Bayerns Transfer-Strategie: Cleveres Business-Model oder völliger Wahnsinn?

Bluewin

8.2.2019

Die Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeness investieren in die Jugend. 
Bild: Keystone

Im Vergleich zur internationalen Konkurrenz hält sich der FC Bayern München auf dem Transfermarkt vornehm zurück. Bisweilen hält der Erfolg an – aber wie lange noch? Auf der Redaktion gehen die Meinungen auseinander.

«Nicht mehr lange. Was die Bayern veranstalten ist völliger Wahnsinn»

Tobias Benz

Die Bayern operieren in einem veralteten Modell. Sie versuchen junge, talentierte Spieler einzukaufen und in der ersten Mannschaft gross werden zu lassen. Wer aber international ganz vorne mitspielen möchte, kann sich diesen Luxus heutzutage nicht mehr erlauben. Jede Position muss mit einem absoluten Top-Spieler besetzt sein.

Das ist zwar schade, aber entscheidend. Es zeigt sich bei anderen grossen Vereinen. Beim FC Barcelona finden immer weniger «La Masia»-Abgänger den Weg in die erste Mannschaft. Bei Manchester City wird ein Talent nach dem anderen abgegeben, bei Chelsea ausgeliehen.

Erfolgreich sein und gleichzeitig fast kein Geld ausgeben, das ist nicht mehr. Real Madrid versuchte es in den letzten Jahren und täuschte beinahe die Funktionsfähigkeit des Modells vor. Aber offenbar war ein Grossteil des Erfolgs der Madrilenen doch dem 100-Millionen-Mann Cristiano Ronaldo zu verdanken. Seinerzeit der teuerste Spieler der Welt.

Optionen gäbe es für die Bayern zur Genüge. Mit Eden Hazard, Paulo Dybala oder Isco gibt es absolute Top-Stars, die durchaus schon mal mit einem Abgang bei ihrem Klub geliebäugelt haben. Für einen dieser Stars müssten die Verantwortlichen an der Säbener Strasse allerdings tief in die Tasche greifen.

Die Summen, die heutzutage für Spieler bezahlt werden, sind grotesk. Aber nicht mitzuspielen und sich so zu verhalten, als hätte sich der Markt in den letzten zehn Jahren nicht verändert, ist wahnsinnig. Will Bayern nächste Saison wieder um den Henkelpott mitspielen, muss ein Superstar her.


«Bayern ist drauf und dran, sich ein Weltklasse-Team aufzubauen»

Jan Arnet

Sind die Bayern wirklich so weit vom Champions-League-Titel entfernt? Gewiss, in dieser Saison läuft es den Münchnern (noch) nicht nach Wunsch und in den Achtelfinals hat man mit Liverpool einen ganz grossen Brocken erwischt. Aber vergessen wir nicht: In den letzten sieben Jahren erreichten die Bayern sechsmal mindestens den Halbfinal – letzte Saison scheiterte man da wegen eines Ulreich-Patzers und viel Schiri-Pech am späteren Sieger.

Vielleicht sind die Münchner aktuell nicht der Top-Favorit auf den Titel in der Königsklasse. Aber sie sind drauf und dran, das wieder zu werden. Denn die Chefetage um Uli Hoeness und Karl-Heinz Rummenigge hat kapiert, dass Arjen Robben und Franck Ribery nicht ewig spielen können und schon mal vorgesorgt. Kingsley Coman (22 Jahre) und Serge Gnabry (23) haben das Zeug dazu, «Robbery» mittelfristig vergessen zu machen. Ob auch das kanadische Talent Alphonso Davies (18) das Zeug zum Superstar hat, wird sich noch weisen.

Bayern erhofft sich viel vom Teenager Alphonso Davies.
Bild: Keystone

Bayern will in die Zukunft investieren. Das hat nicht nur das (gescheiterte) Buhlen um den 18-jährigen Chelsea-Profi Callum Hudson-Odoi gezeigt. HSV-Younsgter Jan-Fiete Arp – der erste Bundesliga-Torschütze, der nach 2000 geboren wurde – wird spätestens im Sommer 2020 kommen. Und der 23-jährige Weltmeister Benjamin Pavard verstärkt ab Sommer die Defensive der Bayern. 

Guckt man auf das Kader des deutschen Rekordmeisters, sind da schon etliche Spieler auf Weltklasse-Niveau vorhanden. Von Manuel Neuer über Thiago und James Rodriguez bis zu Robert Lewandowski – sie alle können auch in drei Jahren noch Grossartiges leisten. Und in diesen drei Jahren können sich Jungstars wie Coman oder Gnabry auch zu Weltstars entwickeln. Wer braucht da noch einen neuen Superstar?

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport