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Im strömenden Regen von Moskau feiert Frankreich 2018 den WM-Titel.
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Acht Jahre nach dem WM-Titel ist die Équipe Tricolore von 2018 eine Mischung aus Triumph, Skandalen und erstaunlichen Karriereverläufen. Ein Blick auf die Schicksale der damaligen Superstars.
Kaum ein Weltmeister verkörpert den Absturz nach dem Triumph so sehr wie Paul Pogba. 2018 war er das Gesicht der französischen Nationalmannschaft und verkörperte alles, was die Mannschaft ausmachte: Talent, Charisma und Selbstbewusstsein. Im Final gegen Kroatien traf er selbst zum 3:1. Mit 25 Jahren schien ihm die Fussballwelt zu gehören.
Doch danach begann eine Spirale aus Verletzungen, sportlichem Niedergang und privaten Problemen. Nach seiner Rückkehr zu Juventus kämpfte er ständig mit körperlichen Beschwerden. Dann erschütterte eine Erpressungsaffäre sein Umfeld: Sein Bruder Mathias und weitere Personen sollen versucht haben, mehrere Millionen Euro von ihm zu erpressen. Pogba sprach später von Verrat und einer der schwierigsten Phasen seines Lebens.
2023 folgte der nächste Schlag: Nach einem Serie-A-Spiel wurde er positiv auf DHEA getestet. Die ursprünglich vierjährige Sperre wurde später auf 18 Monate reduziert. Pogba beteuerte stets, keine leistungssteigernde Absicht gehabt zu haben. Nach der Vertragsauflösung bei Juventus versuchte er 2025 bei Monaco einen Neustart. In der vergangenen Saison spielte der mittlerweile 33-Jährige da aber kaum eine Rolle. Gerade einmal 115 Minuten stand er auf dem Platz.

Paul Pogba stand für die AS Monaco in der abgelaufenen Saison nur ein einziges Mal in der Startelf.
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Noch drastischer verlief die Geschichte von Benjamin Mendy. Der Linksverteidiger wurde 2021 wegen mehrerer mutmasslicher Sexualdelikte angeklagt und stand monatelang vor Gericht. Zwar wurde er später freigesprochen, doch seine Karriere erholte sich nie mehr vollständig. Selbst nach seiner Rückkehr in den Profifussball blieb er vor allem eine Figur, die mit den Schlagzeilen ausserhalb des Platzes verbunden wurde.
Obwohl er juristisch entlastet wurde, war sein Ruf nachhaltig beschädigt. Die grossen Vereine wollten nichts mehr mit ihm zu tun haben. Nach Stationen in Lorient und beim FC Zürich kämpfte er vergeblich um die Rückkehr ins Spitzenfussball-Geschäft. Selbst in Zürich endete das Engagement nach kurzer Zeit wieder.

Ein einziges Missverständnis: Benjamin Mendys Engangement beim FC Zürich.
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Letzte Saison spielte Mendy beim polnischen Erstligisten Pogon Stettin, sein Vertrag läuft Ende Juni aus. Noch ist unklar, ob und wie es mit dem 31-Jährigen weitergeht. Der Marktwert des Linksverteidigers, der einst als teuerster Verteidiger aller Zeiten von Monaco zu Manchester City wechselte (57,50 Millionen Euro), ist auf 400'000 Euro geschrumpft.
Adil Rami reiste als vierter Innenverteidiger zur WM 2018 und kam während des Turniers keine einzige Minute zum Einsatz. Trotzdem wurde er Weltmeister. Später scherzte er selbst, sein grösster Beitrag sei die gute Stimmung im Team gewesen.
Nach der Karriere sorgte er vor allem abseits des Fussballplatzes für Schlagzeilen. Seine ehemalige Partnerin Pamela Anderson erhob schwere Vorwürfe gegen ihn und bezeichnete ihn öffentlich als gewalttätig und manipulativ. Rami bestritt die Anschuldigungen.

