Harald Schmidt: «Es gibt eine Ähnlichkeit zwischen Messi und mir»

Markus Wanderl

8.5.2019 - 11:00

Formstark in Zürich: Harald Schmidt. 
Bild: Bluewin

Harald Schmidt sitzt bei den Rückspielen der Champions-League-Halbfinals mit in der Teleclub-Expertenrunde. «Bluewin» hatte Gelegenheit, mit dem früheren Late-Night-Talker zu fachsimpeln. Messi, van Gaal, Sforza, sie alle kommen vor.

Dass wir das alle überhaupt noch erleben dürfen: Harald Schmidt kommentiert für Teleclub die Champions League …

Kommentieren ist zu viel gesagt. Ich bin sozusagen der fachfremde, prominente Gast, den man in solchen Sendungen oft hat. Das sind dann ja – was weiss ich – meistens Schlagersänger oder so.

Seit Sie in Zürich sind: Wie viele Leute haben Ihnen bereits fürs gemeinsame Selfie das Smartphone ins Gesicht gerammt?

Keiner. Ich bin direkt ins Hotel und habe mich ins Bett gelegt. Ich bin erst am Morgen angekommen aus Kanada und dachte mir, wenn ich in der Sendung einschlafe, dann spricht das gleich wieder gegen Fussball. Also habe ich lieber vorher noch mal geschlafen.


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«Wenn ich mit Schmidt am Tisch sitze, muss ich aufpassen, dass ich Messi nicht vergesse», hat Roman Kilchsperger gesagt. Ist ein grösseres Kompliment vorstellbar?

Das gründet sicher auf der Jugendzeit von Roman Kilchsperger, als er die diversen Shows geguckt hat. Es gibt ja so eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Messi und mir, dass man über 80 Minuten lang denkt, Messi ist gar nicht da, und plötzlich macht es ‘Bumm’.

Die Älteren unter uns wissen noch, wo sie waren, als John F. Kennedy ermordet wurde. Wo waren Sie, als Sie vom Teleclub-Angebot erfuhren?

Ich habe gerade alte JFK-Videos angeguckt. Nee, ich war … ich war – ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. Meine Mitarbeiterin hat mir eine Mail geschrieben, und es sah erst so aus, als ob es terminlich nicht klappt. Weil ich dachte, ich wäre noch mit dem «Traumschiff» unterwegs. Und dann hat es doch gerade so gepasst.

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Gar nicht. Oder doch. Ich war noch mal auf der Homepage von Liverpool und habe noch ein, zwei Artikel gelesen. Da stand: Salah ist nicht dabei. Aber ich komme ja als Outsider, ich will gar nicht angelernt schlau wirken. Das geht meistens schief verglichen mit den Profis, die die ganzen Informationen ja wirklich intus haben.

Vor vielen Jahren war Marcel Reif bei Ihnen in der Late-Night-Show zu Gast: Sie stellten ihn als «Deutschlands brillantesten Fussballreporter» vor … ihn seitdem gesehen?

Ich glaube nicht.

Was mögen Sie an ihm?

Erstmal ist er sehr kenntnisreich. Er ist sehr witzig in der Beiläufigkeit. Er lässt Sachen einfach so fallen, und die kapiert man dann oder kapiert es nicht. Das macht er konkurrenzlos.

Ist das Fachsimpeln über Fussball Small-Talk oder nicht?

Ich habe wenig Gelegenheit, über Fussball zu fachsimpeln, weil ich nicht ins Stadion gehe.

Duldet auch Widerspruch, und seine Gemütslage ist meistens heiter.
Bild: Bluewin

Auch nicht in Köln, wo Sie wohnen, oder – Sie sind Schwabe und dort Mitglied – in Stuttgart?

Wo sollte da der Reiz liegen? Früher bin ich zu Bayern gegen Stuttgart gegangen. Nach einer halben Stunde stand es 2:0, dann haben die Bayern für den Rest des Spiels Standfussball geboten.

Sie sind einige Wochen im Jahr bei der TV-Serie «Traumschiff» engagiert und haben bei «Spiegel Online +» eine tägliche Videokolumne. Wäre es andersherum auch vorstellbar?

Nein. «Traumschiff» mache ich zwei Wochen im Jahr. Sonst würde es zu sehr Gruppenkoller.

Gruppenkoller tritt bei Ihnen schnell ein?

Der ist bei mir permanent vorhanden. Sagen wird es so: Es gelingt mir auf dem «Traumschiff», mich zwei Wochen aus dem Gruppenkoller auszuklinken. Eigentlich bin ich nicht so der Gruppenmensch.

Mussten Sie Ihre Arbeitgeber fragen, ob Sie beruflich fremdgehen dürfen?

Nein. Ich habe nirgends mehr einen Vertrag. Ist alles auf Zuruf: Ich komme.


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Was für eine Art Fussball-Fan sind Sie?

Ich bin der Zuhause-Gucker-Fan. Ich will einfach ein gutes Spiel sehen. Ich bin jetzt nicht so ein Fan, der heulend in die 3. Liga mitgeht oder seinen Schal verbrennt.

