Fuss fast amputiert Ein Held wird gefeiert: Die unglaubliche Geschichte des Santi Cazorla

Von Jan Arnet

20.7.2020

Santi Cazorla wird nach seinem letzten Spiel für Villarreal auf Händen getragen.
Santi Cazorla wird nach seinem letzten Spiel für Villarreal auf Händen getragen.
Bild: Getty

Am Sonntag wird bei Villarreal eine Legende verabschiedet: Santi Cazorla verlässt den Klub nach insgesamt 329 Spielen. Dass er in den letzten beiden Jahren überhaupt noch auf dem Platz stehen konnte, grenzt an ein Wunder.

Am 19. Oktober 2016 nimmt die Karriere von Santi Cazorla eine dramatische Wendung. Zu dieser Zeit ist der damals 31-jährige Stammspieler bei Arsenal London, steht mit den «Gunners» an der Spitze der Premier League und spielt in der Champions League. Doch dann, an jenem 19. Oktober, verletzt sich Cazorla im Spiel gegen Ludogorets am Sprunggelenk.

Im ersten Moment sieht es nicht allzu dramatisch aus, der Spanier kann auch ohne Hilfe den Platz verlassen. Doch in den Tagen und Wochen danach wird klar, dass es sich um etwas Komplizierteres handelt. Drei Monate würde Cazorla fehlen, verkündet Arsenal am 1. Dezember. Aus drei Monaten werden schliesslich fast zwei Jahre!

Die Wunde hat sich entzündet und verschlechtert den Zustand des Fusses von Tag zu Tag mehr. Acht Mal muss sich Cazorla operieren lassen, zwischenzeitlich sind die Ärzte gar der Meinung, dass der Spielmacher seine Karriere beenden müsse. Ihm wird gesagt, dass er möglicherweise nie mehr richtig gehen könne, gar die Amputation des rechten Fusses droht. 

Für Cazorla natürlich ein Schock, doch der 1,68 Meter kleine Edeltechniker besitzt ein Kämpferherz. Er entscheidet sich gegen das vorzeitige Karriereende und schuftet fürs Comeback. Im Mai 2017 gelingt die Rekonstruktion eines acht Zentimeter langen Stücks seiner Achillessehne. Die Ärzte transplantieren dafür Haut von seinem Unterarm – als Glücksbringer entscheidet sich Cazorla für ein Stück Haut, auf dem der Name seiner Tochter tätowiert ist.

Ein Stück des Unterarms befindet sich nun an Cazorlas Achillessehne. 
Ein Stück des Unterarms befindet sich nun an Cazorlas Achillessehne. 
Bild: Twitter

636 Tage nach dem Spiel gegen Ludogorets steht Cazorla tatsächlich wieder auf dem Platz. Nicht mehr für Arsenal, sondern für Villarreal. Das «Gelbe U-Boot» gab dem Mittelfeldspieler 2018 die neue Chance, die er brauchte, nachdem sein Vertrag in London nicht mehr verlängert wurde. 

So kann der 81-fache spanische Nationalspieler zum Ende seiner Karriere noch einmal für zwei Jahre für den Klub auflaufen, bei dem er einst auch sein Profi-Debüt gab. Am Sonntag endet die märchenhafte Geschichte mit Cazorlas letztem Spiel für Villarreal. Beim 4:0 gegen Eibar verbucht der mittlerweile 35-Jährige seinen elften Assist der Saison, zudem erzielt er seit Beginn der Spielzeit 15 Tore. In der 82. Minute wird er ausgewechselt, erhält Standing Ovations und wird nach dem Schlusspfiff dann noch ausgiebig von den Kollegen gefeiert.

Exotisches Abenteuer zum Ende der Karriere

So stellt man sich als Fussballprofi wohl das Karriereende vor. Doch Santi Cazorla hat offenbar noch immer nicht genug. Am Montag verkündet der katarische Rekordmeister Al Sadd, wo sein Landsmann und Barça-Legende Xavi an der Seitenlinie steht, dass man sich mit Cazorla auf einen Transfer geeinigt habe.

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