Das Fussball-Herz blutet: Final verkommt zum reinsten Trauerspiel

Von Patrick Lämmle

30.5.2019

Bittere Enttäuschung bei Granit Xhaka nach dem verlorenen Endspiel.
Bild: Getty

Am Mittwoch gab es drei Verlierer: Arsenal, das nach der 1:4-Schlappe im Europa-League-Final die Champions League verpasst, die UEFA, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat und alle Fussballfans.

Fünf Tore in einem Endspiel, das hört sich erstmal ziemlich spektakulär an. Die Treffer waren ja teils auch schön herausgespielt, da gibt’s nichts zu meckern. Spätestens nach dem 4:1 durch Hazard in der 72. Minute war die Spannung aber weg. Am Ende jubelten die Chelsea-Spieler, wobei sich die Freude in Grenzen hielt. Der Europa-League-Pokal ist für die Top-Teams bestenfalls ein «Nice-to-have», in etwa so bedeutungsvoll wie der Triumph bei einem Grümpelturnier. Es sei denn, man kann sich auf diesem Weg das Champions-League-Ticket für die kommende Saison sichern.

Und da wären wir bei Arsenal angelangt. Chelsea hat sich auf dem Ligaweg für die Königsklasse qualifiziert, die «Gunners» nicht. Für sie ging es also weit mehr, vielleicht kriegten sie ob des Drucks in der zweiten Halbzeit kaum ein Bein vor das andere. Oder sind Xhaka und Co. einfach keine Nachteulen? Und da kommt der nächste Verlierer ins Spiel, die UEFA.

Als die zweite Halbzeit angepfiffen wurde, war es in Baku Mitternacht. Zu dieser Uhrzeit muss man erst mal in der Lage sein, an seine Leistungsgrenze zu gehen. Angepeitscht von frenetisch applaudierenden Fans wäre dies vielleicht möglich gewesen. Doch im 2015 für 710 Millionen US-Dollar aus dem Boden gestampften Nationalstadion, das 69’870 Zuschauern Platz bietet, wollte einfach partout keine Stimmung aufkommen.

Verlierer gab's schon vor dem Finale

Dass die Fans, aufgrund der das Spielfeld umrundenden Leichtathletikbahn, weit weg vom Geschehen sassen, war dabei noch das kleinste Problem. Viel schwerer wog, dass die beiden Teams nur je 6'000 Tickets für ihre Fans erhielten. Die grosse Mehrheit im Stadion wollte (oder musste) einfach mal einem Endspiel beiwohnen, so machte es den Anschein. Und so erstaunte es nicht, dass sich das Stadion nach dem Schlusspfiff ganz schnell leerte.

Chelsea gegen Arsenal, da dürfen natürlich auch die Fans von Galatasaray Istanbul nicht fehlen.
Bild: Getty

Baku als Austragungsort zu wählen ist aber noch aus einem ganz anderen Grund fragwürdig. Die UEFA hat damit bewiesen, dass ihre seit Jahren ausgespielten Werbespots «No to Racism» und «Equal Game – Respect» lediglich der Imagepflege dienen. Der Verband selbst schert sich in der Praxis zu wenig um das Wohlergehen anderer. So kam es, dass mit dem Armenier Henrich Mchitarjan ein für Arsenal nicht unwichtiger Spieler aus Sicherheitsbedenken zuhause bleiben musste. Wie ungemütlich, um nicht zu sagen gefährlich, es für einen Armenier in Aserbaidschan werden kann, erlebten im Vorfeld des Endspiels zwei Asiaten als sie am Dienstag durch die Strassen flanierten. Weil sie ein Mchitarjan-Shirt trugen, wurden sie von der Polizei angehalten.

Fussball verbindet und bringt Völker aus aller Welt zusammen. Schön wär’s.


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