Nations League

Keine vier Punkte gegen Georgien und Gibraltar – was dann?

Von Tobias Benz

13.11.2019

Vladimir Petkovic hat den Durchblick, und Sie?
Bild: Keystone

Wer die letzten Tage nicht eingeschlossen im Keller verbracht hat, der weiss: Die Schweiz braucht aus den verbleibenden zwei Quali-Spielen vier Punkte. Klappt das nicht, so muss als Rettungsanker die gute alte Nations League hinhalten. Ja, das wird kompliziert.

Es müsste schon mit dem Teufel zu und her gehen, damit sich die Schweiz am Montag im beschaulichen Gibraltar nicht für die EURO 2020 qualifiziert. Aber für alle, die auch beim Worst-Case-Szenario nicht ahnungslos in die Röhre gucken wollen, hier zwei unterschiedlich komplizierte Erklärungen wie die Schweiz – selbst bei zwei Niederlagen – noch an die EM fährt:

Die schnelle Erklärung

Sie haben keine Zeit? Los geht’s!

Schritt 1:

Die Schweiz qualifiziert sich nicht direkt für die EM.

Schritt 2:

Die Schweiz erhält eine zweite Chance und muss ein Halbfinal- und ein Finalspiel gegen – Stand jetzt – Länder wie Rumänien, Bulgarien, Israel oder Island gewinnen.

Schritt 3:

Die Schweiz gewinnt und ist für die EM qualifiziert.

Die ausführliche Erklärung

Sie wollen sich das wirklich antun? Also gut, aber sagen Sie nicht, Sie seien nicht gewarnt worden.

Zum ersten Mal können sich Länder nämlich nicht nur über die EM-Qualifikation für die Endrunde qualifizieren, sondern im Falle des Scheiterns auch über die Nations League. Ja – dieselbe Nations League, die im letzten Sommer mit dem finalen Turnier in Portugal ihren vermeintlichen Abschluss fand.

Aber das war nicht das Ende. Oh nein! Denn nach der grossartigen Chance auf den ersten internationalen Titel bietet die Nations League unserer geliebten Schweizer Nati nun auch noch einen Schleichweg an die EM-Endrunde. Etwas, das wir nach einer Niederlage gegen Georgien oder Gibraltar definitiv nicht verdient hätten. Aber sei’s drum – Hauptsache wir sind dabei.

Schritt 1:

Die Schweiz holt gegen Georgien und Gibraltar weniger als vier Punkte und qualifiziert sich nicht direkt für die EM, weil Irland in seinem letzten Spiel gegen Dänemark punktet. (Verliert die Nati ihre beiden letzten Partien, hat sie keine Chance mehr, die ersten beiden Plätze zu erreichen. Bei einem, zwei oder drei Zählern könnten Petkovic und Co. noch auf Schützenhilfe der Dänen hoffen.)

Schritt 2:

Die Schweiz nimmt an den Nations-League-Playoffs teil.

Das funktioniert folgendermassen: Die Schweiz tritt in einem Mini-Turnier der Liga A gegen die besten drei Mannschaften an, die in der normalen EM-Quali ebenfalls versagt haben. Sie erinnern sich an Liga A? Das ist die höchste Spielklasse der Nations League und besteht aus vier Gruppen à je drei Mannschaften. Die Schweiz gehört ebenfalls dazu, ist aber zusammen mit Island die einzige Nation dieser Liga, die aktuell in der EM-Qualifikation nicht auf einem Qualifikationsplatz liegt.

Würde also jetzt ein Schlussstrich unter die EM-Quali gezogen, so nähmen an diesem Mini-Turnier nur die Schweiz und Island teil. Die Regeln schreiben aber vor, dass mindestens vier Teams mitspielen müssen, was bedeutet, dass in diesem Falle zwei Mannschaften aus einer tieferen Liga nachrücken. Denn auch für die Ligen B, C und D gibt es je ein solches Mini-Turnier, dessen Sieger sich für die EURO 2020 qualifiziert. Und auch dort gilt: Wenn ein Mini-Turnier nicht gefüllt werden kann, rücken Mannschaften aus den tieferen Ligen nach.

Klar soweit?

Stand jetzt sind aus Liga B alle Mannschaften für die EM oder für das Mini-Turnier qualifiziert, was für die Schweiz und Island bedeutet, dass sie sich mit zwei Teams aus Liga C messen müssten. Zurzeit gibt es drei Kandidaten: Bulgarien, Israel und Rumänien. Diese drei Nationen sind in ihrer Gruppe in Liga C jeweils Zweiter geworden, allerdings nimmt nur einer von ihnen am Mini-Turnier der Liga C teil. Wer das sein wird, entscheidet das Los. Die beiden anderen Teams «müssen» in der höheren Liga gegen die Schweiz und Island antreten.

Logisch.

Schritt 3:

Die Schweiz gewinnt sowohl den Halbfinal, als auch den Final dieses Mini-Turniers.

Schritt 4:

Die Schweiz ist für die EM qualifiziert.

Tja, das war’s auch schon. Zur Erholung empfiehlt sich jetzt dieser Artikel über Einsteins Relativitätstheorie – in russisch.

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