YB-Noten

YB-Noten: Faivre ist der Lichtblick an einem tristen Abend

Von Patrick Lämmle

12.3.2021

YB bleibt im Hinspiel gegen Ajax chancenlos

YB bleibt im Hinspiel gegen Ajax chancenlos

Die Young Boys verlieren das Hinspiel der Achtelfinals der Europa League auswärts gegen Ajax Amsterdam 0:3. Alle Tore fallen ab Mitte der zweiten Halbzeit.

11.03.2021

Ajax Amsterdam gewinnt gegen YB hochverdient mit 3:0 und bleibt damit im 20. Spiel in Folge ohne Niederlage. Für die Berner ist es von der ersten bis zur letzten Minute eine reine Abwehrschlacht. 

Nur schon das Torschussverhältnis spricht Bände. Während Ajax 21 Schüsse abfeuert (neun davon aufs Tor), kommt YB nur zu einem Abschluss – und dieser findet noch nicht einmal den Weg bis zum Ajax-Tor. Alles schlecht Reden braucht man nicht, die Berner sind mit Leib und Seele dabei und versuchen  dem Dauerdruck standzuhalten, aber am Ende setzt sich schlichtweg die Qualität durch. Ajax ist klar die bessere Mannschaft und zeigt dem Schweizer Meister gnadenlos die Grenzen auf. Im Rückspiel bräuchte es wieder einmal ein «Wunder von Bern», ansonsten bedeuten die Achtelfinals für YB Endstation.

Bewertungsschlüssel
6 Sackstark
5 Gut
4 Genügend
3 Schwach
2 Sehr schwach
1 Unterirdisch

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Stimmen zum YB-Spiel

Torhüter

Ø  5.5

Torhüter

Guillaume Faivre

Der 34-jährige Ersatz des verletzten David von Ballmoos ist von Beginn an hellwach, bereits in der fünften Minute zeichnet er sich mit einer Glanztat gegen Antony aus. Zwei weitere Prüfungen im ersten Umgang besteht er mit Bravour. Dass es am Ende trotzdem eine 0:3-Niederlage absetzt, liegt nicht an Faivre. Im Gegenteil, auch in der zweiten Halbzeit macht er drei Ajax-Chancen zunichte.


Verteidiger

Ø  3.5

Rechtsverteidiger

Silvan Hefti

Der 23-Jährige ist bekannt für seine unwiderstehlichen Flügelläufe, gegen Ajax bleiben die aber aus. Hefti muss fast ausschliesslich Defensivaufgaben erledigen und tut dies nicht immer souverän, leistet sich auch eindeutig zu viele Ballverluste. Allerdings ist YB auch im Kollektiv schlichtweg überfordert vom agilen Spielstil der Amsterdamer.


Ø  4

Innenverteidiger (bis 34. Minute)

Mohamed Ali Camara

In der 15. Minute leitet der 23-Jährige mit einem komplett missglückten Befreiungsschlag die zweite dicke Ajax-Chance ein, doch auch diese Aktion überstehen die Berner dank Faivre schadlos. In der 24. Minute tritt Camara dann positiv in Erscheinung, im letzten Augenblick hindert er Neres am Abschluss aus bester Position. Zehn Minuten später ist Feierabend. Camara hat sich laut YB-Mediensprecher Albert Staudenmann an der Wade verletzt und wurde deshalb vom Platz genommen.


Ø  4.5

Innenverteidiger

Fabian Lustenberger

Er geht dort hin, wo es weh tut – im wahrsten Sinne des Wortes. Gleich zweimal windet er sich am Boden, doch der YB-Captain kommt immer zurück. Abgesehen von einem Harakiri-Querschläger in der 73. Minute, der allerdings ohne Folgen bleibt, macht er einen guten Job, klärt mehrmals stark. Zwar steht er bei allen Gegentoren nahe am Epizentrum, allerdings ohne dabei kapitale Fehler zu begehen.

YB-Captain Lustenberger: «Sie haben uns heute den Meister gezeigt»

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Die Young Boys verlieren das Hinspiel gegen Ajax Amsterdam diskussionslos mit 0:3. Im Interview mit «blue Sport» spricht Captain Fabian Lustenberger über die Gründe sowie die Ausgangslage fürs Rückspiel.

