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Für Sepp Blatter drängt sich die Frage auf: «Wohin soll das führen, FIFA?» (Archivbild)
KEYSTONE
Statt auf der Tribüne zu sitzen, darf US-Spieler Folarin Balogun im WM-Achtelfinale gegen Belgien auf Bewährung ran. Die FIFA lässt seine Rot-Sperre aussetzen – und es hagelt Kritik.
Folarin Balogun darf trotz einer Rot-Sperre im Achtelfinale gegen Belgien spielen. Der US-Stürmer wurde im ersten K.o.-Runden-Spiel gegen Bosnien des Feldes verwiesen. Der Entscheid war umstritten. Balogun traf einen Gegenspieler zwar hart, aber unabsichtlich und aus der Bewegung heraus am Knöchel.
Umstritten ist nun auch der Entscheid der FIFA, Balogun doch die Spielberechtigung zu geben. Man munkelt, US-Präsident Donald Trump hat da seine Finger im Spiel. Während US-Coach Mauricio Pochettino von einem «fantastischen» Entscheid spricht, ist Wayne Rooney ganz offensichtlich anderer Meinung. Die England-Legende nimmt FIFA-Präsident Gianni Infantino in die Mängel.
Der 120-fache Internationale Englands: «Die Rote Karte zu streichen, wäre wohl die richtige Entscheidung. Die Strafe auf ein Jahr Bewährung zu setzen, ist eine Schande. Infantino soll sich deswegen schämen. Das Fairplay wird hier infrage gestellt. Es ist auf allen Ebenen falsch.»
«Der Entscheid ist auf allen Ebenene falsch»
Wayne Rooney
TV-Experte & 120-fache Internationale Englands

Wayne Rooney kritisiert Gianni Infantino nach dem Balogun-Entscheid scharf. (Archivbild)
EPA
Der ehemalige französische Nationalspieler sagt bei Fox Sports: «Ich glaube nicht, dass es eine Rote Karte war. Er hat das nicht mit Absicht getan. Aber für Belgien ändert die Entscheidung in der Vorbereitung alles. Die Entscheidung ist zwar richtig, aber warum kommt sie so spät?»
Der ehemalige kongolesische Nationalspieler wagt auf «X» einen Vergleich: «Ich sage nur: Hätte sich das beim Afrika-Cup (AFCON) abgespielt und ein Spieler hätte nach einer Roten Karte weiterspielen dürfen, wäre der Aufschrei riesig und der Unsinn, der darüber geredet würde, kaum auszuhalten.»
Der ehemalige FIFA-Präsident auf X: «Rote Karten werden nicht durch politische Telefonate aufgehoben. Sie werden durch Regeln, Beweise und unabhängige Instanzen aufgehoben. Wenn ein US-Präsident beim FIFA-Präsidenten interveniert – und ein Spieler kurz vor einem WM-K.o.-Spiel plötzlich freigesprochen wird –, dann drängt sich die Frage auf: Quo vadis, FIFA? Der Fussball darf niemals zum Spielplatz politischer Macht werden.»
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Der Belgien-Coach: «Ich wusste nicht, dass der 5. Juli (der Tag des FIFA-Entscheides, d.Red.) eigentlich der 1. April ist. Das war eine neue Erkenntnis für mich.»
«Die RBFA ist erstaunt über die FIFA-Entscheidung, Folarin Balogun trotz Sperre für das Spiel USA gegen Belgien für spielberechtigt zu erklären. Aus unserer Sicht steht dieser Entscheid im Widerspruch zu den WM-Regularien, wonach eine Rote Karte automatisch eine Sperre für das nächste Spiel nach sich zieht. Um die Rechte aller Teams und die Grundsätze des Fairplays zu schützen, prüfen wir nun alle möglichen Optionen.»
Der Nationaltrainer Englands: «Ich denke, um ganz klar zu sein, dass es keine Rote Karte war. Aber der VAR war involviert. Drei Leute vom VAR und der Referee haben es gecheckt und hatten die Meinung, dass es eine Rote Karte war. Es wurde also eine Entscheidung getroffen. Wer kippt diese Entscheidung dann – und wann? Und auf welcher Grundlage? Wie weit geht das jetzt? Es ist einfach seltsam für mich. Wir wollen einfach Konsistenz in den Entscheidungen haben. Legen wir jetzt Berufung ein, wenn eine Gelbe Karte keine Gelbe Karte ist? Man könnte jetzt endlos debattieren. Wo fängt es an und wo hört es auf?»
