U21 und U19 blamierten sich SFV-Ausbildungschef Bruggmann: «Zeigt einfach, wo unser Problem liegt»

Syl Battistuzzi

20.11.2025

Die Schweizer U19 verlor gegen Dänemark gleich mit 0:7.
Die Schweizer U19 verlor gegen Dänemark gleich mit 0:7.
KEYSTONE

Die Schweizer A-Nati gehört zur absoluten Weltspitze. Seit Jahren ist sie an Endrunden vertreten. Doch wie ist es um unseren Nachwuchs bestellt? 

,

Patrick Lämmle, Syl Battistuzzi

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Während bei den Grossen die Schweizer seit rund zwei Jahrzehnten oben mitspielen, sind für den SFV im Junioren-Bereich Endrunden bei EM oder WM (nur U17) eher Ausnahme als Regel.
  • Kein Wunder, schliesslich kommen die jungen Spieler in der Super League nur selten zum Zug.
  • blue Sport sprach mit Patrick Bruggmann, Direktor Fussballentwicklung beim SFV, über die Probleme im Nachwuchs.

Die Schweizer Nationalmannschaft beeindruckt durch Konstanz. Mit der Qualifikation für die Endrunde 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird sie zum sechsten Mal in Folge an einer WM vertreten sein.

Zählt man die Europameisterschaften hinzu, wird die Schweizer Bilanz noch eindrucksvoller: Seit 2004 hat das Nationalteam nur eine EM verpasst – jene 2012. Mit Ausnahme der EM 2008, für die die Schweiz als Co-Gastgeber gesetzt war, hat sie damit zehn der letzten elf Qualifikationen erfolgreich abgeschlossen.

Schweizer Junioren zwischen Himmel und Hölle

Die Gegenwart bei der A-Nati ist also mehr als zufriedenstellend. Doch wie ist es um unseren Nachwuchs bestellt? Da wähnt man sich in einem Wechselbad der Gefühle. Die U21 verliert in der EM-Quali auswärts gegen Luxemburg 1:2, während die Schweizer U19 in Baden gegen Dänemark gleich mit 0:7 untergeht. Die U17 dagegen überzeugt derzeit an der WM in Katar.

«Auch wenn die Resultate eine Momentaufnahme sind, zeigt sich einfach, wo unser Problem liegt», sagt Patrick Bruggmann, Direktor Fussballentwicklung beim SFV, im Gespräch mit blue Sport und erklärt: «Solange die Spieler in unseren Nachwuchsakademien sind, etwa bis und mit U17, gibt es eigentlich kein Problem. Die sind gut ausgebildet und auch konkurrenzfähig.»

Probleme habe man dagegen in der Übergangsphase von den Junioren zu den Erwachsenen. «Sie müssten wirklich mehr Einsatzzeit auf höherem Niveau haben», sagt Bruggmann. Die Spieler der dänischen U19 etwa, hätten deutlich mehr Einsatzminuten in höheren Ligen.

Bei individueller Entwicklung viel Verbesserungspotential

In der Schweiz fehle die flächendeckende Überzeugung, dass es sinnvoll sei, die Junioren zu fördern. Dass es auch anders geht, zeigt etwa der FC Luzern. Dort sei die Philosophie auch in einer Strategie verankert. «Dort ist es wie klar, dass die jungen Spieler auch die Möglichkeit bekommen, sich auf diesem Niveau zu beweisen und dass man auch die Geduld hat, dass sie sich beweisen können.»

Dass dies nicht bei allen Superligsten der Fall sei, könne er verstehen. Aber: «Ich habe null Verständnis, wenn es um die Challenge League geht. Ich sehe einfach nicht ein, warum man dort unseren Spielern nicht mehr Spielzeit geben kann.»

Es gibt aber noch einen weiteren Punkt, wo man den Hebel ansetzen könnte: «In der individuellen Entwicklung von Spielern sehe ich extrem viel Potenzial brachliegen. Dort könnte man wahnsinnig viel rausholen, um unsere Spieler einfach noch besser zu machen», sagt Bruggmann. Der Erfolg der U17 beispielsweise zeige aber auch, dass man im Nachwuchs schon auch einiges richtig mache.

Nati-Direktor Pierluigi Tami: Gehen der Schweiz die Talente aus?

Nati-Direktor Pierluigi Tami: Gehen der Schweiz die Talente aus?

Wie kann die Schweiz wieder mehr und bessere Nachwuchsspieler ausbilden? Darüber diskutiert Stefan Eggli mit Nati-Direktor Pierluigi Tami, Patrick Bruggmann und blue Sport Experte Alex Frei.

01.11.2024

Situation bei den SFV-Auswahlen

U21

Die Schweizer U21-Nationalmannschaft muss am Dienstag in der EM-Qualifikation einen schweren Rückschlag hinnehmen. Das Team von Trainer Sascha Stauch unterliegt in Luxemburg 1:2. Der Sieg von Luxemburg war dabei nicht unverdient. Das Heimteam hatte etwa mehr Abschlüsse (20:6, 5:3 Torschüsse) zu verzeichnen.

In der laufenden EM-Qualifikation der Gruppe C haben die Schweizer nach fünf Spielen acht Punkte auf dem Konto – zwei weniger als Tabellenführer Frankreich, der zudem ein Spiel weniger absolviert hat.

Es wird also sehr schwierig, noch Gruppensieger oder bester Gruppenzweiter zu werden, und sich damit direkt für die EM-Endrunde 2027 in Albanien und Serbien zu qualifizieren. Die ältesten SFV-Junioren waren 2023 und 2021 EM-Teilnehmer – auch dank Aufstockung der Anzahl Teams. Zuvor war man 2011 letztmals an der EM-Endrunde. Dort erreichten Xhaka, Shaqiri & Co. unter dem heutigen Nati-Direktor Pierluigi Tami den Final.

U19

Resultatmässig noch schlimmer unter die Räder kommt am Dienstag die U19-Auswahl. Die Truppe von Ilija Borenovic verliert in Baden gegen Dänemark gleich mit 0:7. Trotz der Niederlage hat sich die U19 durch die beiden Siege in den vorherigen Partien (gegen Schweden und San Marino) als bester Gruppendritter für die nächste (Elite-)Runde qualifiziert und hat noch Chancen auf die EM-Teilnahme 2026.

2024 schaffte man es an die EM, zuvor qualifizierte sich die U19 fünfzehn Jahre nicht mehr für ein Turnier (2009).

U17

Grosse Freude macht derzeit die U17. An der WM in Katar übersteht die Schweiz am Dienstag auch das zweite K.o.-Spiel. Das Team von Trainer Luigi Pisino bezwingt Irland 3:1 und trifft im Viertelfinal auf Portugal. Eine Wiederholung des Wunders von 2009 – als die Generation um Granit Xhaka, Ricardo Rodriguez & Co. sich sensationell den Titel holte – ist also noch im Bereich des Möglichen.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber ein etwas düsteres Bild: Die U17-Auswahl erreichte seit 2015 nur zwei von neun möglichen EM-Endrunden (2018 und 2023). Bei der WM war man seit dem Titel 2009 bis zur aktuellen Kampagne nie mehr dabei.

Tami: «Die Situation im Nachwuchs könnte zum Problem in der Nati werden»

Tami: «Die Situation im Nachwuchs könnte zum Problem in der Nati werden»

Immer weniger Klubs in der Super League setzen auf Schweizer Talente. Nati-Direktor Pierluigi Tami ist besorgt: «Das könnte langfristig gefährlich werden für die Nati. Wir müssen reagieren, sonst haben wir bald ein Problem.»

03.09.2024