Vom Auto-Mech zum Bundesliga-Trainer Martin Schmidt erinnert sich: «So war es mit Thomas Tuchel»

Patrick Lämmle

18.11.2025

Schmidt erinnert sich: «So war es in Mainz mit Thomas Tuchel»

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12.11.2025

Und plötzlich war Martin Schmidt Bundesliga-Trainer – dazu noch ein verdammt guter. Im Fussball-Talk Heimspiel erinnert sich der Walliser an seine Anfänge an der Seitenlinie.

Michael Schifferle

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Eigentlich wollte Martin Schmidt gar nicht Trainer werden – bis er es als Walliser Amateurfussballer lieben lernte.
  • Im Fussball-Talk Heimspiel erinnert sich der Walliser an seine Anfänge an der Seitenlinie und spricht über die Zusammenarbeit mit dem heutigen Welttrainer Thomas Tuchel. 
  • Schmidts Art verfing. Passend dazu ist eine Episode, als er seine Spieler auf mehr als 2500 Meer in Biwaks und Schlafsäcken übernachten liess.

Trainer wollte er gar nicht werden. Martin Schmidt war anderes: ein Automechaniker etwa, der es bis zum Cheftüftler von BMW in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft brachte. Oder Extremskifahrer – mit dem Palmarès von sieben Kreuzbandrissen und zwei lädierten Rückenwirbeln. Dann aber lernte er es als Walliser Amateurfussballer lieben, Trainer zu sein. Ideen zu entwickeln, mit Spielern an einem Thema zu feilen – und er hielt es auch aus, mal im Mittelpunkt stehen zu müssen. Beim FC Raron, einem kleinen Walliser Verein, war das, um die Jahrtausendwende.

Jean-Paul Brigger, heute 67-jähriger früherer Internationaler, lacht laut. Er trainierte Schmidt damals. «Schmidt als Trainer? Sicher nicht. So viel, wie der sonst gemacht hat: im Ski, im Motorsport. Im Rückblick aber muss ich sagen, dass er viele Fähigkeiten hatte, die ein Trainer braucht. Er wusste immer, was er will. Er war offen, ehrlich. Und er hatte Einfluss auf die Mannschaft. Damit meine ich: Er konnte die Mannschaft begeistern.»

Das Junioren-Turnier mit der Thuner U21

Das gelang ihm offenkundig auch später. Die grosse Stunde des Martin Schmidt schlug, als er Ende der Nullerjahre in einem internationalen Juniorenturnier mit der U21 des FC Thun auf die gleichaltrige Auswahl des FSV Mainz stiess. Deren Trainer? Thomas Tuchel. Tuchel, damals noch unbekannt, rief Schmidt später an. Taktik, Organisation, offensiv wie defensiv, Struktur (alles, was man als Trainer halt so sagt!) hätten ihm imponiert. Ob er ihn kennen lernen dürfe. Er durfte. Und für Martin Schmidt öffnete sich die Tür zur Bundesliga.

«Tuchel wollte, dass ich die Ausbildungsschwerpunkte des Schweizerischen Fussballverbands in Mainz implementiere. Starke Individualisierung. Stichwörter: Stürmertrainer, Defensivtrainer. Es hat perfekt zwischen uns gepasst und wir haben beiden voneinander profitiert.» Wobei, schiebt Schmidt schmunzelnd nach: «Ich natürlich sehr viel mehr von ihm als umgekehrt.» Alleine, wie Tuchel ein Spiel in Einzelteile zerlegen könne, sei beeindruckend, sagt Schmidt. «Dass Tuchel mal Welttrainer wird – nur logisch.»

War es nie Thema, dass Tuchel Schmidt zu grösseren Stationen mitnimmt? Dortmund, Paris, Chelsea, Bayern? «Doch», sagt Schmidt, «es gab für Thomas früh schon viele Anfragen. Aber zum Beispiel 2014 als er ging und dann in Dortmund unterschrieb, schaffte ich mit der Mainzer U23 den Aufstieg in die 3. Liga. Und Spiele gegen Grossklubs wie Bielefeld oder Dynamo Dresden wollte ich mir nicht entgehen lassen.»

Nachfolger von Kasper Hjulmand

Schmidt schnupperte in der rheinland-pfälzischen Hauptstadt als Trainer der U23 am grossen Fussball, er lernte – und er überzeugte. Als die 05er vom Abstieg bedroht waren und ihren Trainer Kasper Hjulmand entliessen – ja: jenen Hjulmand, der später mit Dänemark an grossen Turnieren teilnahm und nun Leverkusen befehligt (Schmidt: «Hjulmand war mit seinem Ballbesitzfussball der Zeit voraus»). Da rückte Schmidt ins erste Glied nach. Obschon ihn niemand kannte.

Sinnbildlich: Als das regionale Fernsehen auf den Mainzer Gassen nach dem geeigneten Hjulmand-Nachfolger fragte, wurde auch Schmidt gefragt, als wäre er ein fussballunbefleckter Tourist, dem man eine für ihn belanglose Frage stellte. Doch mit Schmidt, der den Ahnungslosen gab, hielt Mainz nicht nur die Klasse; 2016 schaffte der Klub erstmalig den Sprung in die Gruppenphase der Europa League.

Im Schlafsack auf 2500 Meter

Schmidts Art verfing – wo immer er auch war. Passend dazu ist eine Episode, als Schmidt seine Spieler auf mehr als 2500 Meter in Biwaks und Schlafsäcken übernachten liess. «Als die Spieler von Michi (Michael Snella, Bergsteiger, Red.) aufgeklärt wurden, dass sie in Unterhosen in den Schlafsack steigen müssten, naja, war es so mässig um die Laune bestellt.» Der Grund: In normalen Kleidern hätten die Spieler derart geschwitzt, dass die Runterkühlung ein Problem gewesen wäre. Und gesundheitsfeindlich. «Spass hats trotzdem den meisten gemacht», sagt Schmidt als Bergler. Und grinst.

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Nach seinem ersten Bundesliga-Sieg übrigens, einem 3:1 gegen Eintracht Frankfurt, schüttelte sich Schmidt kurz und dachte: «Mensch, wo bin ich hier?» Dann drückte er die Emotionen weit weg, so gut es ging, sie hätten ihn sonst in seiner Arbeit, seiner Rationalität beeinflusst. Schön war es trotzdem. Und längst nicht der letzte Sieg.

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13.11.2025