Liga traf er nur zweimal. In der laufenden Saison hat der Spielmacher in 13 Spielen zwar sieben Tore erzielt, doch fünf davon per Penalty.

«Leo ist sehr wichtig für unsere Angriffe, viele Spielzüge beginnen in seinen Füssen», versuchte Koeman die Kritik an seinem Captain abzuwehren. Messi erklärte kürzlich: «Ich habe es satt, bei allem immer das Problem zu sein». Seit der Transfer-Posse scheint beim deprimiert wirkenden Argentinier das Feuer erloschen zu sein.



Koeman Symbolbild für den Zustand der Mannschaft

Zumal er nicht vergessen zu haben scheint, wie sein bester Freund Luis Suarez mit der Zustimmung von Koeman fast gratis (6 Millionen Euro) vom Hof gejagt wurde, damit Platz für Koemans Wunschspieler Memphis Depay gemacht wird. Der Transfer klappte dann doch nicht, weshalb nun vorne im Zentrum eine echte Nummer 9 fehlt, auch wenn zuletzt der frühere Noteinkauf Martin Braithwaite einer der wenigen positiven Lichtblicke war.

So fragen sich langsam auch die eingefleischten Barça-Fans, ob Koeman nicht zum Rohrkrepierer wird. Mit ihm sollte endlich der nötige Umbruch eingeleitet werden. Der Holländer genoss als Vereinslegende zudem noch speziell Kredit, doch der Artenschutz droht zu bröckeln, denn nun wird ihm sein passives Coaching zum Verhängnis. Der 57-Jährige bleibt auch bei Rückständen stoisch ruhig, ja fast teilnahmslos auf seiner Trainerbank sitzen und wirkt so als Symbolbild für die uninspirierten Auftritte seines Teams. 

«Ich mache kein Theater, wenn ich verliere – dann bin ich sauer, und das habe ich auch den Spielern nach der Begegnung gesagt», erklärt sich Koeman. Während etwa Coutinho zur Geduld mahnt, haben andere Spieler die Schnauze voll. So meint Neuzugang Miralem Pjanic auf seine spärlichen Einsätze angesprochen offen: «Ehrlich gesagt verstehe ich nicht einmal den Grund für diese Situation.» Der angesprochene Koeman will hingegen die Schuld an der Cadiz-Pleite nicht alleine tragen: «Alle beim FC Barcelona haben heute nicht genug getan, um das Spiel zu gewinnen. Wir müssen das anerkennen und auch akzeptieren.»

Das grosse Duell der beiden Dominatoren

Am Dienstag hat der stolze Klub in der Champions League gegen Juventus (live ab 19:55 auf Blue TV) die Chance zur Wiedergutmachung. Das Ticket fürs Achtelfinal ist zwar schon gebucht, aber der nicht nur sportlich, sondern auch finanziell gebeutelte Verein benötigt dringend Erfolgserlebnisse. Und Lionel Messi will sicher auch im Duell mit seinem Erzrivalen Cristiano Ronaldo zeigen, dass er immer noch die Nummer 1 im Fussball ist.

Falls sein Team aber wie in den letzten beiden Jahren gegen Liverpool und Bayern ihn einmal mehr hängen lässt, werden seine Abwanderungswünsche sicher wieder aufflammen. Im Sommer 2021 könnte Messi Barcelona ablösefrei verlassen. Man muss kein Prophet sein, wenn man orakelt, dass Koemans Schicksal eng an die Leistungskurve von Messi geknüpft ist. 


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