2019 noch ein Paar: Pamela Anderson und Adil Rami.
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Anschliessend trat er in Reality-TV-Formaten auf, gewann in Frankreich sogar die Sendung «Les Traîtres» und wurde zu einer Medienfigur, die oft mehr mit Unterhaltung als mit Fussball in Verbindung gebracht wird. 2019 wurde sein Vertrag bei Olympique Marseille wegen «grobem Fehlverhalten» aufgelöst, nachdem er sich für das Training verletzt abgemeldet, dafür aber an Dreharbeiten teilgenommen und dabei sogar Stunts vollführt hatte.
Für Schlagzeilen sorgte Rami auch mit seinen kritischen Aussagen über Lamine Yamal: «Er macht schon Partys. Warte mal bis du älter bist, du W******! Er läuft die ganze Zeit mit Schmuck und Diamanten rum – er hält sich für einen Amerikaner. Das geht mir so auf die Eier.»
Kein Spieler verkörpert den Preis des WM-Titels so sehr wie Samuel Umtiti. Vor der WM 2018 diagnostizierten die Ärzte des FC Barcelona ein ernsthaftes Knieproblem. Eine Operation hätte seine WM-Teilnahme gefährdet. Umtiti entschied sich dagegen und spielte trotzdem. Er wurde zur Schlüsselfigur, erzielte im Halbfinal gegen Belgien das entscheidende Tor und war ein wichtiges Puzzleteil für den Titel.
Der Triumph hatte jedoch Folgen. Das angeschlagene Knie wurde nie mehr richtig gesund. Aus dem Abwehrchef Barcelonas wurde innerhalb weniger Jahre ein Dauerpatient. Die Verletzungen begleiteten ihn bis zum Karriereende. 2025 trat er mit erst 31 Jahren zurück. Besonders eindrücklich sind seine späteren Aussagen über die psychischen Folgen. Er sprach von Einsamkeit, Depressionen und davon, dass er zeitweise kaum mehr das Haus verlassen habe. Der Mann, der Frankreich in den WM-Final köpfte, fühlte sich danach vergessen.

Immer wieder das Knie: Samuel Umtiti wurde früh zum Karriereende gezwungen.
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Auch Nabil Fekir konnte das Versprechen seiner frühen Jahre nie vollständig einlösen. Der technisch brillante Offensivspieler galt einst als künftiger Weltstar, doch Kreuzbandverletzungen und körperliche Rückschläge verhinderten den endgültigen Durchbruch. Ein Transfer zum FC Liverpool platzte 2018 nach der WM in letzter Sekunde.
Auch wenn Fekir die Berichte, dass seine Knieprobleme den Wechsel verhinderten, dementierte, blieb er ein Spieler, der vor allem mit seinem Potenzial in Erinnerung bleibt. Statt zu Liverpool ging es zu Betis Sevilla, doch da konnte er sein Potenzial nie voll aussschöpfen. Seit 2024 spielt der mittlerweile 32-Jährige bei Al-Jazira in Dubai.

Den Durchbruch zum Superstar schaffte Nabil Fekir nie.
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Ähnlich erging es Presnel Kimpembe. Der PSG-Verteidiger gehörte jahrelang zu den besten Innenverteidigern Frankreichs, ehe ihn schwere Achillessehnenprobleme beinahe zwei Jahre lang ausser Gefecht setzten. Während viele seiner Teamkollegen Titel sammelten, kämpfte Kimpembe vor allem darum, überhaupt wieder auf den Platz zurückzukehren. 2025 wechselte Kimpembe nach Katar und ist da oft nur Ersatz.
Als Atlético Madrid 2018 rund 70 Millionen Euro für Thomas Lemar bezahlte, schien Frankreich einen weiteren Weltstar hervorgebracht zu haben. Der technisch brillante Offensivspieler galt als eines der grössten Talente Europas.
Doch in Madrid konnte er die hohen Erwartungen nie dauerhaft erfüllen. Zwar gewann er unter Diego Simeone die Meisterschaft und war zeitweise ein wichtiger Baustein der Mannschaft, doch Verletzungen und fehlende Konstanz verhinderten den endgültigen Durchbruch.
Besonders ein Achillessehnenriss im Jahr 2023 warf ihn weit zurück. Danach fand er nie mehr richtig zu alter Stärke zurück. Die Saison 2024/25 verbrachte er schliesslich auf Leihbasis bei Girona. Dort konnte er den sportlichen Niedergang des Klubs nicht verhindern: Girona stieg in der abgelaufenen Saison ab.

Thomas Lemar steigt mit Girona in die zweite spanische Liga ab.
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Steve Mandanda war 2018 die Nummer zwei hinter Hugo Lloris und einer der wichtigsten Führungsspieler in der Kabine. Für viele Teamkollegen war er eine Art Vaterfigur.
Nach seinem Rücktritt im Jahr 2025 sprach er ungewöhnlich offen über die Leere, die danach entstand. Über Jahre hatte sich sein Alltag um Fussball gedreht. Plötzlich fielen die Zusammenzüge, die Rituale und das besondere Gemeinschaftsgefühl weg. «Meine Tage sind endlos und leer. Leer von Energie. Leer von Sinn. Ist das wirklich der Tod?», schrieb er in seinem Buch «Les jours d'après».

