Trotz Widerstand

Barça sagt offiziell zu: Europäische Superliga nimmt Formen an 

dpa/jar

28.10.2020

Spielen Lionel Messi und der FC Barcelona bald in einer europäischen Superliga mit?
Bild: Getty

Medienberichten zufolge werden die Pläne der «European Premier League» weiter vorangetrieben. Mit dem FC Barcelona hat nun ein erster Verein offiziell verkündet, sich dieser Superliga anschliessen zu wollen.

Rund um seine Rücktrittserklärung hat Josep Bartomeu, der umstrittene Präsident des FC Barcelona, am Dienstag eine interessante Aussage getätigt, die fast ein wenig unterging. Bartomeu verriet vor Journalisten nämlich, Barça habe vor einigen Tagen die Teilnahme an einer europäischen Superliga zugesagt. Diese Zusage müsse aber noch von den Mitgliedern mit Stimmrecht bestätigt werden.

Letzte Woche hatten britische Medien berichtet, dass sich mehrere Topklubs für einen neuen Vorstoss in Richtung milliardenschwerer europäischer Superliga formieren. Der FC Liverpool und Manchester United sollen dabei von mehr als einem Dutzend Vereinen aus «England, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien» unterstützt werden.



Die Grundidee der Planungen, die sich aber noch «in einem frühen Stadium» befänden: Eine Europa-Liga mit 18 Vereinen, Hin- und Rückspielen sowie Playoffs am Saisonende. Finanziell soll das Projekt angeblich mit rund fünf Milliarden Euro von Investoren unterstützt werden, als möglicher Starttermin wird das Jahr 2022 genannt.

Grosser Ärger bei UEFA, Fans und ehemaligen Stars

In Europas Fussball sorgt dieser neue Vorstoss für viel Ärger und Wirbel. Der «BBC» sagte ein Sprecher der UEFA, Präsident Aleksander Ceferin habe «es schon viele Male klar gesagt, dass die UEFA absolut gegen eine Superliga ist.»

Die Idee einer solchen Elite-Liga ist nicht neu und kam in den vergangenen Jahren auch immer dann auf, wenn es um Reformen der Champions League ging. Bislang sind jegliche Bestrebungen gescheitert. Die Königsklasse würde durch eine neue Liga, die den Berichten zufolge in den Planungen «European Premier League» genannt wird, grosse Konkurrenz bekommen.

Der frühere Liverpool-Profi und TV-Kommentator Jamie Carragher machte seinem Ärger mit drastischen Worten Luft. «Verpisst euch», schrieb Carragher bei Twitter. Man-United-Ikone Gary Neville reagierte ebenfalls verärgert. «Der Fussball frisst sich selbst auf», meinte Neville beim Sender Sky Sports, «denn die Fans werden sich abwenden.»

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge versicherte bei Sky, er habe «keinen Kenntnisstand» von den Plänen. Er habe in einem Telefonat mit UEFA-Chef Ceferin erklärt: «Wir sind mit der Champions League sehr glücklich.» Javier Tebas, Präsident von Spaniens «La Liga», unterstellte den Initiatoren «totale Unwissenheit» in Bezug auf den internationalen Fussball und mangelnde Kenntnis der Übertragungsrechte.

Die Football Supporters' Federation (FSF), ein Fanzusammenschluss mit mehr als 500'000 Mitgliedern, äusserte ebenfalls ihren Unmut über die Pläne. «Sie entlarven den Mythos, dass milliardenschwere Inhaber sich um die englische Fussballstruktur kümmern oder um irgendetwas anderes als ihre eigene Gier», teilte der FSF-Vorsitzende Kevin Miles mit. «Das ist wohl der letzte Sargnagel für den Gedanken, dass man sich darauf verlassen kann, dass der Fussball sich selbst reguliert.»

FIFA soll Pläne unterstützen – Infantino dementiert

Den Medienberichten zufolge soll der Weltverband FIFA den Plan der «European Premier League» unterstützen. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat nach eigener Aussage allerdings kein Interesse an einer Superliga. Stattdessen wolle er, «dass künftig auch Klubs von ausserhalb Europas globale Strahlkraft haben», sagte Infantino in einem Interview mit «CH Media».

Infantinos Ziel ist es, die Klub-WM populärer zu machen. Es gehe ihm «nicht um Bayern gegen Liverpool, sondern um Bayern gegen Boca Juniors aus Buenos Aires». 

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