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Tatjana Haenni ist CEO von RB Leipzig.
IMAGO/Philipp Szyza
Tatjana Haenni ist seit Januar die Vorsitzende der Geschäftsführung bei RB Leipzig und damit die einzige Frau in einer solchen Position bei einem Bundesligisten.
Seit Januar ist Tatjana Haenni die Vorsitzende der Geschäftsführung bei RB Leipzig und damit aktuell die einzige Frau an der Spitze eines Bundesligisten. Bei der UEFA und bei der FIFA hatte die frühere Schweizer Nationalspielerin (24 Länderspiele) verantwortliche Posten, ebenso in der US-Frauenliga NWSL als Sportdirektorin. Ausserdem war die 59-Jährige die erste Frau in der Geschäftsführung des Schweizer Fussball-Verbandes.
Über ihre Premiere bei der Vollversammlung der DFL sagt sie: «Es gab schon etwas mehr Aufmerksamkeit und Kommentare, weil ich nun mal die erste Frau bin», hält sie im Interview mit «Bild» fest. Sie wolle aber einfach ihren Job «gut machen».
Es brauche Zeit, um mehr Frauen in Führungspositionen zu haben. «Der Fussball war historisch männergeführt, die Rolle der Frau war vor 40, 50 Jahren anders als heute. Die nordischen Länder, die in der Geschlechterthematik eine andere Herangehensweise haben, haben andere Zahlen. Es hat also viel mit gesellschaftlichen Strukturen zu tun», meint Haenni.
Nach 100 Tagen im Amt zieht sie eine positive Zwischenbilanz: «Ich empfinde es als grosses Privileg, als CEO einen so grossen und spannenden Fussball-Klub führen zu dürfen. Ich habe alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einem gemeinsamen Frühstück und in vielen Gesprächen kennenlernen dürfen, zwei Town-Hall-Meetings veranstaltet, Vertreter aus Stadt, Land, Wirtschaft und Verbänden getroffen. Ich habe mich der Mannschaft vorgestellt, war bei fast allen Spielen vor Ort und wollte die ersten 100 Tage vor allem nutzen, um eines zu schaffen: RB Leipzig zu inhalieren», resümiert sie.
Gegenüber der deutschen Boulevardzeitung verrät sie auch, wie die erste Kontaktaufnahme mit Jürgen Klopp, dem Head of Global Soccer bei Red Bull, ablief. «Nachdem klar war, dass ich nach Leipzig gehe, bekam ich eine Nachricht im Sinne von: «Hallo, Jürgen Klopp hier. Ich freue mich. Wollen wir mal quatschen?» Ich musste erst mal herausfinden, ob er das wirklich ist», so Haenni und ergänzt: «Später haben wir einen Video-Call gemacht, als ich mitten in Zürich unterwegs war und an einer Strassenecke stand. Ich fand es sehr beeindruckend, dass er von sich aus anruft. Inzwischen telefonieren wir ab und zu. Jürgen ist ein super Typ und sehr klar.»
Auch mit Bayern-Patron Uli Hoeness hat die Bielerin schon Bekanntschaft gemacht: «Vor dem Spiel in München hatten wir ein Dinner in seiner Lounge. Das war sehr nett, sehr warmherzig. Ich habe ihn schon als Grandseigneur wahrgenommen», sagt Haenni.
In Leipzig habe sie eine schöne Wohnung gefunden, in der sie sich sehr wohl fühle. Ihre Lebenspartnerin lebe zwar in Zürich, man verbringe aber trotzdem viel Zeit miteinander. «Wir gehen gerne in der Stadt spazieren oder kochen zusammen.»
Eine gleichgeschlechtliche Liebe sei zwar in der Gesellschaft kein Tabu mehr, anders sei dies im Männerfussball. «Es herrscht eine Kultur, die es schwierig macht. Und wenn wir es ernst meinen, wenn wir das Gefühl haben, wir wollen den Homosexuellen im Männerfussball den Weg erleichtern, dann müssen wir etwas dafür tun. Ich bin immer sehr offen damit umgegangen. Es wäre schön, wenn wir sagen könnten, dass es auch im Männerfussball Normalität ist», erläutert Haenni.