Der grosse Aufstieg des Cédric Brunner – bald einer für die Nati?

Jan Arnet

16.6.2020 - 09:40

Cédric Brunner wird mit Arminia Bielefeld in die Bundesliga aufsteigen.
Bild: Getty

Vor vier Jahren stieg Cédric Brunner mit dem FC Zürich in die Challenge League ab. Jetzt steht der 26-Jährige mit Arminia Bielefeld unmittelbar vor dem Aufstieg in die Bundesliga. Und vielleicht auch vor dem Sprung in die Schweizer Nati?

Im Sommer 2018 wagt Cédric Brunner den grossen Schritt. Er hatte mit dem FCZ gerade den Cup gewonnen und nach dem Wiederaufstieg in die Super League Platz 4 erreicht. Nun klopft Arminia Bielefeld an. Ein deutscher Traditionsklub, der allerdings weit davon entfernt ist, sich Aufstiegsaspirant nennen zu dürfen.

Zwar beendete Bielefeld die Saison auf Rang 4, verpasste die Rückkehr in die Bundesliga nach dem Abstieg im Jahr 2009 also nur knapp. Doch in Bielefeld hat auch keiner vergessen, dass man ein Jahr zuvor beinahe noch in die 3. Liga abstürzte – wohin die Arminia bereits 2011 und 2014 abgestiegen war. 

Doch Brunner braucht eine neue Herausforderung. Nach 12 Jahren beim FCZ mit zwei Cupsiegen und der Erfahrung von 54 Super-League-Spielen – ab 2014 spielte er für die Profis – fühlt er sich bereit fürs Ausland. Auch wenn es eben «nur» die 2. Bundesliga ist und es manche auch als Rückschritt sehen. «Bielefeld ist kein grosser Name. Aber es ging mir um den Tapetenwechsel. Darum, mich aus der Komfortzone zu holen», sagt der Aussenverteidiger im Mai rückblickend dem «SRF»

Hauptverantwortlich für den Transfer ist Jeff Saibene, der damals bei Bielefeld an der Seitenlinie steht. Der Luxemburger, der jahrelang auch in der Schweiz aktiv war, kennt Brunner gut und macht dem Verteidiger die Alm schmackhaft. Der Trainer habe ihn davon überzeugen können, dass der Fussball auch in der 2. Bundesliga grösser ist als in der Super League.

Mit neun Zehen in der Bundesliga

Nach wenigen Monaten folgt für Brunner aber ein grosser Dämpfer. Nach neun sieglosen Spielen und dem Absturz auf Platz 14 wird Saibene entlassen. Brunner kommt ins Grübeln. Weil er weiss, wie schwer es ist, aus einer Negativspirale rauszukommen: Mit dem FCZ stieg er 2016 völlig überraschend aus der Super League ab. 

Doch unter dem neuen Trainer Uwe Neuhaus schafft Bielefeld den Turnaround, beendet die Saison schliesslich im 7. Rang und rechnet sich für die nächste Saison durchaus Aussenseiterchancen auf den Aufstieg aus. «Dass es jetzt so gut läuft, kommt schon ein bisschen überraschend», sagt Brunner im Mai, kurz vor Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der 2. Bundesliga – Bielefeld steht zu diesem Zeitpunkt mit sechs Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze.

Am Montag gewinnt der Tabellenführer, der zuletzt auch etwas ins Straucheln geraten ist, die Nachholpartie gegen Schlusslicht Dynamo Dresden mit 4:0. Brunner spielt durch – wie fast immer in dieser Saison. Bielefeld hat nun drei Spieltage vor Saisonende 9 Punkte und 18 Tore Vorsprung auf Platz 3 (VfB Stuttgart). Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, sollte die Arminia den Aufstieg noch verpassen. 



Klopft bald Petkovic an?

Brunner hat seit seinem Wechsel nach Deutschland nicht nur fussballerisch einen grossen Schritt gemacht, sondern bildet sich auch weiter. Seit Dezember hat der 26-Jährige sein Psychologiestudium an einer Fern-Uni wieder aufgenommen. Das hilft ihm auch im Fussball-Alltag. «Früher hatte ich Mühe, wenn negativ über mich berichtet wurde. Das beschäftigte mich dann die ganze Zeit», sagt Brunner dem «SRF». Mittlerweile habe er gelernt, «diese Sachen einfach gar nicht mehr zu lesen oder es nicht so persönlich zu nehmen».

Negative Berichte gab es über Brunner oder seinen Klub aber ohnehin schon lange nicht mehr. Im Gegenteil. Mit dem bevorstehenden Aufstieg in die Bundesliga rückt Brunner noch mehr in den Fokus – vielleicht auch von Vladimir Petkovic. Schliesslich hat der Nati-Trainer durchaus Bedarf auf der Position des Rechtsverteidigers. Einzig Kevin Mbabu ist aktuell in seinem Klub gesetzt. Stephan Lichtsteiner und Michael Lang sind in ihren Vereinen seit längerer Zeit nur noch Reservisten.



Mit guten Leistungen in der Bundesliga könnte sich Cédric Brunner aufdrängen. Noch ist aber nicht sicher, ob der frühere Junioren-Natispieler überhaupt in Bielefeld bleibt. Sein Vertrag läuft am 30. Juni aus. Man befinde sich aber in guten Gesprächen und sei auf gutem Weg, den Vertrag zu verlängern. «Ich bin zuversichtlich, dass Cédric weiter für Arminia auflaufen wird», äusserte sich auch Bielefelds Geschäftsführer Samir Arabi jüngst im «Kicker».

Nichtsdestotrotz hat Brunner auch noch andere Pläne im Hinterkopf. «Die zweithöchste englische Liga wäre sehr interessant, die finde ich cool», sagte er kürzlich. «Und ich habe auch immer gesagt, dass ich irgendwann auch wieder für den FCZ spielen will. Aber das kann noch ein bisschen warten.»

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