Für die U-21-Nati beginnt mit dem Zusammenzug in Marbella und den Testspielen gegen Österreich und England ein neues Kapitel. blue Sport hat mit Trainer Sascha Stauch über Herausforderungen und Ziele gesprochen.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Das U-21-Nati startet mit einem Trainingslager in Marbella ins Fussballjahr 2025. Während des Zusammenzugs stehen auch Testspiele gegen Österreich und England auf dem Programm.
- Das Trainerteam rund um Cheftrainer Sascha Stauch hat das Fernziel, sich mit den besten Spielern der Jahrgänge 2004 und jünger für die EM im Sommer 2027 zu qualifizieren.
- blue Sport hat mit Trainer Stauch über die besonderen Herausforderungen eines Nationaltrainers und die Ziele des laufenden Zusammenzugs gesprochen.
- Was er bislang von seinem Team gesehen hat, stimmt Stauch zuversichtlich: «Ich habe das Gefühl, die Spieler sind wirklich hungrig. Sie haben Gas gegeben im Training und wollen was zeigen.»
Auf den 29. September 1993 angesprochen, erinnert sich Sascha Stauch noch ganz genau: «Wahrscheinlich ein Highlight meiner bescheidenen Fussballerkarriere. San Siro, Europapokal der Landesmeister, damals mit Aarau. Direkte Gegenspieler Roberto Donadoni und Brian Laudrup. Das war schön.» 19 Jahre jung war Stauch damals. In den folgenden hinterliess der heute 50-Jährige seine Spuren in der Challenge League und 1. Liga.
Gab es Gründe, weshalb es als Spieler trotz des verheissungsvollen Starts nicht für weiter oben gereicht hat? «Wenn du es ganz plakativ sehen willst: Zu wenig gut für die höchste Liga. Wenn man vielleicht ein bisschen pro Sascha argumentiert, dann hat wohl auch die Ausländerregel eine Rolle gespielt.» Damals durften nur drei Ausländer pro Team auflaufen. «Für mich als junger Deutscher war es nicht so einfach, an Aleksandrov, Komornicki oder Ratinho vorbeizukommen», erinnert sich Stauch.
Seit Jahren arbeitet er nun schon in verschiedenen Rollen im Nachwuchsbereich, seit Juli 2023 als Chef-Trainer der U21. Mit dem Wechsel von der U17 zur U21 sei er im Profifussball angekommen: «Das ist Erwachsenen-Fussball. Das sind mittlerweile gestandene Profis.» Sein Antrieb als Trainer sei aber immer der gleiche, er wolle «Spieler einfach besser machen» und ihnen «etwas mit auf den Weg geben».
Der Werdegang von Sascha Strauch
- Sascha Strauch lancierte seine Fussballer-Karriere beim FC Aarau und lief als 19-Jähriger gar einmal in der Champions League auf. Den grossen Durchbruch hat er dann aber nicht geschafft und spielte mehrere Jahre in der Challenge League und in der 1. Liga.
Der Übergang vom Spieler zum Trainer verlief dann fliessend. Stauch war in seinen letzten vier Saisons vor dem Rücktritt Spielertrainer. 2010 fand er den Weg zurück in den Spitzenfussball, er übernahm die Rolle als Nachwuchskoordinator beim FC Aarau, die er bis 2017 innehatte.
Bereits während seiner Aarauer Zeit kam Stauch mit dem SFV in Berührung. Als Gegnerbeobachter der U21 leistete er gute Arbeit und wurde 2017 vom SFV unter Vertrag genommen. Bis im Sommer 2022 war Stauch für die strategische Leitung der Spielanalyse und Spielentwicklung verantwortlich. Nebst dieser Funktion übernahm er 2018 den Posten als U-16-Nationaltrainer. Er kennt auch das U-21-Nationalteam bestens. Von 2018 bis Juni 2022 war er U-21-Assistenztrainer an der Seite von Mauro Lustrinelli und erreichte dabei – nach einer «Durststrecke» von zehn Jahren – die Qualifikation für die EM-Endrunden 2021 und 2023.
Ab August 2022 coachte er die Schweizer U-17 und führte sie im Mai 2023 bis in den EM-Viertelfinal. Seit Juli 2023 ist Stauch Chef-Trainer der U21. Die EM-Quali verpasste die Schweiz unter seiner Leitung im vergangenen Jahr denkbar knapp. Mit einer «neuen Generation» nimmt er nun einen neuen Anlauf. Das Ziel ist die Qualifikation für die EM 2027 in Serbien und Albanien.
Doch wie will er das als Nationaltrainer bewerkstelligen? «Es ist sicher eine grosse Herausforderung, dass du als Nationaltrainer der Mannschaft innert kürzester Zeit etwas für die anstehenden Spiele mit auf den Weg gibst. Und weil du so wenig Zeit hast, ist die individuelle Betreuung umso wichtiger.»
Natürlich nutze er aber auch die Zeit zwischen den Zusammenzügen. «Es ist ja nicht so, dass du dann die Augen verschliesst und die Spieler nicht mehr anschaut.» Es sei ein stetiger Prozess, er gebe den Spielern auch mal ein Feedback und tausche sich mit ihnen aus. Letztlich gehe es darum, mit den Spielern eine Beziehung aufzubauen.
«So eine Enttäuschung ist manchmal eine grosse Chance»
Im vergangenen Jahr verpasste Stauch mit der U-21-Nati die EM denkbar knapp. Am 10. und letzten Spieltag war die Nati bis knapp 20 Minuten vor Schluss auf Playoff-Kurs, doch dann lief alles gegen die Schweiz und man stand mit leeren Händen da – EM-Quali verpasst. «Die Enttäuschung war riesig.» Stauch sagt aber auch: «So eine Enttäuschung ist manchmal eine grosse Chance.» Zusammen mit seinem Staff habe er alles aufgearbeitet, daraus seien auch neue Ideen entstanden.
Zum Beispiel? «Sicherlich noch konsequenter verteidigen. Das ist wirklich ein ganz wichtiger Aspekt, diese Grinta, diese Defensivlust an den Tag zu legen und gleichzeitig auch effizienter zu sein.» Sie müssten als Staff «diese Hartnäckigkeit und Entschlossenheit» auch selbst vorleben und im Training einfordern. «Du kannst nicht erwarten, dass das im Spiel einfach kommt. Das geht nur über Trainings.»
Beim ersten Zusammenzug in Marbella gehe es nun darum, eine Spielidee zu vermitteln und sich gegenseitig kennenzulernen. Er selbst kennt die meisten schon von früher, aber das gilt nicht für alle. Die Testspiele gegen Österreich und England dienen dann als Standortbestimmung. Wie gut hat es mit der Umsetzung der Vorgaben geklappt, wo liegen Potenziale und Chancen, welche Risiken gibt es. Alles mit dem Ziel, dass man im September gewappnet ist, wenn die neue EM-Quali-Kampagne beginnt.
Stauch blickt auf alle Fälle mit Vorfreude auf die bevorstehenden Aufgaben: «Ich habe das Gefühl, die Spieler sind wirklich hungrig. Sie haben Gas gegeben im Training und wollen was zeigen. Und das ist eigentlich das Ziel und der Sinn und Zweck dieses Trainingslagers, dass sich jeder zeigen kann und uns die Nomination auch bestätigt.»
Am Freitag testet die Schweiz gegen Österreich, am kommenden Montag gegen England. Anpfiff ist jeweils um 18.00 Uhr.
Fr 21.03. 17:55 - 20:00 ∙ ORF Sport + ∙ 125 Min
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