Neuer Modus bei CONCACAF sorgt für Ungleichgewicht

11.7.2019 - 17:28, SB10

Der Kontinentalverband von Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (CONCACAF) hat seinen Qualifikationsmodus für die WM 2022 in Katar vorgestellt. Dieser sorgt für viel Unmut, denn es gibt eine Zweiklassengesellschaft.

Der äusserst lesenswerte Fussball-Blog «Ballverliebt» (der auf Gönner angewiesen ist) zeigt auf, wie eine Formatsänderung bei CONCACAF faktisch die Chancen auf eine direkte WM-Teilnahme für die mittleren und kleineren Teams verunmöglicht. 


Stand bisher

Bislang bestand die CONCACAF-WM-Quali aus drei Teilen. Zunächst wurden die kleinen Teams ausgesiebt. Der zweite Schritt war eine Gruppenphase mit zwölf Teams (in drei Vierergruppen), von denen sich die besten zwei jeweils für die Finalrunde qualifizierten. Dort, im sogenannten «Hexagonal», spielten sich sechs Teams die drei Fixplätze und den einen Slot im interkontinentalen Playoff aus.


In Zukunft

Für Katar 2022 zäumt der CONCACAF-Verband das Pferd von hinten auf. Die Finalrunde kommt ab sofort nämlich ganz am Anfang. Die sechs besten Teams laut FIFA-Ranking (aktuell Mexiko, USA, Costa Rica, Jamaika, Honduras und El Salvador) sind automatisch im Hexagonal gesetzt, wo sie wiederum um drei Fixplätze bei der WM spielen.

Alle anderen Teams  – nach aktuellem Stand etwa WM-2018-Teilnehmer Panama, aber auch Kanada oder die Turks-und-Caicos-Inseln – spielen gleichzeitig quasi eine «Zweite Liga», zunächst in einer Gruppenphase, danach ermitteln die acht Gruppensieger in drei K.o.-Runden einen Gewinner dieser Zweiten Liga.

Dieser spielt dann ein Playoff gegen den Hexagonal-Vierten, um sich für das internationale Playoff zu qualifizieren.

Die CONCACAF-Teams.
Bild: Screenshot FIFA

Die Profiteure

Mexiko und die USA haben sich auch bisher immer für die Finalrunde qualifiziert und meisten ohne grössere Probleme die WM-Endrunde erreicht. Ausnahme: Die letzte WM verpassten die USA wegen einer Niederlage gegen Schlusslicht Trinidad und Tobago. Mexiko, Costa Rica und die USA ersparen sich nun sechs Spiele in der Zwischenrunde, wo sie erfahrungsgemäss sowieso fast immer siegten.

Farbtupfer wie Trinidad und Tobago wird man an WMs zukünftig höchstwahrscheinlich weniger zu sehen bekommen.
Bild: Getty

Laut dem kanadischen CONCACAF-Präsident Victor Montagliani war es das Ziel, den ganz kleinen Verbänden über die Gruppenspiele der Zweiten Liga mehr ernsthafte Spiele zu gewähren. Bisher waren sie nach einer, maximal zwei K.o.-Runden längst ausgeschieden, bevor die regionalen Grossmächte überhaupt eingestiegen sind. Antigua, die Virgin Islands und Barbados sind jetzt genauso chancenlos auf ein WM-Ticket wie zuvor, aber sie bekommen immerhin mehr Matches.

«Die Spitze und der Bodensatz arbeiten zusammen gegen die in der Mitte»

So sichert sich Montagliani die einflussreichen Stimmen der grossen Verbände und auch die zahlreichen Stimmen der kleinen Verbände, wenn es um seine Wiederwahl geht, wie «Deadspin» schreibt: «Montaglianis politische Strategie ist jene, die sich in der berüchtigt anrüchigen und korrputen Welt der FIFA als so erfolgreich erwiesen hat: Die Spitze und der Bodensatz arbeiten zusammen gegen die in der Mitte.»

Die Reform ist also gut für die Grossen (die sich sechs Spiele ersparen) und die ganz Kleinen (die mehr Wettbewerbsspiele bekommen als bisher). Die mittleren Teams dürfen sich weniger freuen. Zum Beispiel das Goldcup-Überraschungsteams Haiti (Halbfinale) oder Curaçao (Viertelfinale), aber nach aktuellem Stand auch Kanada, Trinidad und Panama: Sie alle werden nun sogar der theoretischen Chance beraubt, sich eine WM-Teilnahme zu sichern, ohne nicht fünf (!) K.o.-Duelle überstanden zu haben.

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