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Jetzt meldenRicardo Rodriguez (33) verrät, wie es ist, als Vertragsloser an eine WM zu reisen, was es für ihn bedeutet, dass seine Familie dabei ist und redet über Cristiano Ronaldo und seine Zukunft. Für ein paar Fragen schnappt sich auch Francisco, der jüngere Bruder, das blue Sport Mikrofon.
Ricardo Rodriguez, du stehst vor deiner vierten WM. Was bedeutet dir das?
Sehr viel. Eine WM oder eine EM ist für mich persönlich der Höhepunkt im Fussball. Bedeutender als die Champions League. Mit den drei Europameisterschaften wird es schon meine siebte Endrunde. Und ich war immer fit, habe immer gespielt. Dafür bin ich sehr dankbar. Als ich Fussballprofi wurde, war es immer mein Ziel, einmal an einer EM oder WM zu spielen. Aber ich habe niemals gedacht, dass es so viele werden würden. Es gibt so viele super Fussballer, die nie eine Endrunde spielen durften.

Der ‹ewige Rodriguez› spielt diesen Sommer schon seine 4. WM.
zVg
Cristiano Ronaldo steht mit 41 Jahren vor seiner sechsten Weltmeisterschaft.
Was soll ich dazu nur sagen? Da kann man nur den Hut ziehen. Es ist unglaublich. Ein super Profi, schön, dass er dabei sein kann.
Spielst du mit 41 auch noch Fussball?
Keine Ahnung. Wer weiss? Vielleicht spiele ich noch irgendwo mit Kollegen und nur zum Spass. Aber so weit im Voraus plane ich nicht. Ich weiss noch nicht mal, wo ich nächste Saison spiele.
Dein Kontrakt bei Betis Sevilla läuft aus. Wie ist es, vertragslos an die WM zu fliegen?
Es ist sicher nicht einfach, dass ich noch nicht weiss, wie es nach der WM weitergeht. Das ist im Hinterkopf. Aber ich weiss, dass ich damit umgehen kann. Diese Situation kenne ich schon von der EM 2024. Da war ich ebenfalls schon vertragslos.
Du solltest dich besser nicht verletzen …
… ja, das wäre schlecht. Falls ich mich schwer verletzen sollte, dürfte es nicht einfach werden, einen neuen Verein zu finden. Aber keine Sorge, ich kann das ausblenden.
Vor zwei Jahren hat wenig gefehlt und du hättest zum FC Sion gewechselt. Könntest du dir jetzt eine Rückkehr in die Schweiz vorstellen?
Ja. Mittlerweile spiele ich seit 14 Jahren im Ausland. Ich habe in der Bundesliga, in der Serie A und in der LaLiga gespielt. Der nächste Schritt muss gut überlegt sein, nicht nur für mich, auch für meine Familie. Unser älterer Sohn Santiago wird 5 und bald eingeschult. Aber ich selbst bin offen für alles. Ich könnte mir vorstellen, in den USA zu spielen, in Spanien zu bleiben oder zurück nach Italien zu gehen. Dubai, Katar, Japan – ich schliesse nichts aus. Jetzt geht es aber erst einmal an die WM.
Wenn du die vier WM-Kader vergleichst, wo würdest du das aktuelle Team einordnen?
Der Mix passt sehr gut, da sind viele erfahrene Spieler und junge Talente, die schon sehr weit sind. Wir können eine super WM spielen. Aber die verschiedenen Nationalteams zu vergleichen, ist schwierig. Das lasse ich lieber sein.
Bisher bist du immer in den Achtelfinals gescheitert. 2014 gegen Argentinien, 2018 an Schweden und 2022 gegen Portugal. Welches war die bitterste Pleite?
Alle waren auf ihre eigene Art bitter. Gegen Argentinien hat Blerim Dzemaili in der 121. Minute den Pfosten getroffen. Am Ende verloren wir gegen eine sehr starke Mannschaft in der Verlängerung 0:1. Wir durften stolz sein. Vier Jahre später gegen Schweden waren wir dann besser, hätten gewinnen müssen. Darum hat mich diese Niederlage mehr geärgert.
Und das 1:6 vor vier Jahren gegen Portugal?
Portugal war eine starke Truppe, klarer Favorit und besser als wir. Von dem her war unser Ausscheiden okay. Aber ein 1:6 hätte es nicht sein müssen. Das war sehr bitter. Wir haben es an diesem Tag sicher nicht gut gemacht. Quasi alles, was schieflaufen konnte, ist auch schiefgelaufen.
Welchen Achtelfinal würdest du am liebsten nochmals spielen?
Alle drei. Denn ich finde, wir hätten aus jedem mehr herausholen können. Jedes Ausscheiden war bitter.
Jetzt wird endlich dieser Achtelfinal-Fluch besiegt?
Dafür geben wir alles. Ob es dann über das Achtelfinale hinausgeht, werden wir sehen. Natürlich ist das unser Ziel.
Du träumst vom Viertelfinal?
Nein. Ich träume vom Final. Aber das tut wohl jeder Fussballer, der an einer WM dabei ist.
Santiago, dein ältester Sohn ist viereinhalb. Es wird die erste WM, in welcher er dich auf dem Platz wahrnimmt. Wie schön ist es, dass er nun von der Tribüne zusieht?
Es ist sehr schön, dass meine Familie in den USA dabei ist und dass Nicole und die Jungs mir zuschauen. Cruz kriegt noch nichts mit. Und Santiago kennt die Bedeutung einer WM auch noch nicht. Aber er versteht mittlerweile, dass mein Job Fussballprofi ist. Dass ich jeweils Fussball spiele, wenn ich nicht zuhause bin.

Ricardo Rodriguez mit seinen Söhnen bei Real Betis.
Instagram / @rrodriguez.68
Der kleine Cruz wird am 14. Juli zwei. Es ist der Tag des ersten WM-Halbfinals.
Das wusste ich nicht. (Schmunzelt). Er ist am EM-Finaltag auf die Welt gekommen. Jetzt also ein Halbfinal. Es wäre schön, wenn wir an seinem Geburtstag noch dabei sind.
Wer sind für dich Topfavoriten?
Wenn ich zwei nennen müsste, dann Frankreich und Portugal.
Dein Vater ist Spanier. Was ist mit den Spaniern?
Auch eine super Mannschaft, ich würde Frankreich und Portugal aber ein wenig stärker einschätzen.