Nach einem gescheiterten Wechsel zu RB Leipzig hagelte es für Noah Okafor wegen eines «Protz-Auftritts» Kritik. Der Stürmer wehrte sich öffentlich mit klaren Worten. Im Gespräch mit blue Sport blickt er zurück.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Die Youtube-Serie «Die drei Okafors» der Brüder Noah, Elijah, Isaiah Okafor erscheint künftig auch auf blue Zoom.
- Im Interview mit blue Sport sprechen die Brüder über die Kritik an Noah Okafors Auftritt rund um seinen geplatzten Wechsel zu RB Leipzig.
- Okafor-Papa Christian flüchtete einst aus Nigeria in die Schweiz und wurde hierzulande immer wieder mit Rassismus konfrontiert, wie die Brüder erzählen.
Nach einem schwierigen Saisonstart bei der AC Milan wollte Noah Okafor im Januar 2025 wechseln, ein Leih-Transfer zu RB Leipzig bahnte sich an. Im Privatjet reiste der junge Stürmer von Mailand in den Osten Deutschlands. Bei der Ankunft wurde er mit mehreren Reisetaschen des Luxus-Labels Louis Vuitton fotografiert, seine Jacke derselben Marke soll fast 6000 Franken kosten.
In den Zeitungen und auf Social Media hagelte es für den Auftritt Kritik – auch weil der Transfer schliesslich doch nicht zustande kam. Denn beim Medizincheck gab's Probleme. Es stellte sich heraus, dass Okafor noch am Rücken verletzt war und so für Leipzigs Rückrunde keine Option mehr war.
«Okafors Protz-Auftritt endet im Fiasko», titelte der «Blick» im Januar 2025. In einem Podcast ärgerte sich Okafor danach über die negative Berichterstattung: «Was haben sie erwartet? Dass ich alle meine Kleider in eine Ikea-Tasche packe?»
Ein Schweizer Medium müsse doch hinter ihm stehen und etwas Gutes schreiben, wenn ein Transfer anstehe, fand der heutige Leeds-Stürmer. «Viele Dinge laufen in diesem Land nicht richtig und deshalb will ich mit ihnen auch keine Interviews mehr machen.»
«Wir machen das nicht, um andere Leute zu beeindrucken»
Über ein Jahr nach dieser Geschichte setzt sich Okafor mit seinen Brüdern Elijah und Isaiah ins Interview mit blue Sport und spricht auch über die Ereignisse des geplatzten Leipzig-Wechsels: «Es ging alles sehr schnell. Es hiess, ich kann nicht mehr zurück nach Mailand und musste alles mitnehmen», erinnert sich Noah zurück. «Die Sache hat mich letztlich aber auch stärker gemacht im mentalen Bereich.»
Wie blickt er heute auf die negativen Berichte wegen des Auftritts mit teuren Kleidern und Accessoires? «Wir gönnen uns gerne mal schöne Ferien, eine coole Jacke oder Taschen. Das machen wir aber nicht, um andere Leute zu beeindrucken. Sondern weil wir wissen, dass wir dafür jeden Tag hart arbeiten. Deswegen sind wir ja keine anderen Menschen. Denn wir wissen auch, wie es ist, nichts zu haben. Wir wissen, wo unser Vater herkommt.»
Christian Okafor flüchtete einst aus Nigeria in die Schweiz. Er wuchs in tiefster Armut auf, schlief auf Kartonmatten. «Unsere Eltern haben uns sehr gute Werte mitgegeben und uns stets gesagt, dass Luxusgüter nicht wichtig sind», sagt Elijah. «Wir definieren uns nicht über solche Sachen.»
Immer wieder mit Rassismus konfrontiert
Der harte Weg verfolgt Papa Okafor auch heute in der Schweiz noch. Von Rassismus ist die Rede. «Ich musste immer mal wieder auf den Polizeiposten, nur weil ich schwarz bin», sagte er mal in einem Interview.
Noah erinnert sich: «Früher gingen wir oft nach Deutschland, um einzukaufen. Beim Zoll wurden dann alle Schweizer Autos durchgelassen – nur wir mussten anhalten. Obwohl wir das Baselland-Autokennzeichen hatten und nicht einmal zehn Minuten brauchten, um von A nach B zu kommen. Es hätte sich also für uns gar nicht gelohnt, zu viel Ware einzukaufen, weil wir ja sowieso jeden Tag hätten gehen können.»
Sein Papa habe sich oft angegriffen gefühlt, weil das eben nicht nur einmal vorgekommen war. «Acht von zehn Mal wurden wir rausgenommen, obwohl uns die Leute mit der Zeit auch kannten. Solche Geschichten musste ich oft mit ihm erleben. Das ist einfach schade und hat uns verletzt.»
Im Fussball selbst spüren die Brüder kaum mehr Rassismus. Anfeindungen gibt es trotzdem. «Immer wieder höre ich von Gegenspielern: ‹Du bist doch nur da, weil du Noahs Bruder bist›», sagt etwa Isaiah, der in der U21 des FC Zürich spielt. «Aber dafür kann ich heute gut hinwegschauen. Wir sind einfach dankbar für jeden Tag, den wir erleben dürfen.»