Petkovic: «Wir sind gut beraten, mit den Füssen auf dem Boden zu bleiben»

SDA

29.3.2018 - 06:16

Vladimir Petkovic ist mit der Schweiz auf gutem Weg
Source: Keystone

Nach den letzten zwei Testspielen äussert sich der Schweizer Nati-Coach Vladimir Petkovic zu Zahlen, Fakten und Einschätzungen seiner Elf.

Seit dem EM-Out in Frankreich hat die Schweizer Equipe trotz wechselnder Systeme und Besetzungen eine bemerkenswerte Konstanz erreicht: 13 Siege in 15 Partien. Wie viel dieser Siegermentalität ist an der vierten WM-Endrunde in Folge abrufbar, um erstmals seit 1954 unter die Top 8 vorzustossen?

Petkovic: «Wir werden an der WM die gleiche Mannschaft sein, die gleiche Mentalität haben und alles daran setzen, unseren Stil zu pflegen. Es wird darum gehen, den Willen auf das Feld zu bringen, Tore zu erzielen. Ohne Treffer kommt niemand weit im Fussball. Auf Prognosen verzichte ich, machen wir besser einen Schritt nach dem anderen. Ambitioniert sind alle.»

Gegen tiefer dotierte Kontrahenten leisten sich die Schweizer seit Jahren keine Ausrutscher mehr. Einer wie der sechsfache Serie-A-Champion Stephan Lichtsteiner geht voran. Sein Credo: «Wenn man gegen Grosse antreten will, muss man zuerst gegen die Kleinen gewinnen.»

Petkovic: «Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass wir seit geraumer Zeit keine Tore mehr zuliessen – auch gegen Panama nicht, obwohl wir mit acht neuen Spielern begannen. In der Defensive standen vier neue Verteidiger auf dem Rasen und ein anderer Goalie. Vor zwei oder vier Jahren wäre das mangels Alternativen in dieser souveränen Art nicht möglich gewesen.»

Gegen aussen hin vermittelt das Team den Eindruck, charakterlich gefestigt zu sein. Im schwierigen Playoff gegen die Nordiren war die mentale Belastbarkeit hilfreich, in Spielen wie gegen Griechenland in einem praktisch leeren Stadion ebenfalls. Die Gruppe um Lichtsteiner, Blerim Dzemaili, Granit Xhaka oder Valon Behrami hat ein gutes Gespür dafür entwickelt, wann was zu tun und zu melden ist.

Petkovic: «In unserem Team ist jeder gern mit den anderen zusammen und auch für sie da. Für mich ist diese Einschätzung eine sehr wichtige Voraussetzung für den Erfolg. Wir haben eine gute Formel gefunden; die Resultate helfen uns, sie zu festigen. Generell haben wir viel in diese Mechanismen investiert. Die Grundhaltung ist sehr positiv, das Publikum in Luzern honorierte unsere Leistungen extrem. Diesen Aspekt schätze ich sehr – es gab ja auch Zeiten, als trotz sportlicher Erfolge immer wieder Polemiken aufkamen»

Im Vergleich zum Frühling 2016 wirkt das Gefüge in allen Belangen ausbalancierter. Die Rollen sind wirkungsvoller verteilt, die Abstimmung passt besser. Beim 6:0 gegen den WM-Teilnehmer Panama brillierte selbst die B-Vertretung ohne Anlaufschwierigkeiten. Dem Nationalcoach sind verschiedene positive Aspekte und Entwicklungen aufgefallen.

Petkovic: «Die Mannschaft hat im Kollektiv zugelegt. Sie pflegt einen guten Stil und zeigt sich im Bedarfsfall flexibel. Nach den beiden Siegen gegen Griechenland und Panama spüre ich eine gewisse Sicherheit. Aber wir sind gut beraten, mit den Füssen auf dem Boden zu bleiben. So gut, um jetzt das grosse Wort zu führen, sind wir nicht. Immer schön weiterarbeiten, mit grosser Liebe für den Fussball. Es bleibt eine gewisse Marge gegen oben übrig. Ich erwarte noch mehr Zielstrebigkeit gegen vorne.»

Das WM-Casting geht weiter. Anfang Juni folgt eine erste aussagekräftige Standortbestimmung in Spanien gegen einen unbestrittenen Titelanwärter. Der Kreis ambitionierter Schweizer Endrunden-Kandidaten ist grösser, Petkovic wird sich wohl erst in letzter Minute entscheiden - Härtefälle sind programmiert, das Niveau bei der Weltnummer 8 ist ausgezeichnet.

Petkovic: «In den nächsten Monaten bleibt die Türe zum Nationalteam offen. Es ist, wie ich es direkt nach dem Spiel sagte: Ich habe die Schlüssel weggeworfen. Mitte Mai muss ich eine Liste mit 35 Akteuren bestimmen, am 27. Mai werden 27 bis 28 jener FIFA-Liste ins Trainingslager in Lugano einrücken. Das definitive Kader melden wir am 4. Juni am Tag nach dem Test in Spanien. Für mich fällt auch das Auftreten neben dem Rasen ins Gewicht. Es müssen einige Faktoren stimmen. Die aktuellen Kaderspieler haben sicherlich etwas mehr Kredit.»

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