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Jetzt meldenDie WM 1994 in den USA und ihre Helden bleiben in der Schweiz unvergessen. Ciriaco Sforza, der damals zum herzigsten WM-Fussballer gewählt wurde, erinnert sich an sein Solo, den Ellbogen von Kolumbien-Star Valderrama und Lagerkoller.
Nach 28 Jahren des geduldigen Wartens und ewigen Scheiterns qualifizierte sich die Nati im 14. Anlauf für eine Endrunde. Und bei der WM 1994 in den USA zeigten die Schweizer tollen Fussball und stiessen bis ins Achtelfinale vor.
«Das sind schöne Momente, voller Emotionen», blickt Ciriaco Sforza im WM-Talk zurück. Zum Auftakt spielt man in Detroit gegen den Gastgeber – im geschlossenen Silverdome (mit 73'425 Zuschauern restlos ausverkauft – Anm. d. Red.) liegen die Temperaturen über der 40-Grad-Marke. Es herrscht eine ganz spezielle Ambiance: «Popcorn, Pommes, der Gegner, volles Stadion ... », zählt Sforza auf. «Du bist bei einer WM in einer Halle drin – und es ist wirklich gleich wie draussen», zeigt sich der Aargauer verblüfft.
Nach dem 1:1-Remis gegen die USA folgt die 4:1-Gala gegen Rumänien. Grossen Anteil daran hat auch Sforza, der den Ball nach einem tollen Solo Adrian Knup pfannenfertig zum zwischenzeitlichen 3:1 auflegt.
Die Szene habe er sich seither «sehr viele» Male angeschaut – und er werde auch heute auf der Strasse noch auf die WM 94 angesprochen. «Das macht mich stolz. Ich bin glücklich, durfte ich bei dieser Nationalmannschaft spielen und dort eine solche Leistung zeigen.»
Nachher folgte mit Kolumbien der auf dem Papier härteste Gruppengegner. Vor dem Duell hätten sie gewusst, dass man aufpassen müsse und ja nicht fahrlässig werden dürfe, so Sforza. Er, sonst primär für das Kreative im Zentrum zuständig, bekommt gegen Kolumbien eine Zusatzaufgabe: Star-Spieler Carlos Valderrama ausschalten. «Die Aufgabe habe ich gern übernommen», schmunzelt Sforza. Und die Nummer 10 wusste auch genau wie: «Wenn man ihn ein bisschen provoziert, immer wieder ein bisschen stichelt, wird er sehr schnell ungeduldig und sauer.»
Valderrama rächt sich für die Sonderbehandlung mit einer Tätlichkeit. «Er hat die Ellbogen ausgefahren, aber ich bin ruhig geblieben. Es ist wichtig gewesen, dass wir uns für die nächste Runde qualifizierten», erläutert Sforza, der damals bei Kaiserslautern spielte.
Die Schweiz verliert zwar gegen Kolumbien 0:2, übersteht die Gruppenphase aber trotzdem. Die Euphorie im Land ist grenzenlos – an der Zürcher Langstrasse gibt es Autokorsos – Bilder, die man sonst nur aus fussballverrückten Ländern kannte.
«Wir haben mitbekommen, was in Zürich und in der ganzen Schweiz abgeht. Das hat uns Freude bereitet und stolz gemacht. Wir wollten etwas zurückgeben. ‹Wie lange sind wir nicht dabei gewesen?› Und dann haben wir so Partien abgeliefert», hält Sforza fest.

Die Nati vor dem Spiel gegen die USA: Hinten v.l.n.r.: Christophe Ohrel, Dominique Herr, Ciriaco Sforza, Stephane Chapuisat, Thomas Bickel, Alain Sutter. Vorne v.l.n.r.: Georges Bregy, Alain Geiger, Torhüter Marco Pascolo, Marc Hottiger und Yvan Quentin.
Keystone
Dabei waren die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Turnier gar nicht so gut. Unter Trainer Roy Hodgson herrschten strenge Regeln.
«Lagerkoller bekommst du eigentlich immer», betont Sforza und führt aus: «Bevor wir in die USA gingen, haben wir schon zehn Tage oder knapp zwei Wochen in Montreal in Kanada miteinander verbracht. Und dann gehst du ins Trainingslager, Vorbereitung, WM und die ganzen strengen Sicherheitsmassnahmen.»
Sforza weiter: «Auch als normaler Mensch willst du deine Freiheit haben. Aber ein Trainer hat die Verantwortung für die Nationalmannschaft. Wir sind bei einem Turnier, da gibt es Regeln.»
Der frühere Luzern- und Basel-Trainer versteht deshalb die Herangehensweise von Hodgson, auch wenn einige Spieler deswegen «ein wenig mürrisch» drauf waren. «Als Trainer würde ich auch so ein paar Regeln aufstellen, die alle akzeptieren müssen», macht er klar.
Dennoch hätte es dem Team sicher gutgetan, ab und zu auch mal nach draussen gehen zu können. «Hitze, Training, Vorbereitung – ein wenig Abwechslung wäre nicht verkehrt gewesen, so haben wir schon manchmal ein bisschen gemotzt», gibt Sforza zu.
So verbrachte ein Teil der SFV-Truppe die Freizeit oft am Pool – und so mancher Spieler holte sich gar einen Sonnenbrand. Auch Sforza, wie er gesteht: «Ich kann nicht nur im Zimmer drin sein, das geht nicht.»
Am Pool nicht mitbekommen hat Sforza, dass er bei einer «Blick»-Umfrage zum attraktivsten Fussballer der WM 94 gewählt worden ist – vor einem gewissen Paolo Maldini. Er tippt im Talk auf seinen Nati-Kollegen und ehemaligen GC-Kumpel: «Ist es Alain (Sutter)?»
Doch eitel ist Ciri nicht, er habe nie lange vor dem Spiegel, meint der frühere Bayern- und Inter-Star. Heikler als mit seiner Frisur ist er aber mit Salat. «Ich esse kein Gras», hielt er einst lausbübisch fest. Ob er als mittlerweile 56-jähriger Familienvater immer noch Salat meide, will Michi Wegmann, Ressortleiter Sport bei blue News, wissen. «Ja, ich esse nur Rucola. Ohne Essig oder sonst etwas. Höchstens mit Joghurt oder Zitronensauce. Das ist und bleibt so», macht Sforza klar.