Kommentar zur Nati Jetzt muss Petkovic all seine Kritiker Lügen strafen

Ein Kommentar von Patrick Lämmle

4.9.2018

Vladimir Petkovic  steht in den kommenden Spielen gehörig unter Druck.
Vladimir Petkovic  steht in den kommenden Spielen gehörig unter Druck.
Getty Images

Die Berichterstattung rund um die Nati ist seit dem bitteren WM-Aus im Achtelfinal gegen Schweden vernichtend. Insbesondere der Trainer steht in der Schusslinie der Kritiker. Jetzt folgt der ultimative Charaktertest.

Manchmal geht es schnell und so wird innerhalb weniger Tage aus einer hochgelobten Truppe ein Haufen von Versagern. Zumindest vermitteln uns viele Medien und Experten diesen Eindruck. Nach dem 1:1 gegen Brasilien waren alle begeistert. Nach dem 2:1 gegen Serbien gab es nur noch den Doppeladler. Das 2:2 gegen Costa Rica war halt ein 2:2 gegen Costa Rica. Und dann folgte das 0:1 gegen Schweden im Achtelfinal. Eine Niederlage, die alles auf den Kopf stellte. Es hagelte Kritik.

Ein Interview von Alex Miescher (#Doppelbürger) und das unglückliche Telefonat von Trainer Petkovic mit Leader Behrami, das im Rücktritt des «Kriegers» gipfelte, haben den Trainer und den Staff noch verwundbarer gemacht. Auch weil sie während den letzten Wochen auf kommunikativer Ebene sehr vieles falsch gemacht haben.

Überhöhte Erwartungen sind das grösste Problem

Aus rein sportlicher Sicht kann man dem Coach allerdings wenig vorwerfen. Er hat die Nati an die EM 2016 geführt und an die WM 2018. Bei beiden Turnieren hat die Schweiz das Achtelfinale erreicht. Und dies obwohl die Schweiz im Gegensatz zu den anderen Topnationen über keinen Weltklasse-Knipser verfügt.

Nüchtern betrachtet, kann man von unserer Nati nicht viel mehr erwarten als das, was sie geliefert hat. Klar, der Auftritt gegen Schweden war enttäuschend. Doch der Vorwurf, dass die Schweiz wichtige Spiele nicht gewinnen könne, ist absurd. Gegen Brasilien holte man zwar keinen Sieg, doch ein sehr wichtiges Unentschieden. Und das zweite Gruppenspiel gegen Serbien war so etwas von wichtig – und die Schweiz hat 2:1 gewonnen! Und in der WM-Barrage gegen Nordirland hat man sich ebenfalls durchgesetzt – es waren zwei sehr wichtige Spiele!

Fakt ist aber auch, dass Vladimir Petkovic nun gehörig unter Druck steht. Die beiden Spiele gegen Island (Nations League am Samstag) und England (Testspiel am Dienstag) sind echte Charaktertests. Alle werden ganz genau hinschauen und in jede Aktion und jede Geste Dinge hineininterpretieren. Die einzige Möglichkeit um Ruhe hineinzubringen: Petkovic und seine Mannen müssen Resultate liefern. Die Antwort können sie für einmal wirklich nur auf dem Platz geben. In der Nations League muss im Heimspiel gegen Island ein Sieg her und drei Tage später muss man WM-Halbfinalist England zumindest auf Augenhöhe begegnen. Sollte die Schweiz nicht liefern, dann ist möglicherweise Petkovic geliefert ...

Ich wünsche mir, dass es nicht so weit kommt. Denn ich gehöre (wohl) einer Minderheit an, die glaubt, dass Petkovic in seiner Amtszeit so ziemlich das Maximum aus seiner Mannschaft herausgepresst hat. Das beweist eigentlich schon der Blick auf die Statistik.

Keiner war erfolgreicher als Petkovic

Petkovic hat in seinen 44 Spielen als Nationaltrainer im Schnitt 1.95 pro Spiel geholt. Sein Vorgänger Ottmar Hitzfeld, der während seiner Trainer-Karriere diverse Auszeichnungen abgeräumt hatte, hat nach 61 Spielen einen Punkteschnitt von 1.77 vorzuweisen. Ausserdem verpasste Hitzfeld mit der Schweiz die EM 2012. Nie hätte es jemand gewagt, ihn deswegen frühzeitig abzuschreiben. Petkovic dagegen wird schon abgeschrieben, wenn er wieder einmal «nur» das Achtelfianale erreicht ...

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