Waren Sie jemals traurig nach einem Fussballspiel?

Nein. Doch. Ich war einmal traurig. Ich bin schlafen gegangen in der Halbzeit des 7:1 der deutschen Mannschaft gegen Brasilien bei der WM dort. Ich wollte nicht mehr sehen, dass ein Land wie Brasilien so zerlegt wird.

Grundsätzlich: Gibt es Situationen, in denen Ihnen das Lachen vergeht?

Sehr, sehr selten. Weil: Man kann ja an allem auch gleich wieder eine komische Seite entdecken.

Ist Ihnen das in die Wiege gelegt worden?

Ja, glaube schon. Bei uns zuhause wurde viel parodiert, die Nachbarn wurden nachgemacht, und es wurde sehr in so einem familieninternen Code gesprochen. Zum Beispiel haben wir viel Ferien in der Schweiz gemacht, und es gab irgendeine Werbung, da sagte die Frau immer zum Mann: Scho recht, Guschti. Daraufhin sagte mein Vater jahrelang: Scho recht, Guschti. Also, schon in Ordnung, Gustav. Solche Sätze waren bei uns zuhause geflügelte Worte.

Es war humorig bei Ihnen zuhause.

Es war heiter.

Sie sind Schwabe, aber Wahl-Kölner. Allein deshalb kommen wir nicht umhin, den früheren deutschen Nationalspieler und Vollblutkölner Lukas Podolski zu erwähnen. Auf die Frage, ob er sich mehr über sein Tor freue oder über das Unentschieden ärgere, hat er einmal gesagt: «Es überwiegt eigentlich beides.» Ist das mit der beste Satz, der im Fussball je gefallen ist?

Nee, nee, nee. Ganz oben steht die Rede von Trapattoni. Das ist Literatur.

Gefällt Ihnen Podolskis Satz überhaupt gar nicht?

Ehrlich gesagt ist mir Podolski zu dankbar. Ich bin überhaupt kein Podolski-Fan. Aber Podolski hat aus seinen Möglichkeiten das Optimum plus x gemacht: Vertrag bei den Bayern, bei Arsenal, und jetzt spielt er immerhin noch mal in Japan mit Leuten wie Iniesta … Auch geschäftlich läuft es bei ihm übrigens. An Podolski Dönerbude in Köln können Sie vorbeifahren, wann sie wollen, da stehen die Leute Schlange. Ich glaube, die Hälfte denkt, Podolski bedient da selber. Ich mag im Fussball aber lieber Genies.


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Ronaldo oder Messi?

Beide. Messi ist wahrscheinlich das grössere Genie. Aber allein wie Ronaldo in der Luft stehen bleibt beim Kopfball, und er schiesst eben auch noch in der 92. Minute den Elfer noch rein, den er reinschiessen muss.

Aber den niederländische Fussballcoach Louis van Gaal, den mögen Sie, nicht wahr?

Sehr guter Typ.

Van Gaal hat 1995 mit Ajax Amsterdam die Champions League gewonnen. Nun könnte Ajax wieder in den Final einziehen. «Alles mein Verdienst» – ist es eine Frage der Zeit, bis van Gaal dies sagt?

Ich würde mich nicht wundern, hätte er es schon gesagt.

Seit je Fussballfan: Harald Schmidt.
Bild: Bluewin

Pep Guardiola oder Jürgen Klopp?

Guardiola. Guardiola ist für mich dann noch den Zacken undurchschaubarer, internationaler. Aber grössten Respekt vor dem, was Klopp leistet!

Stéphane Chapuisat oder Ciriaco Sforza?

Da muss ich mich jetzt sehr weit zurückerinnern. Sforza. Aufgrund des Kaiserslautern-Faktors. Da war er doch so ein nationaler Heiliger.

Die oberste Fussballliga in der Schweiz heisst Super League. Nun heisst es immer wieder, einige europäische Klubs wollten ebenfalls eine Super League gründen. Frechheit, oder?

Erst auf der Fahrt hierher habe ich überhaupt kapiert, dass die Super League die Schweizer Liga ist. Ich dachte, das wäre die türkische.

Das ist die Süper Lig. Würden Sie denn die Champions League reformieren?

Die Vorrunde ist quälend. Ab dem Achtelfinale wird es spannend. Wenn es schon immer heisst: Noch zwei Spiele, dann ist der Gruppensieg sicher. Und dann ist auch noch Schalke dabei. Nee. Es sind einfach zu viele Mannschaften. Auch bei der nächsten WM sind es ja Mannschaften zuhauf. Da müssen ja noch Länder gegründet werden, um die WM vollzukriegen.

Heute Abend Ajax – Tottenham: Drehen es die Spurs noch?

Nein. Ajax wird so getragen vom Enthusiasmus. Die wissen, in der Zusammensetzung sind sie nur noch bis zum Sommer zusammen und haben nur jetzt die Chance, das zu packen. Die rennen einfach alles über den Haufen. 


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