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In Belfast ist am Dienstag die Hölle ausgebrochen.
Keystone
Am Dienstagabend feiert die Schweizer Frauen-Nati einen 2:1-Sieg gegen Nordirland. blue News war wie immer vor Ort – aber für einmal mit Verspätung. Denn in Belfast herrscht das totale Chaos.
Ganz besonders im Ausland achte ich immer darauf, für die Anreise genügend Zeit einzurechnen. Irgendwas kann ja immer schiefgehen – und sich vor dem Spiel noch ein wenig mit den mitgereisten Journalisten auszutauschen, ist auch immer ganz nett. Als ich zwei Stunden vor dem Anpfiff die Hoteltür hinter mir schliesse, ahne ich noch nicht, dass die vermeintlich 40-minütige Anreise über zwei Stunden dauern wird.
Denn das bestellte Uber-Taxi trifft nicht ein, die Fahrt wird storniert. Auch der nächste Versuch beginnt vielversprechend, das Geld wird zumindest schon mal von der Kreditkarte abgebucht. Doch dann, Minuten später, wird auch diese Fahrt storniert. Schon etwas nervös bitte ich die Dame an der Hotelrezeption um Hilfe. Sie bestellt mir ein Taxi, das gleich kommen sollte. Doch es kommt nicht. Sie versucht erneut anzurufen, hängt aber über 10 Minuten in der Warteschleife und als endlich jemand abnimmt, heisst es: In 30 bis 40 Minuten könnten sie ein Taxi schicken. Offenbar gebe es Demonstrationen, die den Verkehr behindern, meint die hilfsbereite Rezeptionistin.
Ich bedanke mich für ihre Bemühungen, lehne das «Angebot» ab und renne so schnell ich kann zur rund 500 Meter entfernten Busstation. Glücklicher Zufall, es biegt gleich einer ums Eck ein. Dumm nur, dass dieser Bus kaum ins Rollen kommt. Nach mehreren Minuten Stillstand macht der Fahrer eine Durchsage und öffnet auf halber Strecke die Tür für all jene, die ihr Ziel doch lieber zu Fuss erreichen wollen. Ich nutze die Chance, steige aus und renne zur rund anderthalb Kilometer entfernten Zugstation.
Das erste, was ich im Zug mache: Telefon zücken und meinen Arbeitskollegen in Zürich informieren, dass ich es nicht rechtzeitig ins Stadion schaffen werde. Denn mein Zug kommt um 18.07 Uhr in Lurgan an, sieben Minuten nach dem Anpfiff. Und von der Haltestelle bis zum Stadion sind es laut Google Maps noch einmal zwei Kilometer. Der Versuch, ein Uber-Taxi zu bestellen … genau, klappt nicht.
Doch meine Stimmung heitert sich schlagartig auf, als ich im Zug angesprochen werde. Wie sich herausstellt, ist es dem Bruder von Nati-Spielerin Lydia Andrade genau gleich ergangen wie mir. Wir unterhalten uns, schauen gemeinsam auf seinem Handy die Startminuten und joggen dann gemeinsam zum Stadion. Ein Taxi, dem wir zuwinken, fährt uns vor der Nase davon. Die ersten 20 Minuten verpassen wir, doch das 1:0 von Géraldine Reuteler in der 29. Minute sehen wir live – so wie den Rest des Spiels.

Nati-Spielerin Lydia Andrade mit ihrem Bruder Wilson nach dem Spiel gegen Nordirland.
Instagram/lydiaandrade17
Die Rückreise verläuft nicht wirklich besser. Im Gegenteil. Taxis fahren noch immer keine und so geht es wieder zu Fuss zur Zugstation. Nun aber bei strömendem Regen – ohne Schirm natürlich. Nach einer rund 45-minütigen Zugfahrt endlich am Bahnhof in Belfast angekommen, geht dann gar nichts mehr. Der ÖV ist komplett lahmgelegt. Und die Wartezeit für Taxis? Ich will es gar nicht wissen. Also entscheide ich mich für eine weitere Laufsession und werde dabei pflotschnass. Als ich ein paar Typen erblicke, die aus der Ferne wie potentielle Krawallmacher aussehen, wechsle ich vorsichtshalber die Strassenseite, kostet ja nur zwei, drei Sekunden.
Doch dann kommt schon das nächste Problem: Eine Strasse auf dem Weg zum Hotel ist gesperrt. Immerhin hilft mir ein Polizist, die beste Alternativroute zu finden, dabei ist er gar noch zu kleinen Scherzen aufgelegt. Im Hotel angekommen, realisiere ich dann erst so richtig, was in dieser Stadt gerade abgeht.
Berichten zufolge haben sich in Belfast hunderte Menschen in der Stadt versammelt, um gegen Einwanderung zu demonstrieren. Dabei wurden mehrere Fahrzeuge und Gebäude in Brand gesteckt und sogar ein Linienbus wurde abgefackelt.
Auslöser der Proteste war ein Messerangriff am Tag zuvor, bei dem ein Mann schwer verletzt worden war. Mutmasslicher Täter ist ein 30-jähriger Mann aus dem Sudan, der inzwischen wegen versuchten Mordes, Waffenbesitzes und Todesdrohungen angeklagt wurde. Die Polizei und Politiker warnen vor weiterer Eskalation und rufen zur Zurückhaltung auf. Doch die Aufrufe werden bislang nicht erhört.
Die Schweizer Frauen-Nati ist glücklicherweise ohne grössere Probleme in ihrem Hotel in Belfast angekommen, wie Mediensprecher Giorgio Iacovazzo auf Nachfrage von blue News festhält. Immerhin gibt es diesbezüglich Entwarnung.

Sie sind da, um Nordirland wieder sicher zu machen: Die Männer, die alles in Schutt und Asche legen …
Keystone