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Ein teurer Fehler – und wie ich trotzdem Trost fand

Syl Battistuzzi

28.12.2018

Eine erfolgreiche WM abseits des Platzes erfordert viel Planung und ein bisschen Hilfe von oben.
Bild: teleclub

Kroatien hat sich in an dieser Fussball-WM in die Herzen vieler Fussball-Fans gespielt. Wieso ich bei ihrem Triumphzug sowohl ein weinendes als auch ein lachendes Auge hatte.

Nicht nur auf den Fussballern lastet vor einer WM ein grosser Druck.
Als erfolgreicher Tipper (statistisch untermauert!) ist man in den Wochen vor Turnier-Beginn nervlich ebenfalls sehr angespannt. Magazine und Zeitschriften müssen auf der Suche nach passenden Informationen durchforstet werden, während man sich gleichzeitig durch zig Statistiken kämpft. Natürlich gehört auch das Verfolgen der Vorbereitungsspiele zum Pflichtprogramm

Wie es der Zufall will, sitze ich wenige Wochen vor WM-Beginn auf dem Sofa im Wohnzimmer meiner kroatischen Schwiegereltern. Wobei der Raum eher an eine Heiligenstätte erinnert, so viele Marienfiguren sind da auf engstem Raum versammelt. Während ich also mit Essen vollgestopft werde, läuft wie immer der Fernseher. Und dort wird gerade die kroatische Nationalmannschaft von Peru auseinandergenommen. Die flinken Südamerikaner lassen dem Gegner keine Chance und siegen hochverdient mit 2:0. Dabei ist es keine überforderte B-Elf, welche hier eine Lektion erhält. Es sind mit einer Ausnahme (dem später heimgeschickten Nikola Kalinic) exakt die gleichen Spieler, die ein paar Wochen später im WM-Final stehen.

Ich bin also fast erleichtert, dass ich Kroatien von der Liste der (Geheim-) Favoriten streichen kann. Meine Konkurrenz hingegen würde nur die starken Individualisten beurteilen, sozusagen durch die hochkarätige Kaderliste geblendet sein. Rückblickend würde ich bei meinen Kollegen prahlen können, diese Tatsache wäre das entscheidende Mosaikstückchen zu meinem Sieg gewesen.

Rakia als Geheimrezept?

Dabei unterläuft mir leider ein Kardinalsfehler. Ich habe den «Stimmungsmannschaft-Faktor» unterschätzt. Unter der Führung von Luka Modric verbessern sich «die Karierten» von Spiel zu Spiel. In der Gruppenphase vermöbeln sie Nigeria, Argentinien und Island wie Bud Spencer in seinen besten Tagen seine Widersacher. Obwohl Kroatien in der anschliessenden K.o.-Phase immer in Rückstand gerät, drehen sie die Partien dank ihres unvergleichlichen Kampfgeists. Als hätten sich die Spieler vor den Partien mit Rakia Mut angetrunken, um solche Widerstände überwinden zu können. Niemand scheint diese beseelte Truppe stoppen zu können. 

Leider endet das schöne Sommermärchen im Endspiel. Unter der Leitung ihres bärbeissigen Trainers Didier Deschamps siegen die Franzosen. Die emotionslose und berechnende Taktik triumphiert über die feurige Leidenschaft. Es ist einmal mehr der Beweis, dass Romantiker im Fussball am falschen Ort sind. Auch der Fussballgott ist nicht (mehr) auf der Seite der «Vatreni». Obwohl neben den gut vier Millionen Einwohnern sicher eben so viele Marienstatuen die Kroaten unterstützen. Als Atheist irgendwie ein tröstlicher Gedanke. Sretan Božić i sretna nova godina!

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