Bremen liess Hoffenheim mit Drohne ausspionieren – Polizei ermittelt

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20.12.2018

Bremen und Hoffenheim trennten sich am Mittwoch 1:1.
Bild: Getty

Not macht erfinderisch: Nach zuletzt enttäuschenden Resultaten wollte Werder Bremen am Mittwoch gegen Hoffenheim unbedingt punkten und beobachtete den Gegner deshalb in James-Bond-Manier.

Nach einem starken Saisonstart ist Bremen zuletzt etwas ins Straucheln geraten. Vor dem Spiel gegen Hoffenheim hatte Werder in sieben Spielen nur vier Punkte geholt. Zu wenig, um das vor der Saison angestrebte Ziel Europacup zu erreichen. Deshalb war das letzte Heimspiel der Saison unheimlich wichtig für die Bremer, die nichts unversucht liessen, um sich möglichst gut auf den Gegner vorzubereiten.

Drohne vom Auto aus gesteuert

Ein Werder-Scout spionierte das geschlossene Abschlusstraining der Hoffenheimer am Dienstag mit einer Drohne aus. Er liess sie über drei Trainingsplätze fliegen, um Bilder des Gegners zu schiessen und so an mögliche Taktik-Informationen zu kommen. Der «Spion» sass gemäss «Bild» neben dem Trainingsgelände in seinem Auto und steuerte von da aus die Drohne mit eingebauter Kamera. Die Aktion war halbwegs erfolgreich: Bremen holte gegen das favorisierte Hoffenheim immerhin ein 1:1.

Doch die Sache könnte ein Nachspiel haben, denn die Drohne blieb nicht unentdeckt. «Ich habe die Drohne im Training wahrgenommen, aber ich weiss nicht, wer sie gesteuert hat. Aber es geht darum, dass man eine Genehmigung braucht, wenn man mit einer Drohne über Menschen fliegt. Ob das jetzt ein Fan oder einer von Werder war – es ist einfach nicht erlaubt», sagt Hoffenheim-Trainer Julian Nagelsmann nach dem Spiel. 

Über die Spionage-Aktion an sich will der Coach «kein Böses Wort» verlieren. Schliesslich versuche jeder Klub, irgendwie an Informationen des Gegners zu kommen. Nagelsmann geht es einzig und alleine um die Sicherheit: «Man muss aufpassen. Denn wenn die Technik versagt, kann das keine guten Folgen haben. (...) Wir werden herausfinden, wer das war und was nun passieren wird. Das ist zum Glück nicht meine Baustelle.»

Polizei hat Ermittlungen aufgenommen

Dass es sich beim Drohnen-Lenker um einen Mitarbeiter von Werder Bremen handelte, steht eigentlich ausser Frage. «Ich kann bestätigen, dass einer von uns vor Ort war. Es ist normal in der Bundesliga, sich so gut wie möglich über den Gegner zu informieren», sagt Bremen-Manager Frank Baumann der «Bild» und versucht die Sache zu verharmlosen: «Wir haben bei uns auch schon Beobachter anderer Teams von den Bäumen geholt oder aus unserem Stadion entfernen lassen.» Vom Einsatz der Drohne hätten er und Trainer Florian Kohfeldt allerdings nichts gewusst.

Der Fall ist nun Sache der Polizei, wie die Hoffenheimer mitteilen. Mannheims Polizei-Pressesprecher Norbert Schätzle bestätigt: «Wir ermitteln wegen einer bedeutenden Ordnungswidrigkeit und es wird geprüft, ob der Aufstieg einer Drohne genehmigt war. Zeugen haben uns Hinweise über den Verdächtigen und sein Fahrzeug gegeben.»

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