Steve Mandanda hatte nach dem Karriereende zu kämpfen.
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Mandanda beschrieb später, dass er sich neu orientieren musste und zunächst Mühe hatte, seine Rolle zu finden. Er musste lernen, mit dem Verlust eines wichtigen Lebensabschnitts umzugehen.
Rein statistisch gehört Mbappé zu den erfolgreichsten Spielern seiner Generation. Mit 19 Jahren wurde er Weltmeister, schoss im Final gegen Kroatien ein Tor und führte Frankreich vier Jahre später beinahe im Alleingang zu einem zweiten WM-Titel. Im Endspiel gegen Argentinien erzielte er einen historischen Hattrick. Und doch haftet seiner Karriere inzwischen ein Gefühl der Unvollendung an.
Jahrelang blieb er bei Paris Saint-Germain, um den Klub zum ersehnten Champions-League-Titel zu führen. Trotz gewaltiger Investitionen und einem Starensemble um Neymar und Messi scheiterte PSG immer wieder. Als Mbappé den Verein 2024 Richtung Real Madrid verliess, schien er den direkten Weg zu den grössten Titeln gewählt zu haben.
Die Ironie: Ausgerechnet nach seinem Abschied gewann PSG erstmals die Champions League. Ein Jahr später folgte sogar der nächste Triumph. Während die Pariser ohne ihren langjährigen Superstar Geschichte schrieben, wartet Mbappé weiter auf den Henkelpokal, der seine Karriere endgültig veredeln würde.

Kylian Mbappés Zeit bei Real Madrid verlief bislang nicht nach Wunsch.
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Auch individuell blieb ihm die höchste Auszeichnung bisher verwehrt. Trotz Weltmeistertitel, WM-Hattrick und beeindruckender Torquoten gewann er nie den Ballon d'Or. Und nicht wenige in Madrid wünschen sich bereits wieder einen schnellen Abgang des Superstars.
Nicht alle Weltmeister von 2018 erlebten nach dem Triumph einen Absturz. Einige erreichten erst Jahre später den Höhepunkt ihrer Karriere. Allen voran Ousmane Dembélé. Als Frankreich in Russland den Titel gewann, galt er zwar als Ausnahmetalent, wurde aber immer wieder von Verletzungen und mangelnder Konstanz begleitet.
Viele hielten Dembélé für einen ewigen Hoffnungsträger. Doch ausgerechnet mit Ende 20 gelang ihm die spektakuläre Wiedergeburt. Als Anführer von Paris Saint-Germain führte er den Klub zu den Champions-League-Titeln 2025 und 2026 und gewann 2025 als erster Weltmeister aus dem 2018er-Kader den Ballon d'Or. Aus dem einstigen Sorgenkind wurde der beste Fussballer der Welt.

Das hätte ihm 2018 wohl niemand zugetraut: Ousmane Dembélé holte 2025 den Ballon d'Or.
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Antoine Griezmann festigte ebenfalls seinen Status als Nationalheld. Nach dem WM-Titel führte er Frankreich 2022 erneut in einen WM-Final und entwickelte sich zum strategischen Kopf der Mannschaft. Während andere Weltmeister früh von der Bildfläche verschwanden, blieb Griezmann über Jahre eine Schlüsselfigur der Équipe Tricolore.
Auch Olivier Giroud darf nicht vergessen werden. Der Stürmer wurde 2018 Weltmeister, ohne im gesamten Turnier ein Tor zu erzielen – eine Kuriosität. Dennoch schrieb er danach französische Fussballgeschichte und löste Thierry Henry als Rekordtorschützen der Nationalmannschaft ab. Damit erreichte er etwas, das ihm während seiner gesamten Karriere viele Kritiker nie zugetraut hatten.
Und selbst N'Golo Kanté schaffte eine bemerkenswerte Renaissance. Nach Verletzungen und seinem Wechsel nach Saudi-Arabien glaubten viele, seine Zeit auf höchstem Niveau sei vorbei. Doch an der EM 2024 gehörte er überraschend zu den stärksten französischen Spielern und bewies nochmals seine aussergewöhnliche Klasse. Und auch bei der WM 2026 ist Kanté dabei.
Frankreich gilt auch dieses Jahr als Top-Favorit auf den WM-Titel. Die Équipe Tricolore hat die talentierteste Mannschaft. Die Frage ist, ob die Charaktere auch zusammenpassen und auf dem Platz eine Einheit bilden. Nicht so wie an der WM 2010, aber das ist eine andere Geschichte ...