Kult-Trainer will zurück an die Seitenlinie Martin Schmidt: «Ich träume von Spanien und Italien»

Patrick Lämmle

13.11.2025

Martin Schmidt: «An der Seitenlinie ist der Adrenalin-Kick am grössten»

Martin Schmidt: «An der Seitenlinie ist der Adrenalin-Kick am grössten»

12.11.2025

Martin Schmidt war alles: Extremskifahrer, Chefmechaniker in der DTM, Trainer und Sportchef. Was er künftig sein möchte, ist klar: Fussball-Trainer – und zwar im Süden.

Michael Schifferle

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Martin Schmidt spricht im Fussball-Talk Heimspiel über seine Zeit in der Bundesliga.
  • Als sein Vater einen Herzinfarkt hatte, trat er bei Mainz kürzer und kümmerte sich gemeinsam mit seinen Geschwistern um den Papa.
  • Nun würde er gerne wieder zurück an die Seitenlinie, am liebsten in Spanien oder Italien.

Man kann ihn schillernd nennen: aufregend, charismatisch, unkonventionell. Alle Adjektive treffen auf den Walliser Fussballtrainer mit den langen Haaren zu, der schon Mainz, Wolfsburg und Augsburg in der Bundesliga trainiert hat. Vor allem aber ist Schmidt: bodenständig, familiär und überaus zuverlässig. Einen Beweis lieferte er im Sommer 2024, als sein Vater auf der Intensivstation des Spitals lag: Kurz zuvor hatte er einen Herzinfarkt erlitten. Die Prognosen? Leider schlecht. Die Frage war nur: «Wie lange lebt er überhaupt noch?», erinnert sich Schmidt.

Martin Schmidt legte sein Amt als Bundesliga-Macher in Absprache mit dem Mainzer Vorstand Christian Heidel sofort nieder und unterstützte fortan mit seinen Geschwistern ihren Papa mit vollem Herzen. Schmidt junior half dem Bundesligisten lediglich noch als Berater, nicht mehr an vorderster Front. «Da war das Geld wirklich zweitrangig», sagt Schmidt. «Ich wollte einfach noch möglichst viel Zeit mit ihm verbringen.»

Im Lauf des Frühjahrs lösten er und Mainz den Vertrag gänzlich auf, um noch mehr Zeit daheim im Wallis zu verbringen, fernab von Hektik und Hybris der Bundesliga.

«Nach Papas Herzinfarkt war alles andere weit, weit weg»

Die Verbundenheit zu seiner Heimat, zu den Bergen, zu seinen Freunden und zur Familie trugen Schmidt ein Leben lang. Ob er nun Bundesliga-Cheftrainer war, Chefmechaniker der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft oder Extremskifahrer. Und sie galt, obschon gerade sein Vater kein sonderlicher Fussballfan war. Nur zweimal sah er sich ein Spiel seines Sohnes an: ein Aufstiegsspiel im Wallis und das erste als Bundesliga-Trainer 2015, als sich der Senior über das 3:1 von Martins Mainzern gegen Frankfurt freuen durfte.

Heute ist der Vater zwar bereits 93-jährig – aber auch nach dem Herzanfall «im Kopf topfit», wie Sohn Martin im Heimspiel von blue Sport glaubhaft vermittelt. «Der Papa sagte: Ja, die Leute sind alle schon sehr nett und sie schauen gut zu mir….aber eigentlich will ich wieder nach Hause», sagt Martin Schmidt und lacht.

Des Vaters Wunsch wurde der Familie mittlerweile Befehl. Inzwischen wohnt Vater Schmidt wieder daheim in Naters, unterstützt von Familien, Freunden und der Spitex. «In all dieser Zeit war der Job in der Bundesliga weit weg», sagt Schmidt.

Der Ball soll aber bald wieder rollen

So langsam aber könnte man sagen: war! Denn längst lodert in Martin Schmidt, dem 58-jährigen Mann mit den vielen Talenten, wieder das Feuer des Fussballs. Wer ihn näher kennt, stellt fest, dass Schmidt Spiele wieder anders schaut - oder besser: seziert. Auf der unnachgiebigen Suche nach Fehlern. Oder aber er denkt an die Sehnsucht nach dem Zusammenleben im Team, an Trainings, Spielersitzungen, Vorbereitungsausflüge.

Jean-Paul Brigger, der Walliser Altinternationale, trainierte Schmidt einst beim FC Naters in der 1. Liga. Er sagt: «Martin ist ein Menschenfänger im positiven Sinn. Er konnte die Leute schon als Spieler begeistern. Er kann die Spieler packen, fesseln – aber als Trainer, nicht als Sportdirektor.»

….oder gar zu Sion?

Martin Schmidt streitet das alles gar nicht gross ab. Er sagt aber auch, was alle diplomatischen Trainer sagen, die nach einem neuen Job fahnden: «Es ist kein Wunschkonzert. Ausschliessen will ich aber nichts. Aber schliesslich muss man immer Träume haben. Als ich Automechaniker war, träumte ich auch davon, in der Formel 1 zu arbeiten.»

Und zurück zum Fussball? «Gut, ich dachte immer, dass man meinen Ansatz aus Deutschland und der Schweiz, einen athletisch-intensiven, auch im Süden implementieren könnte. Ja, ich träume von Spanien und Italien! Mein Rucksack ist voll. Ich war Bundesliga-Trainer, Sportdirektor. Aber was mir in Italien fehlt, ist die Sprache. Eine Brandrede könnte ich vielleicht halten und mich im Alltag gut bewegen. Aber mit Journalisten etwa über Taktisches zu reden? Das ginge nicht», so Schmidt ehrlich.

Klar ist gleichwohl: Der Mann will wieder Trainer sein. «Auch wenn man mal im Wind steht.»

Und die Schweiz? «Wie gesagt, ich schliesse nichts aus. Es kann alles sein. Auch ein ambitionierter Zweitligist, der wieder nach oben will. Wie dannzumal Servette. Aber vergessen wir nicht: Ich war seit 2020 nicht Trainer.» Damals entliess ihn der FC Augsburg, seine dritte Trainerstation nach Mainz und Wolfsburg.

Eine romantische Wendung bringt Andreas Böni im Heimspiel-Talk ins Spiel, der Chefredaktor von blue Sport. «Warum nicht beim FC Sion eine Serie starten? Zusammen mit Jean-Paul Brigger?» Zusammen mit Obertrainer Christian Constantin? Die Runde lacht.

Der Fussball-Talk Heimspiel in voller Länge

Martin Schmidt: Vom Automech zum Bundesliga-Trainer

Martin Schmidt: Vom Automech zum Bundesliga-Trainer

An der Seite von Jean-Paul Brigger erzählt der Walliser von seinem verrückten Karriereweg, warum er Bundesliga-Spieler im Schnee übernachten liess und ob er sich einen Job in der Schweiz vorstellen könnte.

13.11.2025