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Bei Chelsea nur Lückenbüsserin

Livia Peng, hat man dir falsche Versprechungen gemacht?

Livia Peng hat seit dem Jahreswechsel noch kein Spiel für Chelsea bestritten.

Livia Peng hat seit dem Jahreswechsel noch kein Spiel für Chelsea bestritten.

Imago

Livia Peng wechselte im Sommer von Werder Bremen zu Chelsea. Dort kommt sie aber kaum zum Zug, da ihr Englands EM-Heldin Hannah Hampton vor der Sonne steht. Keine einfache Situation für die 24-jährige Nati-Torhüterin.

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Livia Peng ist beim Spitzenverein Chelsea hinter Hannah Hampton die Nummer 2 und kommt deshalb kaum zum Zug.
  • In der Nati ist sie seit der EM die Nummer 1. Ob das auch ohne Spielpraxis im Verein so bleibt, weiss die 24-Jährige nicht.
  • Den Wechsel zu Chelsea bereut sie nicht, dennoch macht sie sich über ihre Zukunft Gedanken.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Im Juni 2025, noch vor dem Beginn der Heim-EM, unterschreibt Livia Peng einen Vertrag beim grossen FC Chelsea, dem zu diesem Zeitpunkt besten Verein Englands. Das Team hatte gerade den sechsten Meistertitel in Folge eingefahren, den League Cup und den FC Cup gewonnen und scheiterte erst im Champions-League-Halbfinal an Barcelona. Die Nummer 1 im Verein: Hannah Hampton, die England nach Pengs Vertragsunterzeichnung zum EM-Titel hexte und später im Jahr zur besten Torhüterin der Welt gekürt wird.

Dass ihr Hampton vor der Sonne stehen würde, war deshalb absehbar, obschon Peng ihrerseits vom «Kicker» zur besten Torhüterin der Bundesliga gewählt wurde. In dieser Saison hat Peng 9 Spiele bestritten, 7 davon Ende 2025 als Hampton verletzt ausfiel. In diesem Kalenderjahr hat die 24-Jährige bei Chelsea noch keine Minute gespielt. Und dies, obwohl Chelsea noch in vier Wettbewerben vertreten war und entsprechend viele englische Wochen auf dem Programm hatte.

Im Rahmen einer Medienrunde anlässlich der wegweisenden EM-Quali-Spiele gegen die Türkei spricht Peng über ihre Rolle bei Chelsea und der Nationalmannschaft.

Der Spielplan der Schweizer Frauen-Nati

  • Schweiz - Nordirland 2:0 – Hier gehts zu den Nati-Noten
  • Malta - Schweiz 1:4 – Hier gehts zu den Nati-Noten
  • Schweiz - Türkei, 14. April
  • Türkei - Schweiz, 18. April
  • Schweiz - Malta, 5. Juni
  • Nordirland - Schweiz, 9. Juni

Die Fragerunde mit Livia Peng

Livia Peng, wie blickst du auf die letzten Monate bei Chelsea zurück?

Dass ich in diesem Jahr noch nicht gespielt habe bei Chelsea, ist für mich eigentlich nicht weiter schlimm, weil ich immer mit den Besten trainieren kann. Das hilft mir extrem dabei, mich weiterzuentwickeln. Aber klar möchte ich auch Spielzeit bekommen. Das habe ich auch so kommuniziert und das wissen auch alle. Es ist aber wichtig, dass ich geduldig bleibe und meinen Job im Training mache. Wenn ich spielen darf, muss ich bereit sein.

Bei Chelsea habt ihr viele englische Wochen. Im Sommer haben sie dir gesagt, dass sie auch rotieren werden. Hat man dir schlichtweg falsche Versprechungen gemacht?

Falsche Versprechen würde ich nicht sagen. Ich glaube, im Fussball ist es immer ein bisschen situationsabhängig. Wir hatten im Team viele Verletzte und mussten viel rotieren. Die Begründung war deshalb, dass sie zumindest auf der Goalieposition Stabilität wollen. Ich versuche jeden Tag meine beste Leistung abzurufen. Das ist das Einzige, was ich beeinflussen kann.

Wie ist dein Verhältnis zu Hannah Hampton? Kannst du dir von ihr etwas abschauen und dazulernen?

Wir haben eine sehr gute Trainingsgruppe. Auch mit Becky Spencer, die viel Erfahrung mitbringt, und den Torwarttrainern. Es macht einfach Spass. Ich kann von Hannah und auch von Becky lernen. Und ich glaube, es ist auch andersherum so. Hannah ist Welttorhüterin, super gut am Fuss und für mich auch eine sehr, sehr grosse Konkurrenz. Aber ich mag das, denn ich will mich ja auch verbessern.

Teaser image

Trotz Sehbehinderung nicht zu stoppen

Die märchenhafte Geschichte hinter Englands Goalie-Heldin

Du sagst, bei Chelsea lernst du viel dazu. Kannst du ein konkretes Beispiel machen?

Ja, vor allem der Umgang mit Druck. Die ersten ein, zwei Wochen bei Chelsea, da habe ich geschwitzt. Nicht wegen meines physischen Zustands, sondern weil ich mich einfach so konzentrieren musste. Alles ging so viel schneller. Es wird auch viel mehr auf Details geachtet. Es wird mehr gefordert und man muss einfach in jedem Training voll da sein. Das sind die Punkte, von denen ich am meisten profitieren kann.

Du hast bei Chelsea einen Vertrag bis 2029 unterschrieben. Aber käme eine Leihe in Frage, wenn sich an deiner Situation nichts ändert?

