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Nati-Star hatte dunkle Gedanken

Ramona Bachmann: «Ich habe Angst vor mir selber bekommen»

01:55

«Es war schockierend für alle» – Ramona Bachmann spricht über ihre dunkelsten Stunden

Fussball-Star Ramona Bachmann ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild. Noch bedeutungsvoller als ihre eindrücklichen Erfolge auf dem Platz dürfte ihr Umgang mit Tabuthemen sein.

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der langjährige Nati-Star Ramona Bachmann verpasste die Heim-EM aufgrund eines Kreuzbandrisses.
  • In den Monaten zuvor leidet sie an psychischen Problemen, die schleichend immer schlimmer werden. Ende Dezember 2024 ist Bachmann am Ende ihrer Kräfte und lässt sich in eine Klinik einweisen.
  • Mit blue Sport spricht sie ausführlich über die schlimmste Zeit ihres Lebens. Sie tut es vor allem, um anderen Personen mit ähnlichen Problemen Mut zu machen.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Ramona Bachmann ist eine Pionierin des Schweizer Frauenfussballs. Im Alter von 16 bricht sie ihre Lehre bei der Post ab, um voll auf die Karte Fussball zu setzen. Sie tut es zu einer Zeit, als sich das hierzulande noch wie ein schlechter Witz anhört. Bachmann ist's egal, sie folgt ihren Träumen. Untypisch schweizerisch sagt sie schon als Teenager, dass sie Weltfussballerin werden möchte.

Und so wechselt sie 2007 zum schwedischen Spitzenverein Umea, um dort an der Seite der damals besten Fussballerin der Welt zu spielen, der Brasilianerin Marta, die zwischen 2006 und 2018 sechsmal als Fussballerin des Jahres ausgezeichnet wird.

Ramona Bachmann (links) spielte an der Seite der brasilianischen Star-Spielerin Marta

Ramona Bachmann (links) spielte an der Seite der brasilianischen Star-Spielerin Marta

Imago

Ein halbes Jahr nach ihrem Wechsel nach Schweden debütiert Bachmann im Juni 2007 in der Nationalmannschaft. Es ist der finale Startschuss einer von Erfolgen geprägten Karriere. Genauso beeindruckend wie ihre Leistungen auf dem Rasen sind ihre Verdienste abseits des Platzes. Bachmann ist Wegbereiterin und Vorbild.

Für Bachmann gibt es keine Tabuthemen

Genauso offen wie über Fussball spricht die 153-fache Nationalspielerin über ihre Homosexualität, das Mutterwerden in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung sowie ihre psychischen Probleme. Letzteres tut sie kurz vor der EM, die sie aufgrund eines Kreuzbandrisses verpasst, ein erstes Mal. Im Gespräch mit blue Sport blickt sie noch einmal auf die schlimmste Zeit ihres Lebens zurück.

Ende Dezember 2024 kommt es nach langer Leidenszeit zum totalen Zusammenbruch. Bachmann ist am Ende ihrer Kräfte und lässt sich in eine Klinik einweisen. «Das Ganze hat drei Jahre vorher angefangen. Ich habe lange nicht gewusst, was los ist. Ich hatte viele Symptome und konnte sie nicht einordnen. Es ist dann einfach konstant immer schlimmer geworden.»

«Ich konnte meine Gedanken nicht mehr kontrollieren»

Monatelang kämpft die Profi-Fussballerin mit Schlafproblemen und erreicht einen Zustand, der kaum noch zu ertragen ist. «Irgendwann ist es so weit gekommen, dass ich meine Gedanken nicht mehr kontrollieren konnte und Angst vor mir selber bekommen habe.» Bachmann hat Selbstmordgedanken. «Da ist mir klar geworden, dass das ein sehr gefährlicher Zustand ist und dass ich mir Hilfe holen muss.»

