Strafe nach Fan-Eklat Slavia Prag verliert Derby forfait und muss vier Partien ohne Zuschauer spielen

dpa

14.5.2026 - 09:03

Mit Pyrotechnik auf dem Rasen: Slavia-Fans sorgten für den Spiel-Abbruch.
Mit Pyrotechnik auf dem Rasen: Slavia-Fans sorgten für den Spiel-Abbruch.
Šimánek Vít/CTK/dpa

Bengalos, Platzsturm, verhinderte Meisterfeier: Fans von Slavia Prag liessen das Derby gegen den Rivalen Sparta eskalieren. Der Verein wird nun hart bestraft.

DPA

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Slavia Prag ist für den Platzsturm im Derby gegen Sparta Prag am letzten Samstag bestraft worden. Das abgebrochene Spiel wird mit 3:0 für Sparta gewertet, wie der Ligaverband mitteilte. Zudem muss Slavia Prag die nächsten vier Heimspiele ohne Zuschauer bestreiten und umgerechnet knapp 400'000 Franken Busse zahlen.
  • Nur wenige Minuten vor dem Schlusspfiff provozierten die Fans von Slavia am Wochenende den Spielabbruch. Der Platzsturm fand mit Pyrotechnik statt, die auch vom Rasen in Richtung Fans von Sparta geworfen wurde. Gegnerische Spieler wurden attackiert. Die Polizei nahm strafrechtliche Ermittlungen gegen die mutmasslichen Randalierer auf.
  • Der Eklat verhinderte den vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft von Slavia, das zum Zeitpunkt des Spielabbruchs 3:2 führte. Auch nach der 0:3-Forfaitniederlage bleibt Slavia Prag auf Kurs Richtung Meistertitel.

Nach dem Platzsturm und Spielabbruch beim Lokalderby zwischen Slavia Prag und Sparta Prag hat die Disziplinarkommission des tschechischen Ligaverbands LFA ihr Urteil verkündet. Die am Samstag abgebrochene Begegnung werde für den Gastgeber Slavia als verloren und für Sparta als Sieg gewertet, teilte ihr Vorsitzender Jiri Matzner mit.

Zudem müsse Slavia Prag die nächsten vier Spiele ohne Zuschauer bestreiten. Ferner werde der Verein zu einer Geldstrafe von 10 Millionen Kronen (knapp 400'000 Franken) verurteilt. Auch Sparta Prag müsse  umgerechnet 25'000 Franken wegen des Verhaltens seiner Fans entrichten. Der Slavia-Vorstandsvorsitzende Jaroslav Tvrdik kündigte bereits im Vorfeld an, die Entscheidung anzunehmen und nicht in Berufung zu gehen.

Durch einen Platzsturm mit Pyrotechnik und Angriffe auf Spieler hatten Fans von Slavia Prag für den Abbruch des Fussball-Derbys gegen Sparta Prag gesorgt. Der Eklat verhinderte den vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft ihres Teams, der bei einem Stand von 3:2 für Slavia nur wenige Minuten entfernt lag. Zahlreiche Anhänger rannten mit Bengalos auf den Platz. Pyrotechnik wurde sogar vom Rasen auf die Ränge geworfen.

Polizei identifiziert Verdächtige

Die Polizei nahm strafrechtliche Ermittlungen gegen die mutmasslichen Randalierer auf. Videoaufnahmen würden ausgewertet, teilte eine Sprecherin mit. Wer sich an der Randale beteiligt habe, werde aufgerufen, sich selbst der Polizei zu stellen. Der Vorwurf laute unter anderem auf Störung der öffentlichen Ordnung.

Das Spiel endete im Chaos: Wegen eines Platzsturms wurde das Derby Slavia Prag gegen Sparta Prag kurz vor dem Ende abgebrochen.
Das Spiel endete im Chaos: Wegen eines Platzsturms wurde das Derby Slavia Prag gegen Sparta Prag kurz vor dem Ende abgebrochen.
Kamaryt Michal/CTK/dpa

Mehrere Verdächtige seien bereits identifiziert worden, hiess es. Slavia-Anhängern werde vorgeworfen, den Goalie des gegnerischen Teams angegriffen und Pyrotechnik vom Spielfeld aus auf die Sparta-Ränge geworfen zu haben. Zudem sei ein erheblicher Sachschaden in Höhe von vielen tausend Euro entstanden, hiess es. Medienberichten zufolge soll der aus der Slowakei stammende Sparta-Tormann Jakub Surovcik umzingelt, bedroht und mit Bier beworfen worden sein.

Kommt die Gesichtserkennung?

Die Politik reagierte nach dem Spiel entsetzt. «Das ist eine schreckliche Schande, es ist ganz und gar entsetzlich», sagte der tschechische Regierungschef Andrej Babis. Die Konsequenzen müssten brutal sein. Es sei für ihn unverständlich, dass Fans mit Pyrotechnik ins Stadion gelangen könnten. Sportminister Boris Stastny kündigte an, eine Arbeitsgruppe einzusetzen. Dabei werde es unter anderem um den Einsatz von automatischer Gesichtserkennung in Stadien gehen. Bisher gibt es dafür keine rechtliche Grundlage.