CR7-Transfer statt Lohnerhöhungen: Fiat-Arbeiter ziehen in den Streik

12.7.2018 - 08:23, dpa/jar

Nicht jeder in Italien freut sich auf Cristiano Ronaldo.
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Die Fans von Juventus Turin freuen sich riesig über die Verpflichtung von Cristiano Ronaldo. Fiat-Arbeiter hingegen kochen vor Wut. 

Aus Protest gegen den 112-Millionen-Transfer des Weltfussballers Cristiano Ronaldo von Real Madrid zu Juventus Turin wollen Fiat-Arbeiter in Italien in den Streik treten. Die Klubbesitzer um Präsident Andrea Agnelli hätte die Millionen-Ablöse lieber in die Autoproduktion investieren sollen, meint die Gewerkschaft USB und bezeichnet die Zahlung für den 33-Jährigen als «nicht hinnehmbar». Die Agnelli-Familie, die Juventus Turin kontrolliert, ist auch der grösste Aktionär des Automobilkonzerns Fiat-Chrysler Automobiles (FCA).

Der Proteststreik soll vom Abend des 15. Juli bis zum Morgen des 17. Juli im Fiat-Werk in Melfi in der süditalienischen Provinz Potenza stattfinden. «Jahrelang hatte das Unternehmen von den Arbeitern grosse finanzielle Opfer verlangt», betonte die Gewerkschaft. «Ist das fair? Ist es normal, dass eine einzelne Person Millionen verdient und tausende von Familien mit ihrem Geld nicht bis Mitte des Monats auskommen?» Die USB forderte das Unternehmen auf, mehr Geld in die Autoproduktion zu investieren und Arbeitsplätze zu sichern.

«Eine Schande!»

Nach verschiedenen Medienberechnungen sollen Juve und der Clubeigner, Fiat-Chef Andrea Agnelli, für das gesamte Ronaldo-Paket zwischen 340 und 400 Millionen Euro hinblättern müssen. Der Transfer kostet die Alte Dame nach Clubangaben insgesamt 112 Millionen. Hinzu komme das Nettosalär für Ronaldo in den kommenden vier Spielzeiten in Höhe von 120 Millionen, heisst es. Mit Steuern und Abgaben wären das laut italienischen Medien brutto zwischen 240 und knapp 300 Millionen Euro.

Ob sich der Club einen solchen finanziellen Kraftakt leisten kann, ist dieser Tage Gegenstand von Debatten in Italien. Nach Medienberichten sollen 30 Millionen Euro aus den Kassen der Firma Fiat kommen. Ronaldo solle im Gegenzug zur Werbefigur der Automarke werden, hiess es.

«Nach Higuain, der 2016 94,7 Millionen gekostet hat, jetzt Cristiano Ronaldo für 100 Millionen? Das ist eine Schande! Die Mitarbeiter von Fiat haben die letzten zehn Jahre keine Gehaltserhöhung bekommen. Mit dem Gehalt, das Juve Ronaldo zahlen will, könnte man 200 Euro Gehaltserhöhung an alle Mitarbeiter zahlen», wird ein Mitarbeiter, der seit 18 Jahren für Fiat in Pomigliano d'Arco arbeitet, von «Sport Bild» zitiert. «In Pomigliano wird nur elf Tage im Monat gearbeitet und die Filiale in Brugliasco wird geschlossen.»

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