11.03.2021


Ø  3.5

Linksverteidiger

Jordan Lefort

Seine beste Aktion zeigt der 27-jährige Franzose bereits in der fünften Minute. Mit gutem Stellungsspiel entschärft er eine im Ansatz brandgefährliche Situation souverän. Leider ist ebendieses Stellungsspiel in der Folge seine grösste Schwäche. Seinen wechselnden Gegenspielern gewährt er zu viel Raum, attackiert sie oft zu zaghaft und verpasst es so, gefährliche Zuspiele zur Mitte zu unterbinden. Ihn als Schwachstelle abzukanzeln, wäre dennoch zu hart. Lefort hat auch die eine oder andere Situation bereinigt.


Mittelfeldspieler

Ø  3

Flügel (bis 85. Minute)

Christian Fassnacht

Fassnacht verrichtet viel Laufarbeit und kann den einen oder anderen Ball erobern, ebenso oft kommt er allerdings gegen die Edeltechniker einen Schritt zu spät. Im Spiel nach vorne bleibt er völlig wirkungslos. Von ihm erwartet man diesbezüglich einfach mehr.


Ø  3.5

Zentraler Mittelfeldspieler (bis 71. Minute)

Sandro Lauper

Willst du Spiele dominieren, musst du das Zentrum beherrschen – und genau das tut an diesem Abend Ajax. Vom zuletzt formstarken Lauper ist abgesehen von seiner mit Gelb sanktionierten Grätsche nicht viel zu sehen. Immerhin geht der EINZIGE YB-Torschuss des Spiels auf sein Konto, dieser verfehlt allerdings das Ziel.


Ø  3.5

Zentraler Mittelfeldspieler

Michel Aebischer

In der 39. Minute lässt er die Herzen der YB-Fans für zwei Sekunden höher schlagen, denn es scheint für einen kurzen Augenblick so, als würde er mit seinem gut getimten Pass aus dem Halbfeld einen vielversprechenden Konter einleiten. Es bleibt ein frommer Wunsch, die Chance versandet im Ansatz. In der 64. Minute sieht er Gelb. Es ist eine Karte mit Folgen, im Rückspiel fehlt Aebischer gesperrt.


Ø  3

Flügelspieler (bis 46. Minute)

Miralem Sulejmani

Der 32-jährige Serbe freute sich auf das Spiel gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber (Video unten). Eine freudige Angelegenheit ist es dann aber nicht, zu klar sind die Kräfteverhältnisse verteilt. Seine Kreativität kann Sulejmani gegen Ajax nicht ausleben, dafür läuft das Spiel zu sehr an ihm vorbei. Dass in seinen Adern immer noch ein bisschen Ajax-Blut fliesst, zeigt sich in drei, vier Aktionen, in denen er in den One-Touch-Modus wechselt, sprich den Ball direkt weiter spielt, ohne ihn erst zu kontrollieren. Etwas, das die Amsterdamer immer wieder tun und damit die YB-Spieler vor grosse Probleme stellen.

Sulejmani: «Es wird speziell, weil ich jetzt auf der anderen Seite stehe»

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In den Achtelfinals der Europa League trifft YB auf Ajax Amsterdam. Miralem Sulejmani, seit 2015 in Bern, hat zwischen 2008 und 2013 beim Gegner gespielt. Für ihn ist das Duell mit Ajax aus vielerlei Hinsicht etwas ganz Besonderes.

11.03.2021


Angreifer

Ø  4

Rechter Stürmer (bis 71. Minute)

Meschack Elia

Wenn an diesem Abend auch nur ein Hauch von Torgefahr aufkommt, dann hat Elia die Füsse im Spiel. Wenn er Fahrt aufnimmt, dann kommen selbst die Ajax-Profis ins Schwitzen – oft ist das aber nicht der Fall. Gefährlich wird es eigentlich nur in der 20. Minute, da erläuft er sich einen Ball und spielt diesen dann mit einem klugen Pässchen auf Lefort, dessen Flanke landet dann im 34. Stockwerk und ist für Freund und Feind unerreichbar. Es ist ein undankbares Spiel für die YB-Angreifer, aber Elia verschwindet immerhin nicht gänzlich von der Bildfläche.