Der Trainer Norwegens: «Es ist eine schlechte, schlechte, schlechte Entscheidung der FIFA, die der WM schaden wird. Es tut mir auch leid für die USA. Wenn sie gewinnen, wird es immer in der Schwebe hängen. Das ist nicht gut für den Sport. Was ist mit der nächsten Roten Karte? Was passiert dann? Wird es künftig irgendwo ein Gremium geben, das solche Karten einfach wieder aufhebt?»
«Es ist eine schlechte, schlechte, schlechte Entscheidung»
Stale Solbakken
Nationaltrainer Norwegen
Der US-Nationaltrainer: «Es ist eine fantastische Entscheidung, nicht nur für uns, sondern für den Fussball. 99,9 Prozent der Menschen sind der Meinung, dass das eine unfaire Rote Karte war.»
Der ehemalige schwedische Nationalspieler bei Fox Sports: «Ich freue mich für die USA. Er hätte keine Rote Karte bekommen sollen. Ja, die Entscheidung hätte schneller kommen müssen. Aber ich freue mich für die USA. Das US-Team war fantastisch, aber ‹Balo› war superfantastisch.»
Der ehemalige englische Nationalspieler bei ITV: «Das ist absolut unzumutbar. Ich war nicht der Meinung, dass es eine Rote Karte war und ich finde, es sollte ein Verfahren geben, das eine Aufhebung ermöglicht. Aber wenn es das nicht gibt und die FIFA dann aus heiterem Himmel einfach beschliesst, einen Spieler weiter spielen zu lassen, dann sollten die Regeln für alle gleich sein. Ich wäre absolut ausser mir, wenn ich Belgien wäre.»

Gary Neville kritisiert den Entscheid der FIFA, Balogun spieln zu lassen. (Archivbild)
EPA
Der Chef-Sportreporter «The Telegraph»: «Als wäre es nicht schon aussergewöhnlich genug, dass Gianni Infantino öfter im Oval Office zu Gast war als Sir Keir Starmer (Premierminister Grossbritanniens – d.Red), kommt nun auch noch eine WM-Entscheidung hinzu, die so stark von politischen Untertönen geprägt ist, dass es einem den Atem raubt.»
Die belgische Politikerin auf X: «Wahre Stärke zeigt sich darin, mit Fairplay zu gewinnen – und indem man alle Regeln respektiert. Genau das wird Belgien morgen tun. Auf geht's, Rote Teufel! Mehr denn je steht das ganze Land hinter euch.»
Das Mitglied des Europäischen Parlaments auf X: «Erstaunlich, wie eine Rote Karte plötzlich ‹ungerecht› wird, sobald Trump sich einmischt … Die FIFA muss die Fairness verteidigen und darf nicht den Eindruck erwecken, politischem Druck nachzugeben.»
Der US-Botschafter in Belgien: «Präsident Trump würde sich niemals in die internen Angelegenheiten der FIFA einmischen. Präsident Trump hat der FIFA im Nachhinein für ihre Entscheidung gedankt. Für die meisten Fussballfans weltweit war klar, dass die Rote Karte unnötig war. Bei einer Weltmeisterschaft ist es richtig, wichtige Entscheidungen noch einmal zu überprüfen, damit die Spiele fair bleiben.»
Der belgische Aussenminister: «Als ehemaliger Fussballschiedsrichter habe ich mich stets für die Einhaltung der Regeln und faire Entscheidungen eingesetzt. Diese Entscheidung wirft eindeutig viele Fragen auf. Sollte ein Anruf von Trump tatsächlich der Grund für diese unverständliche Entscheidung sein, dann untergräbt dies die grundlegendsten Regeln des Fussballs und des Sports im Allgemeinen.»
«Die Entscheidung hat eine rote Linie überschritten. Der Fussball lebt – wie jede andere Sportart – von Regeln. Sie bilden die Grundlage für einen fairen, ehrlichen und transparenten Wettbewerb. Manche Regeln lassen Interpretationsspielraum zu. In diesem Fall ist das nicht so. (...) Wir bringen unser Unverständnis über diese beispiellose, unverständliche und nicht zu rechtfertigende Entscheidung zum Ausdruck.»
«Die Entscheidung hat eine rote Linie überschritten»
UEFA