Lausanne-Sport ist der erste Halbfinalist im Schweizer Cup. Die Waadtländer müssen gegen das unterklassige Bellinzona zittern, setzen sich dann aber im Penaltyschiessen durch.
Zum Matchwinner der Lausanner avancierte ausgerechnet Thomas Castella. Der Torhüter hatte erst am vergangenen Wochenende sein erstes Meisterschaftsspiel in dieser Saison bestritten, weil Karlo Letica aufgrund einer Vertragsklausel auf einen Einsatz verzichtete. Nun stand Castella auch im Cup zwischen den Pfosten und bewahrte sein Team vor einem bitteren Ausscheiden. Im Penaltyschiessen hielt er die Versuche von Nassim L'Ghoul und Jonathan Sabbatini.
Im Interview nach dem Spiel sagte Castella bei SRF, dass er die ganze Saison über geduldig gewesen sei, um am Tag X bereit zu sein: «Für den Torhüter ist es immer eine schöne Sache, im Penaltyschiessen zu gewinnen.» Er werde das heute Abend geniessen, so der 31-Jährige.
Für Lausanne-Sport muss die Performance von Castella ein Segen sein. Denn im aktuellen Hickhack um Stammgoalie Letica dürfte eine zuverlässige Nummer 2 umso wichtiger sein.
blue Sport hat vor dem Cup-Spiel mit Spielerberater Baykal Bellusci gesprochen. Dieser sagt über den Fall Letica: «Bei solch einem wichtigen Spieler müsste man schauen, dass er seine Leistung abrufen kann und diese Klausel aus dem Vertrag genommen wird. Das wäre im Sinn von allen. Es bringt der Mannschaft nicht viel, wenn du dagegen kämpfst und weisst, der Spieler wird das sonst durchziehen.»
Gemäss Bellusci wäre es deshalb schlauer, im Sommer auf die Ablöse von 200'000 bis 300'000 Franken für Letica zu verzichten, dafür hätte man einen Spieler, der bis zum Schluss durchzieht und mithilft, die Ziele zu erreichen.
Mit der starken Performance von Castella im Cup ist Lausanne vielleicht wieder in einer etwas stärkeren Verhandlungsposition. Der Druck, sich den Wünschen von Letica zu fügen, hat wohl etwas abgenommen.
Bellinzona kratzt an der Sensation
Nach 120 Minuten stand es 1:1. In einer von harten Zweikämpfen geprägten Partie ging zunächst das Heimteam aus der Challenge League in Führung. In der 67. Minute führte eine unübersichtliche Situation nach einem Eckball zum ersten Tor des Spiels. Ein Distanzschuss wurde so abgefälscht, dass Rilind Nivokazi freie Bahn hatte. Der 25-jährige Kosovare bezwang Castella aus kurzer Distanz.
Plötzlich war der erst zweite Halbfinaleinzug Bellinzonas seit den 1970er-Jahren zum Greifen nahe. Die Lausanner suchten den Ausgleich, fanden aber lange kein Rezept. Wenig überraschend brachte eine Standardsituation die Erlösung für das Team von Ludovic Magnin. In der 82. Minute erzielte Noë Dussenne nach einem Freistoss per Kopf den Ausgleich, der die Lausanner rettete.