Streit wegen Verkürzung des WM-Rhythmus spitzt sich zu

fin

20.10.2021 - 16:04

Gianni Infantino will den Fussball-Kalender umgestalten. 
Bild: Getty

Der Streit um eine Verkürzung des WM-Rhythmus auf zwei Jahre nimmt zu. Gemäss Berichten soll für mehr als ein Dutzend der europäischen Verbände die Kündigung der FIFA-Mitgliedschaft als Option in Betracht gezogen werden.

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20.10.2021 - 16:04

Zuerst hatte die Nachrichtenagentur AP darüber berichtet, nachdem FIFA-Präsident Gianni Infantino am Dienstag mit zahlreichen europäischen Verbandschefs über die Reform für den internationalen Spielkalender der Männer ab 2024 gesprochen haben soll.

Eine mögliche Weltmeisterschaft im Zwei-Jahres-Rhythmus wird derzeit kontrovers diskutiert, die Kontinentalverbände Europas und Südamerikas lehnen dies kategorisch ab. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin drohte mit Boykott aus Europa. Auch das IOC stellte sich gegen die Pläne Infantinos.

Zuletzt hatten die Verbände von Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Island und Färöer in einem gemeinsamen Statement ihre Position gegen eine WM alle zwei Jahre verdeutlicht. «Im schlimmsten Fall und als letzte Option kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Verbände aus Protest und mangelndem Verlangen nach dem neuen Aufbau aus der FIFA austreten», sagte der dänische Verbandschef Jesper Möller, der auch Mitglied der UEFA-Exekutive ist.

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«Insgesamt haben die europäischen Verbände sehr deutlich gemacht, dass sie geschlossen gegen die FIFA-Pläne stehen. Der FIFA wurden zahlreiche Argumente gegen die Pläne vorgelegt», so der deutsche Fussball-Bund (DFB) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Unser Eindruck war, dass der FIFA-Präsident sehr nachdenklich wirkte und verstanden hat, warum es keinen Sinn macht, so vorzugehen.»

Der Schweizerische Fussballverband will sich erst zur Situation äussern, sobald sowohl von Seiten der FIFA als auch der UEFA alle Fakten auf dem Tisch liegen.

Fussball-Szene wehrt sich

Dafür meldete sich zum Beispiel Luka Modric zu Wort. «Für mich macht eine Weltmeisterschaft alle zwei Jahre keinen Sinn», erklärte der Real-Star an einer Pressekonferenz. «Es ist etwas Besonderes, weil jeder vier Jahre lang wartet.» Doch der Weltfussballer 2018 kennt auch die undurchsichtigen Winkelzüge in seinem  Beruf. «Sie konsultieren die Spieler nicht, sie versuchen einfach Dinge zu tun, ohne zu fragen.» Für ihn ist klar:  «Ich möchte die WM nicht alle zwei Jahre sehen.»

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Luka Modric will den normalen WM-Rhythmus beibehalten.
Bild: Keystone

Auch ehemalige Fussball-Stars sprachen sich gegen die Pläne aus. Philipp Dahm meinte in seiner Kolumne: «Damit würde die goldene Fussball-Gans geschlachtet werden.»

«Wenn man das alle zwei Jahre spielt, ist das mental sehr anstrengend», gab Thierry Henry zu bedenken. Der Franzose, welcher an sieben Grossanlässen teilnahm, gesteht: «Ich kam mental zerrüttet aus diesen Turnieren heraus.»

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