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Slvako Vincic (rechts) pfeift am Sonntag den WM-Final.
FR110666 AP
Ein dunkler Vorfall vor sechs Jahren kostete den slowenischen Schiedsrichter Slavko Vincic beinahe seine Karriere. Am Sonntag pfeift er den WM-Final zwischen Spanien und Argentinien.
Mai 2020. Mitten in der ersten Covid-Welle kommt es auf einer Ranch in der Nähe von Bijeljina in Bosnien und Herzegowina zu einem seltsamen Vorfall. Im Zusammenhang mit der Operation «Kristal» stürmt eine schwer bewaffnete Spezialeinheit der Polizei die Zusammenkunft von 36 Personen.
Ein später veröffentlichtes Video zeigt zurückgelassene Waffen. Auf den Tischen steht Alkohol, eine Kreditkarte ist mit weissem Pulver eingedeckt. Medien berichten von einer «ausschweifenden Sex- und Drogenparty». Die Polizei beschlagnahmt 14 Päckchen Kokain, zehn Pistolen, drei Schutzwesten und über 10'000 Euro in verschiedenen Währungen. 16 Personen werden wegen Drogen- und Waffenhandels sowie Prostitution festgenommen.
In dem Haus stösst die Polizei zudem auf den slowenischen Fussball-Schiedsrichter Slavko Vincic.
Verhaftet wird der damals 40-Jährige nicht. Zur Aussage nehmen ihn die Beamten aber auf die Polizeistation mit. Dort beteuert Vincic, dass er nichts mit den kriminellen Machenschaften zu tun hat. Er habe den Grossteil der Leute auf der Ranch nicht gekannt, sagt er. Nach der Vernehmung darf er nach Hause.
Später schildert Vincic den Vorfall gegenüber der slowenischen Zeitung «Vecer»: «Ich bin nur durch Zufall auf dieser Ranch gelandet. Ich habe meine eigene Firma und war in Bosnien und Herzegowina bei einem Geschäftstermin. Ich habe eine Einladung zum Mittagessen angenommen, was sich als mein grösster Fehler herausgestellt hat. Das bereue ich.»
«Ich sass mit meinen Leuten am Tisch, plötzlich kam die Polizei und es passierte, was passierte. Mit der Gruppe, die festgenommen und in Gewahrsam genommen wurde, habe ich nichts zu tun, genauso wenig wie meine Geschäftspartner», bekräftigt Vincic.
Er sei von dem Vorfall sehr mitgenommen, sagt er, und spricht von einem Albtraum. «Ich mache gerade sehr schwere Zeiten durch, ich möchte schlafen, ich sehne mich nach Ruhe und Privatsphäre.» Die Schiedsrichter-Karriere hängt am seidenen Faden.
Doch der slowenische Verband stellt sich hinter Vincic. Ihm wird keine Straftat vorgeworfen. Er wird nicht verdächtigt oder angeklagt. «Er hat nichts zu verantworten», hält der Vorsitzende des slowenischen Fussballschiedsrichterverbands fest. Vincic sei lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.
Und so kann der Slowene seine erfolgreiche Karriere fortsetzen, pfeift 2024 den Champions-League-Final zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund und kommt an der WM 2026 zu drei Einsätzen. Am Donnerstag folgt dann der grosse Moment – festgehalten auf einem von der FIFA veröffentlichten Video.
Vincic darf am Sonntag in East Rutherford den WM-Final zwischen Spanien und Argentinien leiten. Als er davon erfährt, bricht er in Tränen aus und umarmt tief bewegt seine Assistenten Tomaz Klancnik und Andraz Kovacic.
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