Klopp: «Bei Shaqiri fragten am Anfang alle: ‹Was wollen wir mit dem?›»

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22.8.2018

Jürgen Klopp holte Xherdan Shaqiri zu Liverpool.
Getty Images

Liverpool-Trainer Jürgen Klopp spricht über die Unterschiede bezüglich Transfers in der Premier League und in der Bundesliga. Auch «Schnäppchen» Xherdan Shaqiri wird zum Thema.

Während vor allem in England, Spanien und Italien in den letzten Monaten und Jahren die Aktivitäten auf dem Transfermarkt immer wahnsinniger wurden, blieben die Mega-Wechsel in der vierten Top-Liga vergleichsweise normal. In der deutschen Bundesliga hat tatsächlich noch nie ein Verein mehr als 43 Millionen Euro für einen Spieler ausgegeben. Diese Summe bezahlte der VfL Wolfsburg im Sommer 2015 für Julian Draxler.

Auf der Rangliste der Klubs, die in diesem Sommer am meisten Geld ausgegeben haben, liegt der erste deutsche Klub – Borussia Dortmund – auf Platz 20. Acht Premier-League-Vereine haben mehr Geld in neue Spieler investiert als der BVB. Noch deutlicher wird der Unterschied der beiden Ligen mit einem Blick auf die Top-Transfers dieses Sommers aufgezeigt. Für Abou Diallo überwies Dortmund 28 Millionen Euro nach Mainz, Kepa – ein Goalie wohlgemerkt – wechselte für 80 Millionen von Bilbao zu Chelsea.

«Kost nix, kann nix!»

Jürgen Klopp hat beide Seiten erlebt. Jahrelang war er in Deutschland und hatte bei Mainz und Dortmund nicht Unmengen an Geldern für neue Spieler zur Verfügung, wie er dies heute als Liverpool-Trainer hat. In diesem Sommer gab Liverpool mehr als 182 Millionen Euro für neue Spieler aus – nur Juventus (256,9 Mio.) bezahlte für seine neuen Stars noch mehr Geld.

Mit «Sport 1» spricht Klopp über die Unterschiede der Premier League und der Bundesliga. «In Deutschland ist ein ablösefreier Transfer toll. In England ist das anders. Kost' nix, kann nix, würden die Leute da denken.» Auch Schnäppchen-Transfers werden bei vielen Engländern kritisch betrachtet, meint Klopp und kommt auf Xherdan Shaqiri zu sprechen, für den Liverpool in diesem Sommer 13,5 Millionen Pfund (18 Millionen Franken) bezahlte. «Was wollen wir mit dem? Kostet nichts und ist abgestiegen», kommentiert Klopp die allgemeine Haltung zum Transfer des Schweizers. Dabei sei Shaqiri ein «Top-Spieler», so der Deutsche weiter. «Mittlerweile lieben ihn alle.»

Die Deutschen müssen sich entscheiden

Klopp sagt, er glaube nicht, dass ein 150-Millionen-Transfer in Deutschland von der breiten Masse toleriert werden würde. «Vor ein paar Jahren war das Thema bei Bayern, dass sie ein Festgeldkonto mit 100 Millionen Euro haben. Für diesen Preis bekommst du heute keinen halben Neymar.»

Dass die Deutschen beim Transferwahnsinn nicht mitmachen, findet Klopp «in Ordnung». Allerdings müsse man akzeptieren, dass «die individuelle Qualität dann in England, Spanien und Italien spielt. Man kann nicht alles haben». Die Deutschen müssten sich entscheiden, sagt der Star-Trainer: Entweder «bleibt alles wie es ist – tolle Liga, super Stadion, super Stimmung. Oder man will das England-Modell. Dann muss man die Regeln ändern».

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