Kommentar Nun müsste auch der letzte Kritiker des Videobeweises verstummt sein

Jan Arnet

18.4.2019

Abseits! Das City-Siegtor zählt nicht

Abseits! Das City-Siegtor zählt nicht

Raheem Sterling schiesst für City gegen Tottenham in der 93. Minute das vermeintliche 5:3 , was seinem Team zum Halbfinal-Einzug in der Champions League gereicht hätte. Aber der VAR schaltet sich ein – es war Abseits.

18.04.2019

ManCity gegen Tottenham: Für den neutralen Beobachter vielleicht eines der besten Spiele, das er je gesehen hat. Für die Fans eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die in der Nachspielzeit ihren Höhepunkt findet. Der Schlusspunkt ist ein Beweis dafür, dass der Video Assistant Referee (VAR) dem Fussball die Emotionen eben doch nicht nimmt. Ein Kommentar.

Schiedsrichter Cüneyt Çakir hebt seinen linken Arm. Im Etihad Stadium, das gerade «explodiert», wird es plötzlich mucksmäuschenstill. Raheem Sterling schiesst für die Citizens in der 93. Minute das vermeintliche 5:3, was dem Team von Pep Guardiola zum Halbfinal-Einzug in der Champions League gereicht hätte. Der Lärmpegel in der Arena erreicht wohl den höchsten Wert seit sieben Jahren, als Sergio Agüero City am 13. Mai 2012 in letzter Sekunde zum ersten Meistertitel nach 42 Jahren schoss. Dann schaltet sich der VAR ein. Abseits! Das gibt es doch nicht.

Von der einen auf die andere Sekunde schwappen die Emotionen von der einen Seite auf die andere. Jetzt feiern die Tottenham-Spieler mit ihren Fans. Als hätten sie gerade ein Tor geschossen. Es ist der Höhepunkt in einem echten Fussball-Drama. Und die Szene liefert uns den Beweis, dass der VAR dem Fussball die Emotionen eben doch nicht nimmt, wie dies von den Kritikern des Videobeweises immer wieder moniert wird. Er leitet die Glücksgefühle lediglich auf die andere Seite. Selbst Ex-Spitzenschiedsrichter Urs Meier, der als grosser VAR-Kritiker gilt, findet im Teleclub-Studio nur noch lobende Worte (s. Video oben).

City war vielleicht besser, scheidet aber zurecht aus

Für City ist der Ausgang natürlich besonders bitter. Zumal der VAR in der Champions League erst seit dieser Saison existiert. Letzte Saison hatten Guardiola und Co. beim Viertelfinal-Aus gegen Liverpool noch mit dem Schiedsrichter gehadert, weil dieser gleich mit mehreren Fehlentscheiden das Ausscheiden der Citizens besiegelte. Nun wird den Sky Blues der Videobeweis zum Verhängnis.

Die Enttäuschung bei Manchester City ist natürlich riesengross. Aber zumindest kann man dieses Mal weder dem Schiedsrichter noch sonst wem die Schuld in die Schuhe schieben – das war einfach nur Pech. Man stelle sich vor, es hätte keinen VAR gegeben, dann wäre der Frust auf Seiten der Spurs unermesslich. Und City wüsste, dass der Halbfinal-Einzug eigentlich nicht verdient gewesen wäre. City war die bessere Mannschaft, ist am Ende aber zurecht ausgeschieden. 

Nun müsste auch der letzte Kritiker des VAR verstummt sein. Mit dem Videobeweis hat der Fussball definitiv einen Schritt nach vorne gemacht.

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