Gedanken macht man sich immer, weil am Ende will ich spielen, so wie wahrscheinlich alle anderen auch. Aber konkrete Gedanken habe ich mir jetzt noch nicht gemacht. Ich habe schon immer gesagt, dass Chelsea mein Traumverein ist und ich bin auch sehr, sehr happy da. Wenn ich im Sommer gewusst hätte, dass ich neun Spiele bestreiten darf, dann hätte ich direkt unterschrieben. Ich habe fünf Mal in der Champions League gespielt und das nehme ich auch mit. Ich will irgendwann die Nummer 1 werden. Aber ich weiss auch, dass es Geduld braucht.

Ihr habt den League Cup gewonnen und die Titelverteidigung im FA Cup ist möglich. Aber Meister werdet ihr nicht und in der Champions League seid ihr im Viertelfinal gegen Titelverteidiger Arsenal ausgeschieden. Wie zufrieden seid ihr eigentlich bei Chelsea mit dieser Saison?

Ja, es ist nicht ganz so einfach. Wir haben uns viel vorgenommen und konnten nicht alle Erwartungen erfüllen. Wir haben jetzt noch einen grossen Pokal (FA Cup) den wir holen können. Das ist ein grosses Ziel von uns und dafür geben wir alles. Aber wir wollten auch die Liga und die Champions League gewinnen.

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Ein Beitrag geteilt von Livia Peng (@penglivia)

Wechseln wir zur Nati. Kurz vor der EM bist du zur Nummer 1 aufgestiegen und unter Navarro hast du die ersten WM-Quali-Spiele bestritten. Dort hast du gegen Nordirland und Malta kaum etwas zu tun gehabt. Wie war das für dich? Und hast du schon mit dem Staff darüber gesprochen, ob du die Nummer 1 bleibst?

Nein, das haben wir tatsächlich nicht diskutiert. Was die Spiele angeht, habe ich es schon lieber, wenn ich mehr zu tun habe. Aber eigentlich ist es gut so, weil das bedeutet, dass wir es sehr gut machen. In solchen Spielen versuche ich einfach aktiv zu bleiben, damit ich nicht irgendwie abschalte. Ein Trick von mir ist, dass ich viel rede, auch mit mir selber. Oder dass ich die ganze Zeit meine Verteidigung nerve.

Ihr habt noch nicht über die Rollenverteilung gesprochen. Ist es für dich gar nicht relevant, ob du die Nummer 1 bist oder eben nicht?

Für mich ist es nicht so relevant, weil ich einfach das beeinflussen will, was ich beeinflussen kann. Und wenn ich spiele, dann will ich gut spielen. Das ist eigentlich das Einzige, was für mich wichtig ist.

Ob bei Chelsea oder wie hier in der Nati: Livia Peng gibt in jedem Training ihr Bestes.

Ob bei Chelsea oder wie hier in der Nati: Livia Peng gibt in jedem Training ihr Bestes.

Bild: Imago

Falls du gegen die Türkei im Tor stehen solltest: Wie schwierig ist das eigentlich, wenn man ohne Spielpraxis kommt und direkt ein so wichtiges Spiel bestreiten muss?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube, dass es vor allem mental ist. Ich freue mich einfach immer, wenn ich spielen kann. Gar nicht viel nachzudenken hilft mir, auch wenn ich die letzten Wochen nicht oft gespielt habe. Jedes Mal, wenn ich spiele, sage ich mir einfach: Hey, have fun, gib dein Bestes.

Hat sich das Torwartspiel unter Navarro für dich verändert?

Er will, dass wir uns als Torhüterinnen noch aktiver am Spielaufbau beteiligen. Dass wir nah dran sind an der Abwehrkette, um einfach eine Extraspielerin zu sein im Spielaufbau.

Nach dem Malta-Spiel, das ihr verdient mit 4:1 gewonnen habt, wart ihr in den Interviews sehr selbstkritisch. Wie muss man das einordnen?

Das Wichtigste für uns ist, dass wir die drei Punkte geholt haben, weil darum geht es im Fussball. Aber für uns ist es wichtig, das Bestmögliche aus jedem Spiel zu machen. Wir wollen uns immer verbessern und wir wissen auch, dass noch stärkere Gegner kommen. Es ist auch gut, wenn wir selbstkritisch sind, denn nur so kommt man auch weiter.

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Ist das schon Selbstzerfleischung?

Trotz zwei Siegen herrscht in der Frauen-Nati Katerstimmung – das freut den Trainer

An der EM hast du im letzten Gruppenspiel gegen Finnland einen Big Save gemacht. Hast du davon vielleicht ein Video auf dem Handy, das du dir manchmal anschaust, wenn es mal nicht so gut läuft?

Ja, auf jeden Fall. Das ganze Spiel war einfach sehr, sehr speziell und emotional. Aber ich schaue mir nicht nur den Save an, ich schaue mir auch den Torjubel an (die Schweiz erzielte in der Nachspielzeit das 1:1 und erreichte dank dieses Treffers das EM-Viertelfinale). Allgemein schaue ich mir oft viele Bilder von der gesamten EM an, das löst immer noch Gänsehaut aus bei mir.

02:02

Das sind die Gänsehaut-Momente der Nati an der Heim-EM

Die Nati-Spielerinnen haben die Schweiz in den letzten Tagen und Wochen begeistert. Mit ihrer nahbaren Art, Leidenschaft und Lebensfreude. blue Sport feiert sie dafür ab und nennt die grössten Gänsehaut-Momente.

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