Torhüterin Hannah Hampton hexte England in diesem Sommer trotz einer Sehbehinderung zum EM-Titel. Nun möchte am Afrika-Cup der auf einem Auge vollständig erblindete Georgi Minoungou Geschichte schreiben.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Ein mysteriöser medizinischer Vorfall hätte die Karriere von Georgi Minoungou vor zweieinhalb Jahren beinahe zerstört.
- Doch der inzwischen 23-Jährige kämpfte sich zurück. Heute spielt er mit nur einem funktionierenden Auge und träumt vom Triumph mit Burkina Faso am Afrika-Cup.
- Die Geschichte von Minoungou ist eine über Schmerz, Willenskraft – und darüber, was möglich ist, wenn man sich selbst nicht aufgibt.
Im Frühling 2023 reist Georgi Minoungou mit Seattle Sounders ins Trainingslager in Marbella. Doch sein bisheriges Karriere-Highlight verwandelt sich in einen Albtraum. «Nach einigen Trainingseinheiten bemerkte ich, dass mein Auge geschwollen war», erzählte Minoungou im Sommer dem Portal «SportBible». Eine allergische Reaktion oder ein Insektenstich, so die Vermutung der Ärzte. Doch der Zustand verschlechtert sich weiter. «Nach drei Tagen war mein Auge voller Blut. Es wurde schwarz, dann rot. Nach zwei Wochen war es komplett weiss.»
Eine Notoperation bleibt erfolglos, Minoungou ist auf dem linken Auge irreparabel erblindet. Die Ursache sei bis heute nicht geklärt. Ein Arzt erklärte dem damals 21-Jährigen, dass er «nie wieder Fussball spielen» könne. Längst hat Minoungou das Gegenteil bewiesen.
«Ich musste besser sein als Spieler mit zwei Augen»
Mit einer Schutzbrille kehrte er ins Training zurück und begann neue Fähigkeiten zu entwickeln, um sein eingeschränktes Sehvermögen zu kompensieren. Er sagt: «Ich musste besser sein als Spieler mit zwei Augen. Sonst hätte ich es nicht geschafft.» Im August 2024 erhält er seinen ersten Profivertrag bei Seattle.
Und Minoungou entwickelt sich prächtig, bekommt viel Einsatzzeit und steht im Sommer auch an der Klub-WM im Einsatz. «Dieses Turnier hat mich bekannt gemacht», ist er überzeugt. Denn kurz darauf meldet sich beim gebürtigen Ivorer der Nationaltrainer von Burkina Faso, Brama Traoré, und beruft ihn ins Nationalteam ein.
Im September und Oktober bestreitet er je zwei Länderspiele, im November markiert er beim 3:0-Sieg im Testspiel gegen Benin dann seine ersten beiden Länderspieltore. Die feiert er mit einer besonderen Geste: Er hält sich ein Auge und ein Ohr zu.
Seine Geschichte ist damit aber noch nicht zu Ende erzählt. Denn nun möchte Minoungou mit Burkina Faso am Afrika-Cup zum Höhenflug ansetzen. Die Gruppe mit Algerien, Sudan und Äquatorialguinea sei nicht einfach. Aber: «Wir haben echtes Talent in diesem Burkina-Team. Wir haben keine Angst.»
Für ihn geht es aber um mehr als nur Fussball. Er wolle eine Inspiration für andere sein: «Ich möchte jungen Menschen zeigen, dass es keine Grenzen gibt, wenn man an sich glaubt.» Diese Denkweise führt unweigerlich zur Frage: «Warum sollten wir nicht den Afrika-Cup gewinnen?»
Die Geschichte erinnert ein wenig an jene von Hannah Hampton, die England im Sommer trotz einer Sehbehinderung zum EM-Titel hexte.