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Presse rechnet mit Infantino ab

«Peinliche Anbiederung» ++ «Die WM gleicht einem Todesstern» ++ «Trumpsches Geschwafel»

01:06

Infantinos Lobeshymne auf US-Präsident Trump

Gianni Infantino spricht nur selten bei Pressekonferenzen. Aber wenn er es tut, dann bleibt das Gesagte meist in Erinnerung. Vor dem WM-Auftakt erhält er für seine Aussagen einmal mehr viel Kritik.

«Heute fühle ich mich homosexuell», sagte der nicht schwule Gianni Infantino vor der WM in Katar und wollte damit zeigen, dass dort alle willkommen geheissen werden. Dies, obwohl das Strafgesetzbuch von Katar homosexuelle Handlungen verbietet und mehrere Jahre Gefängnis drohen – unter bestimmten Umständen gar die Todesstrafe.

Kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA spricht der FIFA-Präsident nun erneut bei einer seiner seltenen Pressekonferenzen. Und erneut wird er für seine Worte mit viel Kritik eingedeckt. Dabei verteidigt der Weltverbandschef die hohen Ticketpreise und nimmt Stellung zum Fall des von den USA abgewiesenen Schiedsrichters Omar Artan aus Somalia. Das denkt die internationale Presse über den Auftritt:

Teaser image

11 Stunden verhört, dann ausgeschafft

Jetzt bricht der von Trump ausgewiesene WM-Schiri sein Schweigen

🇺🇲 USA

The Athletic: «Der Gedanke kam auf, dass es vielleicht tatsächlich unmöglich sei; dass die Zugeständnisse, die Reibungen und die menschlichen Kosten bereits eine unsichtbare Schwelle überschritten hätten; dass es, wenn es soweit ist, kein Zurück mehr von dieser brisanten Weltmeisterschaft geben wird, die einem Todesstern gleicht, keine Rückkehr in die Zeit vor dem Weltuntergang. Für Infantino sind das jedoch alles nur Diskussionspunkte, kleine Hürden, die es auf dem Weg zu unserer glorreichen FIFA-Zukunft zu überwinden gilt.»

🇲🇽 Mexiko

Mediotiempo: «Obwohl die WM 2026 als teuerste in der Geschichte der Weltmeisterschaften gilt, verteidigte FIFA-Präsident Gianni Infantino die Ticketpreise mit dem Hinweis, es handele sich um ‹ein einzigartiges Erlebnis›.»

Récord: «Es ist nur noch ein Tag bis zum Beginn der Weltmeisterschaft, doch an keinem der Austragungsorte ist eine allgemeine Euphorie zu spüren. Proteste in Mexiko, Razzien gegen Migranten in den Vereinigten Staaten und Schiessereien in Kanada prägen die Zeit vor dem Start des FIFA-Turniers. (...) In diesem Zusammenhang sind vor allem die hohen Ticketpreise auf heftige Kritik gestossen, doch FIFA-Präsident Gianni Infantino blieb bei seiner Haltung, die Preise zu rechtfertigen.»

ESTO: «Gianni Infantino versicherte, dass er keinen Einfluss auf geopolitische Entwicklungen habe, die über die Zuständigkeit der FIFA hinausgehen.»

01:21

Gianni Infantino: «Wir leben nicht auf dem Mond»

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat für jede Frage eine, sagen wir mal, inspirierende Antwort auf Lager.

Kanada

The Globe and Mail: «Wenn der US-Präsident Fussball für seine Zwecke nutzt, spielt der FIFA-Präsident normalerweise mit. Bei der WM-Auslosung setzt sich das Werben fort.»

🇬🇧 Grossbritannien

Independent: «Gianni Infantinos Trumpsches Geschwafel ist ein chaotischer Start in die Weltmeisterschaft. (...) All dies verdeutlichte nur, wie sehr Infantino im Umfeld von Trump verankert ist, bis hin zu dem Punkt, an dem er tatsächlich wie dieser klingt. Er kann alles sagen. Ernsthafte Einwände werden nicht zugelassen. Infantino hatte seit drei Jahren keine richtige Pressekonferenz mehr abgehalten, und man hat leicht den Eindruck, dass dies immer noch nicht der Fall ist.»

The Sun: «Im krassen Gegensatz zu seiner viel verspotteten Rede Heute fühle ich mich homosexuell» vor der Weltmeisterschaft 2022 in Katar versuchte der Chef des Weltfussballs, die FIFA als die Guten darzustellen.»

🇪🇸 Spanien

Marca: «Der US-Präsident war der unbestrittene Star der Auslosung. Er wirkte wie ein Baby bei einer Taufe, eine Frau bei einer Hochzeit und ein Toter bei einer Beerdigung. Er nahm eine Auszeichnung entgegen, hielt eine Rede und zog die Kugeln. Es ist ‹seine› Weltmeisterschaft. (...) 48 Mannschaften nehmen teil, was eine Debatte darüber auslöst, ob das zu viele sind. Sollte die Weltmeisterschaft für alle zugänglich sein? Unbedingt. Ist es einer Mannschaft wie Curaçao unwürdig, 0:10 gegen Deutschland zu verlieren? Auch hier gilt: Ja.»

El Pais: «Die Vereinigten Staaten mögen sich zwar nicht mit Fussball auskennen (ihre Nationalmannschaft gehört nicht zu den Favoriten), aber sie kennen sich mit Showbusiness aus. Ein Geschäft, in dem sich Donald Trump wie ein Fisch im Wasser bewegt.»

El Mundo: «Trump, Trump und nur Trump. Der Protagonist der WM-Auslosung am Freitag in Washington war weder der Fussball noch die Todesgruppe, sondern der Präsident der Vereinigten Staaten. Persönlichkeiten wie ihn bezeichnet man in diesem Land als ‹larger-than-life›, grösser als das Leben, und die Inszenierung rund um seine Person und seine Obsessionen hat deutlich gemacht, dass die kommenden Monate ganz von seiner Präsenz geprägt sein werden.»

🇨🇭 Schweiz

Blick: «So spektakulär und kontrovers wie vor dreieinhalb Jahren in Katar ist die Pressekonferenz vor der WM-Eröffnung dieses Mal nicht. Dennoch hält sich Gianni Infantino mit Lob für die eigene Arbeit nicht zurück. (...) Doch im Gegensatz zu 2022, als er in Katar versuchte, eine epische Rede zu halten, verzichtete der Walliser auf allzu viel Pathos.»

Tagesanzeiger: «Iran, Tickets und Visa – alles kein Problem für Gianni Infantino.»

🇩🇪 Deutschland

Welt: Die WM ist ein weiteres Beispiel für die traurige Fehlentwicklung, die der Fussball unter Gianni Infantino genommen hat. Die schon in Katar zu beobachtende peinliche Anbiederung ist auf ein neues Level gesunken. Wut, Entsetzen und Desinteresse sind die Folge.

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