Ex-Sion-Stürmer hat Angst um sein Leben: «Es werden weiter Spiele manipuliert»

12.9.2019 - 09:13, jar

Sanel Kuljic sass wegen Wettmanipulation und Erpressung drei Jahre im Gefängnis.
Bild: Keystone

Sanel Kuljic machte sich in der Schweiz einst als Strafraumkobra einen Namen. Weltweite Berühmtheit erlangte der Österreicher, als er 2014 im Zuge eines Wettskandals zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Mittlerweile ist Kuljic wieder auf freiem Fuss – Spiele werden aber immer noch manipuliert, sagt er.

Wegen Wettmanipulation und Erpressung wurde Sanel Kuljic im Oktober 2014 zu fünf Jahren Haft verurteilt. Weil er zwischen 2004 und 2013 gemeinsam mit sieben Mittätern versucht haben soll, 18 Spiele in Österreichs Profiligen zu manipulieren. Bei der Hälfte der Spiele soll Kuljic involviert gewesen sein – als Spieler oder Mittelsmann durch Herstellung der Kontakte und Treffen. 

Nach drei Jahren Haft wird der frühere Stürmer, der in seiner Aktivzeit unter anderem auch in der Schweiz bei Sion und Xamax spielte, im Frühling 2017 wegen guter Führung frühzeitig entlassen. Seither lebt er ein ruhiges Leben, mit seiner Lebensgefährtin erwartet er im November das zweite Kind. Doch nun holen ihn die Schatten der Vergangenheit ein. Wie Kuljic der österreichischen Zeitung «Krone» berichtet, versuchten die Drahtzieher des grössten Wettskandals in Österreich wieder, an den heute 41-Jährigen zu gelangen. «Sie haben über einen ehemaligen Mithäftling wieder versucht, mit mir Kontakt aufzunehmen, machen Druck, ich habe Angst um mein Leben», so Kuljic.

Während der Fussballer jahrelang hinter Gittern sass, wurden diese Drahtzieher nie zur Rechenschaft gezogen. Laut Kuljic handle es sich dabei um den Präsidenten des albanischen Profiklubs Skenderbeu, der von der UEFA wegen Wettspielmanipulation für zehn Jahre aus dem Europacup augeschlossen wurde, und den CEO eines grossen Vertriebsunternehmen in Albanien. «Das sind die Herren, die das Geld für die involvierten Spieler und die Wetten bereitstellen. War damals so und ist heute nicht anders», lässt sich der 20-fache österreichische Nationalspieler zitieren. «Ja, es werden in Österreichs höchster Liga weiterhin Spiele manipuliert!»

Kuljic absolvierte für Sion und Xamax insgesamt 51 Spiele in der Super League (19 Tore).
Bild: Keystone

Der frühere Super-League-Spieler zählt sogar zwei manipulierte Partien der vergangenen Saison auf – zweimal soll der SV Mattersburg beteiligt gewesen sein: Beim 0:6 gegen den Wolfsberger AC und beim 1:3 gegen den LASK. Kuljic: «Aber es sind mehr.»

Doch warum geht der Mann, der Angst um sein Leben hat, mit diesen brisanten Details an die Öffentlichkeit? «Weil ich mich durch diesen Schritt geschützter fühle, als lange, ergebnislose Ermittlungen der Polizei abzuwarten», sagt Kuljic. Er selbst möchte seine Vergangenheit hinter sich lassen, mit Spielmanipulationen nichts mehr zu tun haben, die «ganze Wahrheit» aber bald in einem Buch erzählen.

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