In Belgiens Nationalteam brodelt es wieder einmal: Top-Torhüter Thibaut Courtois will wieder spielen – das aber missfällt einem teaminternen Rivalen. Der ehemalige Bundesligaprofi Koen Casteels trifft eine radikale Entscheidung.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Die belgischen Fussballer haben zuletzt selten für erfolgreiche Schlagzeilen gesorgt.
- Der Zusammenhalt im Team scheint zudem nicht überragend zu sein. Jüngste Episode: Nach dem Comeback von Star-Goalie Thibaut Courtois trat sein Stellvertreter Koen Casteels zurück.
- Der Real-Keeper blieb dem Nationalteam fast zwei Jahre fern, weil er sich mit dem mittlerweile geschassten Trainer Domenico Tedesco gestritten hatte. Nun schoss der 32-Jährige erneut gegen ihn.
Seit einem Jahrzehnt figuriert Belgien mit einer so genannt «goldenen Generation» konstant in den Top 10 der Weltrangliste. Vorzuweisen hat es dafür herzlich wenig. Nur einmal, bei der WM 2018 in Russland als Dritter, überstand man die Viertelfinals. Auch bei der EM 2024 enttäuschten die Roten Teufel, zitterten sich als Gruppenzweite (hinter Rumänien, aber vor den punktgleichen Slowakei und Ukraine) zwar weiter, im Achtelfinal war Frankreich Endstation (0:1).
Wie so oft machen es sich die Belgier auch durch interne Querelen zusätzlich schwer, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Domenico Tedesco, der im Februar 2023 das Traineramt übernahm, verwehrte im Juni des gleichen Jahres Thibaut Courtois in dessen 102. Länderspiel die Ehre der Captainbinde. Stattdessen durfte Romelu Lukaku das Team anführen. Courtois hätte dafür in der nächsten Partie gegen Estland die Binde tragen sollen. Doch er war bereits beleidigt abgereist und warf seinem Coach gar öffentlich vor, über den Sachverhalt zu lügen.
Der zweifache Welttorhüter (2018 und 2022) und langjähriger Erfolgsgarant bei Real Madrid wollte also nichts mehr von der Nationalmannschaft wissen. Stattdessen stand Koen Casteels im Tor. Natürlich half der «Brassard-Gate» (Armbinden-Gate) nicht, das Betriebsklima in der Nationalmannschaft zu fördern.
Casteels tritt nach Degradierung zurück
Belgien konnte nach der verpatzten EM in der Nations League den direkten Abstieg zwar noch knapp abwenden, doch der deutsch-italienische Trainer Tedesco wurde im Januar 2025 entlassen. Sein Nachfolger Rudi Garcia lobte Courtois öffentlich «als besten Torhüter der Welt» und machte dem 32-Jährigen damit die Rückkehr schmackhaft.
Und siehe da: Courtois kündigte nach seinem Ego-Trip nach fast zwei Jahren Absenz sein Comeback im Nationalteam an. Seine Begnadigung geriet dafür dem 45 Tage jüngeren Casteels in den falschen Hals. Die beiden sind seit ihrer Kindheit Konkurrenten, wobei Courtois jeweils fast immer die Nase vorne hatte. Der in Saudi-Arabien spielende Keeper trat im März zurück.
«Seltsam, dass Thibaut Courtois selbst entscheiden kann, ob er zurückkehrt», meint Casteels in einem Podcast und kritisiert auch den Verband, dass man Courtois «den roten Teppich ausrollt». Kein Spieler sei grösser als das Team. «Kürzlich hörte ich, wie Courtois sagte, dass Tedescos Entlassung beweise, dass er im Recht war. Für mich zeigt das, dass er kaum Schuldgefühle empfindet», resümiert Castelles gemäss «tribuna» und führt aus: «Das entspricht nicht den Werten und Prinzipien, die ich im Mannschaftssport für akzeptabel halte. Ich kann kein Teil einer Organisation sein, die so ein Verhalten duldet.»
Casteels betonte auch, dass der Zoff auch immer noch ein Thema in der Mannschaft sei. Einige Spieler seien dabei seiner Meinung, hält der frühere Wolfsburg-Profi fest.
Courtois kontert Angriffe
Courtois über die Aussagen seines Rivalen: «Ich verstehe Casteels, weil er die Nummer 1 war, es ist nicht schön, diesen Platz aufzugeben. Ich hatte nie ein Problem mit bestimmten Spielern oder der Gruppe, es war ein Problem mit einer bestimmten Person. Ich weiss nicht, wovon Casteels spricht. Wenn man etwas sagen will, muss man alles sagen.»
Zu sagen hatte der Real-Goalie was zu dem «Problem mit einer bestimmten Person». «Ich habe keinen Respekt gespürt. Der Trainer ist kein einziges Mal zu mir gekommen. So etwas habe ich in 16 Jahren noch nie erlebt. Ich bin in diesem Moment explodiert, ich habe es nicht verstanden», hält Courtois an der Pressekonferenz am Dienstag fest.
Seine damalige Reaktion mit der kurzfristigen Abreise vom Nationalteam bedauert er aber: «Ich habe Fehler gemacht. Zweifellos war ich mental in einer schwierigen Phase nach meiner grossen und langen Saison mit vielen Verletzungen.» Allerdings habe er auch «gespürt, dass es Probleme mit dem Trainer gab».
Am Donnerstag trifft Belgien im Playoff der Nations League auswärts auf die Ukraine (das Spiel findet in Spanien statt). Am Sonntag kommt es dann zum Rückspiel in Genk. Falls die Belgier den Kürzeren ziehen, werden sie – wie die Schweiz – in der nächsten Kampagne nur in der Liga B vertreten sein. Es wäre nicht einmal mehr überraschend.