Ihre Ehefrau Charlotte Baret, die ihr über all die Jahre eine wichtige Stütze ist, hat ihr schon früher dazu geraten. Auch ihre Eltern und Freunde hätten gewusst, dass es ihr nicht gut gehe. Doch wie schlimm ihr Zustand wirklich ist, ahnt niemand. «Für mein Umfeld war es unglaublich schwierig und schockierend. Da sind sehr viele Tränen geflossen. Sie hatten alle Angst um mich.»

Sie habe Sachen gesagt, die sich niemand hätte vorstellen können. Etwa, dass es ihr egal wäre, wenn sie einen Herzinfarkt hätte. Hauptsache, der Albtraum nimmt ein Ende. «Es war ein unaushaltbarer Schmerz, so als würde mir jemand ununterbrochen mit einem Hammer auf die Hand schlagen. Ich habe einfach gewollt, dass es vorbei ist. Da habe ich gesagt, dass ich Hilfe brauche, weil ich das sonst nicht überlebe.»

Suizid-Gedanken? Hier findest du Hilfe:

  • Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen und für ihr Umfeld da.
  • Beratungstelefon der Dargebotenen Hand: Telefonnummer 143 oder www.143.ch
  • Beratungstelefon Pro Juventute (für Kinder und Jugendliche): Telefonnummer 147 oder www.147.ch
  • Weitere Adressen und Informationen: www.reden-kann-retten.ch
  • Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben:

    Refugium: Verein für Hinterbliebene nach Suizid

    Nebelmeer: Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils

Die Schwangerschaft ihrer Frau als Auslöser

Zu dieser Zeit ist ihre Frau bereits schwanger, was ihr zusätzlich zu schaffen macht. «Ich konnte mich knapp um mich selber kümmern und habe gewusst, dass ich bald eine riesige Verantwortung haben werde und es in meinem Zustand eigentlich nicht möglich ist, mich um mein eigenes Kind zu kümmern. Da ist noch mehr Druck auf mich zugekommen. Ich habe plötzlich das Gefühl gehabt, ich werde nicht für meine Familie sorgen können. Ich habe Zukunftsängste gehabt, die ich so nicht kannte.»

Gleichzeitig habe sie die Schwangerschaft aber auch motiviert, sich die Hilfe zu holen, die sie längst gebraucht hätte. Sieben Wochen lang ist sie in der Klinik. Danach gibt sie alles, um sich den Traum von der EM-Teilnahme zu erfüllen. Doch der Traum geht nicht in Erfüllung, weil sich Bachmann kurz vor der EM das Kreuzband reisst.

Teaser image

Verletzter Nati-Star

Ramona Bachmann: «Es ist mein Ziel, noch einmal für die Schweiz aufzulaufen»

«Das ist ein grosser Schock gewesen. Die Heim EM wäre ein riesen Highlight meiner Karriere gewesen.» Gleichzeitig sei viel Druck von ihr abgefallen, da sie drei Wochen vor dem Turnier weit weg von ihrer Bestform gewesen sei. «Es wäre ein Kampf gegen die Zeit geworden, den ich eigentlich nicht hätte gewinnen können.»

Heute geht es Bachmann zum Glück wieder «sehr gut». Zwar macht sie eine anstrengende Reha durch und auch das Muttersein sei «manchmal mega anstrengend», aber die positiven Aspekte überwiegen. «Mein Sohn Luan gibt mir unglaublich viel. Mittlerweile haben wir sehr gute Routinen entwickelt. Und ja, er macht uns mega, mega viel Freude!»

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Darum spricht Bachmann so offen über ihre Probleme

Aber warum ging Bachmann mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit? Ihr selbst habe es geholfen, wenn sie Geschichten von Leuten gehört habe, die Ähnliches durchgemacht hätten, sagt sie. Allerdings sei ihr aufgefallen, dass nur wenige Leute darüber sprechen würden. Dabei wäre dies so wichtig, findet Bachmann und sagt: «Man fühlt sich in dem Moment sehr, sehr alleine. Und wenn man weiss, dass es andere Leute gibt, die so etwas erlebt und überstanden haben, gibt das Mut und man fühlt sich nicht ganz so alleine. Das ist mega wichtig. Das kann sogar ein Leben retten!»

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