Löw fällt erste Entscheidung: EM-Freifahrtschein nur für Neuer

dpa

9.12.2018

Jogi Löw hat seine Entscheidung über die Goalie-Position bereits gefällt: Manuel Neuer soll weiterhin das Tor hüten.
Bild:  Keystone

Joachim Löw gibt zum Abschluss des missratenen Jahres Einblicke in seine Gefühlswelt. Schlaflose Nächte plagten den Bundestrainer nach dem WM-Aus. Nun fällt Löw schon erste Personalentscheidungen für die EM 2020. Nur einer von vier Münchner Ex-Weltmeistern bleibt gesetzt.

Freifahrtschein zum Neuanfang: Joachim Löw will das Desaster-Jahr 2018 schnell vergessen und hat das erste EM-Ticket samt Stammplatzgarantie für 2020 schon jetzt vergeben. Kapitän Manuel Neuer bleibt trotz der starken Konkurrenz durch Marc-André ter Stegen auch mit 32 Jahren eine Fix-Grösse beim ausgerufenen Umbruch in der Fussball-Nationalmannschaft. Andere Münchner Ex-Weltmeister wie Jérôme Boateng (30), Mats Hummels (29) und Thomas Müller (29) müssen sich hingegen im kommenden Jahr beim Rekordmeister und im Nationaltrikot erst einmal wieder gegen die neue, junge Konkurrenz beweisen.

«Harte Entscheidungen» habe er in mehr als zwölf Jahren als DFB-Chefcoach immer treffen müssen, betonte Löw – diese werde er auch bei der Fortsetzung des von ihm proklamierten Neustarts nach dem WM-Desaster und dem Nations-League-Abstieg fällen. Boateng gehörte zuletzt gegen Russland (3:0) und die Niederlande (2:2) nicht zum DFB-Kader. Müller kam zu mehreren Kurz-Einsätzen als Ersatzmann im neuformierten Jungspund-Dreiersturm um Leroy Sané, Timo Werner und Serge Gnabry und erreichte so die Marke von 100 Länderspielen.

Kein offener Zweikampf auf der Goalie-Position

Torwart Neuer müssen die Löw-Worte vorerst nicht beunruhigen. «Wenn Manuel seine Form hat, wird er eingeplant sein als Nummer eins bis 2020», erklärte der Bundestrainer. Der 26 Jahre alte Herausforderer ter Stegen vom FC Barcelona werde zwar im neuen Jahr Einsatzchancen bekommen. Einen offenen Zweikampf im Tor will Löw nicht ausrufen. «Öffentlich muss man das nicht tun. Ich möchte die Leistung von Marc nicht schmälern. Er hatte am Anfang in der Nationalmannschaft einige Probleme, ist jetzt genauso Weltklasse», sagte der DFB-Cheftrainer.

Doch die Rollenverteilung bleibt für Löw in der Qualifikationsrunde 2019 mit den Duellen gegen die Niederlande, Nordirland, Estland und Weissrussland unangetastet. «Er ist unser Kapitän und wichtig für die Mannschaft. Wenn nichts Aussergewöhnliches passiert, wird Neuer die Nummer eins sein bis zur EM.» Vor dem ersten Ausscheidungsspiel gegen Holland am 24. März startet die DFB-Auswahl am 20. oder 21. März mit einem Test in Wolfsburg in das nächste Länderspieljahr.

Gedanken an Rücktritt waren da

Endgültig abgehakt hat Löw das unrühmliche Kapitel Mesut Özil. «Ich war wahnsinnig enttäuscht. Nicht darüber, dass er zurückgetreten ist, sondern, dass er mich nicht persönlich informiert hat. Ich habe mehrfach versucht, ihn zu erreichen, bislang gab es kein Signal von ihm. Ich hätte es mir anders gewünscht, wenn es jetzt so sein muss, dann ist es so», sagte Löw über die grosse Aufreger-Personalie des WM-Jahres.

Die Schatten des Russland-Debakels kann Löw so ganz noch nicht vertreiben. Er selbst habe im Sommer durchaus an Rücktritt gedacht – zumindest in den ersten zwei, drei Tagen nach dem Vorrunden-Aus, gestand Löw. Schlaflose Nächte habe er nach dem Turnierscheitern gehabt. «Da hatte ich viele Gedanken und Emotionen in meinem Kopf, weil ich weiss, was es bedeutet.»

Sein Plan, den in der WM-Qualifikation noch so erfolgreichen Fussball «noch zu verfeinern», sei ein Trugschluss gewesen. «Wir waren zu wenig selbstkritisch mit uns, waren erfolgsverwöhnt, haben auf das eine oder andere nicht geachtet», gestand Löw.

Nun geht der Blick des 58-Jährigen aber in die Zukunft: Vereinstrainer wolle er, wenn überhaupt, nur noch im Ausland werden. Ein Lebenstraum sei es, in die Anden zu gehen. Und sein Vertrag bis zur WM 2022 als Bundestrainer? «Den werde ich, wenn alles gut läuft, möglicherweise erfüllen.»

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