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Jetzt meldenAm Freitag beginnt die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada. In England startet damit die Amtszeit von Thomas Tuchel. Und die wird jetzt schon mit viel Medienrummel begleitet.
Im März und Juni stehen nur die Mannschaften aus den Fünfergruppen im Einsatz. Von den Topteams, die im übernächsten Sommer mit dem Status eines Titelkandidaten nach Amerika reisen, steht in den kommenden Tagen nur England auf dem Prüfstand. Die Three Lions spielen in ihren ersten Partien unter dem neuen Nationaltrainer Thomas Tuchel in London am Freitag gegen Albanien und am Montag gegen Lettland.
Auf Tuchel, der in die Fussstapfen des nach der letzten EM zurückgetretenen Gareth Southgate tritt, warten zum Auftakt in seine Amtszeit damit zwei einfache Gegner. Alles andere als zwei Siege würde den Druck auf den zuletzt bei Bayern München gescheiterten Tuchel stark erhöhen. Denn bereits vor seinem ersten Auftritt an der Seitenlinie im heimischen Wembley gibt es in England zahlreiche kritische Stimmen, die seine Nomination bedauern.
Das Problem ist einfach: Tuchel ist kein Engländer. Dass er dann ausgerechnet noch ein Deutscher ist, sorgt natürlich für noch mehr Zündstoff bei den Anhängern der stolzen Fussballnation. Für sie ist klar: Die englische Nationalmannschaft sollte durchs Band englisch sein. Spieler, Staff, Fans. Deutschland ist dabei nichts anderes als der traditionelle Erzrivale.
Diese Meinung findet auch in den Medien und bei zahlreichen Experten breite Unterstützung. Nicht wenige hofften auf Eddie Howe (Newcastle) als Nachfolger von Gareth Southgate – und nun womöglich auf ein schnelles Ende Tuchels.
Seine schonungslose Analyse zum Abschneiden der «Three Lions» an der letzten Europameisterschaft ist da gefundenes Fressen bei der ohnehin nicht zimperlichen britischen Presse. In einem Interview mit dem Sender ITV zählt Tuchel kurz vor seinem Auftaktspiel gegen Albanien (Freitag, 20.45 Uhr) auf, was dem Team unter Southgate zuletzt alles fehlte: «Spielstil, Identität, Klarheit, Rhythmus, spielerische Freiheit, Hunger.» Und weiter: «Sie haben gespielt, als hätten sie mehr Angst, auszuscheiden, als den Hunger, zu gewinnen.»
Worte, die grosse Wellen schlagen.
Für die britische Presse ein klarer Angriff auf Vorgänger Southgate (einen Engländer!) und eine «vernichtende Beurteilung» seiner Arbeit. Dementsprechend die Reaktionen am Freitagmorgen.
«Welcome to Wembley, Thomas», schreibt etwa der Mirror: «Im letzten Spiel vor der Europameisterschaft hagelte es Papierflieger und Buhrufe – und Du kannst Dir sicher sein, dass das ausverkaufte Stadion am Freitagabend gegen Albanien Ergebnisse sehen will.»

Die Zeit des Beobachtens ist für Thomas Tuchel vorbei: Der Deutsche hat am Freitag seinen ersten Ernstkampf als englischer Nationalcoach
Keystone
Doch irgendwo zwischen schmerzhaften Erinnerungen und verletzem Nationalstolz scheint auf der Insel auch eine Prise Bewunderung für die Zielstrebigkeit, Klarheit und knallharte Ehrlichkeit des Deutschen mitzuschwingen. Ein wenig Hoffnung vielleicht, auf den ersten Titel seit 60 Jahren.
Dass Tuchel liefern muss, wäre ohnehin der Fall gewesen, Interview hin oder her. So sagt der 51-Jährige dann auch: «Die WM ist das grosse Ziel», und macht sich selbst den Druck gleich noch einmal grösser: «Auf dem Weg dahin wollen wir das Land und die Fans begeistern.»
Höher stecken kann man Erwartungen eigentlich nicht. Wie gut sich Tuchel nun als Nationalcoach hält, wird spannend zu beobachten. In der Vergangenheit zeigte er sich immer wieder mal dünnhäutig, was mit Blick auf die britischen Medien keine allzu praktische Eigenschaft zu sein scheint.
Die sticheln nämlich laufend weiter. «Wird er die Nationalhymne singen?» – zählt vor dem Albanien-Spiel zu den brennendsten Fragen. Und darf er das als Deutscher überhaupt?
Klar ist: Nachsicht darf Tuchel keine erwarten.