Ø  3

Linker Stürmer

Jean-Pierre Nsame

Nsame ist ein Stürmer, den man mit Bällen füttern muss – er dankt es dann jeweils mit Toren. Doch gegen Ajax lassen ihn die Mitspieler verhungern. Als er in der 75. Minute für einmal mit dem Ball am Fuss Tempo aufnehmen kann, da wird er eiskalt abgekocht. Ein gebrauchter Abend.


Eingewechselte Spieler

Ø  3.5

Ab 34. Minute für Camara

Cédric Zesiger

Zunächst fügt er sich gut ein, markiert Präsenz und erledigt seinen Job ohne Aussetzer. Beim ersten Gegentor gibt er dann keine gute Figur ab, aus kurzer Distanz knallt er Lustenberger den Ball an den Kopf und leitet so indirekt den Treffer ein, natürlich ist da auch eine gehörige Portion Pech im Spiel. Nur eine Minute später verhindert er dann den Ajax-Doppelschlag in extremis. Am zweiten Gegentor hält er Aktien – sein Hochrisikopass wird vom «Feind» abgefangen und eiskalt in ein Tor umgemünzt.


Ø  3

Ab 46. Minute für Sulejmani

Moumi Ngamaleu

Von Ngmaleu hätte man sich erhofft, dass er neuen Schwung ins Spiel bringt, das gelingt nicht wirklich. Und beim zweiten Gegentreffer, da sieht Zesiger auch deshalb alt aus, weil Ngamaleu pomadig auf den Ball wartet, anstatt entgegenzulaufen. Eine Absicht kann man ihm natürlich nicht unterstellen, aber er hat schlichtweg die Situation falsch eingeschätzt und das wird auf diesem Niveau allzu oft bestraft.


Ø 

Ab 71. Minute für Lauper

Vincent Sierro

Sieben Minuten nach seiner Einwechslung sieht er Gelb. Ansonsten sieht man nicht viel von Sierro. Zu kurzer Einsatz für eine Bewertung.


Ø 

Ab 71. Minute für Elia

Felix Mambimbi

Zu kurzer Einsatz für eine Bewertung.


Ø 

Ab 84. Minute für Fassnacht

Jordan Siebatcheu

Gegen Leverkusen stand er für den in beiden Spielen gesperrten Nsame in der Startelf und schoss drei der insgesamt sechs Tore. Ohnehin hat er mit zwölf Toren in seinen letzten 14 Pflichtspieleinsätzen vor dem Ajax-Spiel ordentlich Werbung in eigener Sache betrieben. Gerne hätte man ihn ein paar Minuten länger auf dem Platz gesehen, aber bis zum zweiten Gegentreffer (82.) galt der Fokus der Defensive. Mit einem 0:1 hätte YB gut leben können. Zu kurzer Einsatz für eine Bewertung.

Telegramm

Ajax Amsterdam – Young Boys 3:0 (0:0)

SR Guida (ITA). – Tore: 62. Klaassen 1:0. 82. Tadic 2:0. 92. Brobbey 3:0.

Ajax Amsterdam: Stekelenburg; Rensch (67. Schuurs), Timber, Martinez, Tagliafico; Alvarez, Klaassen, Gravenberch; Antony (67. Idrissi), Tadic, Neres (83. Brobbey).

Young Boys: Faivre; Hefti, Camara (34. Zesiger), Lustenberger, Lefort; Fassnacht (85. Siebatcheu), Lauper (71. Sierro), Aebischer, Sulejmani (46. Moumi Ngamaleu); Elia (71. Mambimbi), Nsame.

Bemerkungen: Ajax Amsterdam ohne Haller (nicht spielberechtigt), Onana (Dopingsperre) Blind und Mazraoui (beide verletzt). Young Boys ohne Von Ballmoos, Martins und Petignat (alle verletzt). Camara mit Wadenverletzung ausgeschieden. 86. Pfostenschuss Tadic. Verwarnungen: 49. Lauper (Foul), 53. Tagliafico (Foul), 64. Aebischer (Foul/für das Rückspiel gesperrt), 78. Sierro (Foul).

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